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Heiße Diskussion um Inselsperrung in Malchow

Das Präsidium der Stadt Malchow stellt sich den Fragen empörter Malchower. Die Verkehrsberuhigung der Insel in der Nacht gefällt bei Weitem nicht allen.  FOTO: S. Musyal
Das Präsidium der Stadt Malchow stellt sich den Fragen empörter Malchower. Die Verkehrsberuhigung der Insel in der Nacht gefällt bei Weitem nicht allen. FOTO: S. Musyal

VonSören Musyal

Bürger und Stadt nehmen sich Sinn und Unsinn der Inselberuhigung vor. Einigkeit besteht nur darin, sich uneinig zu sein.

Malchow.Die Anspannung steht Malchows Bürgermeister Joachim Stein (Grüne) ins Gesicht geschrieben. Immer mehr Malchower strömem am Mittwoch in den Saal der Werleburg, um an einer Bürgerversammlung teilzunehmen. Dort sollte über die Schließung der Altstadt auf der Insel beraten werden, denn mit Pollern möchte man diese in den Nachtstunden für den Durchgangsverkehr sperren.
Das jedoch gefällt nicht allen Malchowern. Schon jetzt muss man Umwege über die A 19 in Kauf nehmen, wenn man über die Drehbrücke in die Stadt oder über die Insel fahren will.
„Es geht um die Reduzierung des Straßenlärms in der Nacht“, versucht Stein das Vorhaben zu rechtfertigen. Zwischen 22 und 6 Uhr sollen die Poller ausgefahren sein, so der erste Vorschlag. „In dieser Zeit können nur Nutzungsbefugte auf die Insel“, erklärt er. Das Verlassen der Insel erlaube zu jeder Zeit ein Sensor im Boden.Doch schon hier sahen einige Malchower das erste Problem: „Wer ist denn Nutzungsbefugter?“ Die Antwort Steins: „Alle Inselbewohner, Feriengäste und andere Personen, die nachweislich während der Schließzeit auf die Insel müssen.“ Über weitere Ausnahmen könne man aber reden.
Zu diesen zähle er vor allem Mitarbeiter des CD-Werks in Röbel, die schon vor 6 Uhr zur Arbeit aufbrächen. „Aber soweit ich weiß, würde eine Eingrenzung auf 23 bis 5 Uhr das Problem schon lösen“, versichert er.
Den meisten Malchowern reicht das jedoch nicht. „Es gibt auch andere Leute, die im Schichtdienst arbeiten“, empört sich ein Bürger lautstark. Was sei mit dem Gastronomiepersonal des Landes Fleesensee, was mit Leuten in Pflegeheim und Reha-Klinik? Fragen, auf die Stein keine andere Antwort zu geben vermag als: „Über Ausnahmen muss man sprechen.“
Dabei sind sich nicht mal alle Malchower sicher, ob eine Verkehrsberuhigung der Insel überhaupt sinnvoll sei. „Das verlagert das Problem doch nur“, ist sich Burghard Kahl sicher. Während die Inselbewohner in Watte schliefen, hätten nun Bewohner der Rostocker oder der Bahnhofsstraße den Lärm vor der Haustür.
Und auch bei der Bedienung der Poller haben viele Bedenken: Per Handyanruf sollen sich diese bei Bedarf senken. Dafür aber muss die Nummer beim Rathaus gespeichert sein – „ein Witz“, wie eine Bürgerin findet.
Inzwischen wurde eine nächste Bürgerversammlung angesetzt: Am 19. Juni kann weiter diskutiert werden.

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