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Heimatzirkus beendet Winterschlaf

Jonny Ortmann, Direktor und Raubtierdompteur im Zirkus „Barlay“ spielt mit seinen sibirischen Tigern Sultan und Leila. Insgesamt stehen fünf der prachtvollen Tiere in der Manege. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Beigang
Jonny Ortmann, Direktor und Raubtierdompteur im Zirkus „Barlay“ spielt mit seinen sibirischen Tigern Sultan und Leila. Insgesamt stehen fünf der prachtvollen Tiere in der Manege. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Beigang

Von unserem Redaktionsmitglied
Thomas Beigang

Die „fahrenden Leute“ aus Kieve schlagen wieder in Waren ihr Quartier auf. Der Boden ist eisfrei und das Programm in der Manege soll das Publikum zum Kochen bringen.

Waren.„Haut rein, Jungs!“ Die Stimme von Jonny Ortmann hallt über den Platz. Dann meldet sich wieder der Presslufthammer zu Wort. Ratternd „schieben“ die Angesprochenen einen der mächtigen Heringe, die das Zirkuszelt halten sollen, in die Erde. Die beiden Jungs schwitzen und Ortmann, der Direktor vom Zirkus Barlay, grinst.
Nicht nur, weil es beim Aufbau der Manege in Waren jetzt wieder schneller geht. Der Zirkus-Chef freut sich auch, dass die Saison für ihn und seine Leute nun endlich losgegangen ist. „Viel später als sonst üblich.“ Das lang anhaltende kalte Wetter hat den Zirkusleuten manchen Strich durch ihre Tourneeplanung gemacht. Waren, wo es heute ab 17 Uhr ernst wird, ist nach Neustrelitz und Plau erst die dritte Station.
In der ehemaligen Residenzstadt lag sogar noch so viel Schnee auf dem Platz, dass Gunther Madel, sonst der Clown in der Manege, sich verbissen in den Radlader setzte und die ungeliebte gefrorene Masse wegräumen musste. „Weißt du“, sagt Ortmann versonnen, „wie schlimm das ist, wenn die Sonne immer höher steht und du kannst noch nicht los, obwohl alles in dir danach verlangt, endlich wieder auf Tour zu gehen?“
Können er und die anderen rund 20 Leute, alles Familienmitglieder, jetzt ja auch. Zu lange habe sie in Kieve in der südlichen Müritzregion, wo die Truppe seit Jahren ihr Winterquartier aufschlägt, schon ausharren müssen. „Aber“, sagt der Direktor, „die Tiere sind gut über den Winter gekommen.“ So manch kleiner Auftritt in den Dörfern rings um Kieve, wofür sich die Truppe mit Futter für die Tiere bezahlen ließ, hat dabei geholfen. „Gute Leute ringsum“, haben Zirkus-Leute längst die Einheimischen ins Herz geschlossen. Und sind selbst auch für gute Taten zu haben. „Eines Nachts, in aller Herrgottsfrühe“, weiß Gunther Madel noch, „hat es an die Wagentür geklopft und draußen standen zwei Nordkurier-Zusteller, die sich mit ihrem Wagen in einer Schneewehe festgefahren hatten, Klar haben wir die rausgezogen.“
Ruhig ist es draußen in Warenshof, wo die Truppe ihr Zelt aufschlägt. Ganz anders als vor einem Jahr, als es in der Müritz-Zeitung heißen musste: „In Waren tobt der Zirkus-Krieg.“ 200 Plakate hingen die „Barlays“ damals auf – einen Tag später jedoch waren alle verschwunden. „Klar passiert mal, dass einige Plakate angerissen werden“, sagt Ortmann, „aber dass alle verschwinden und dafür Werbung für einen anderen Zirkus hing, das hatten wir noch nie erlebt.“ Denn – der Direktor verriet ein ungeschriebenes Gesetz: „Zwischen zwei Gastspielen in einer Stadt müssen mindestens acht Wochen Abstand liegen.“ Aber nur wenige Tage nach dem lange angemeldeten Termin der „Barlay“-Leute wollte in Waren erneut ein Zirkus Besucher anlocken.

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beigang@nordkurier.de

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