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Herbst schuftet im Frühling

Der Malchower Blütengarten bedeutet für Beatrix Herbst und Frank Mohrmann viel Arbeit, aber auch jede Menge Freude an schönen Pflanzen.  FOTOs (2): Petra Konermann
Der Malchower Blütengarten bedeutet für Beatrix Herbst und Frank Mohrmann viel Arbeit, aber auch jede Menge Freude an schönen Pflanzen. FOTOs (2): Petra Konermann

VonPetra Konermann

Im Malchower Blütengarten zeigen sich Tulpen, Ginster, Bartiris und Frauenschuh in altgewohnter Schönheit – und doch ist dieser Frühling etwas Besonderes. Nachdem es einen Trägerwechsel gegeben hat, gedeiht der Garten zum ersten Mal unter der Pflege der Stadt. Und, oh Wunder: Der Herbst ist auch schon da.

Malchow.Beatrix Herbst streift ihren grünen Daumen ab: Die grasgrünen Gummihandschuhe für die Gartenarbeit dürfen ein paar Minuten beiseite gelegt werden, wenn Gäste kommen. Seit diesem Jahr ist die Malchowerin Mitarbeiterin im Blütengarten, und sie gibt unumwunden zu: „Das ist die schönste Arbeitsstelle, die ich mir vorstellen kann.“ Dass die Pflege von lebendigen Schönheiten wie Rhododenren, Taglilie, Phlox und Sonnenbraut echte Schwerarbeit bedeuten kann, das weiß Beatrix Herbst längst: „Ich bin mit Garten und allem, was dazu gehört, aufgewachsen.“ Beste Voraussetzungen also, um sich einem Malchower Kleinod zu widmen. Das wurde bereits vor 37 Jahren angelegt – als Schulgarten.
„Kohlstrünke, Matratzen, Kochherde und Glas, für die der Weg in die heimischen Wälder wohl etwas zu weit war, mussten von der illegalen Müllkippe geholt werden, die unser Schulgarten werden sollte“, erinnerte sich einst Gartengründer und damaliger Lehrer Klaus Bargfried an die Anfänge. Nach der Wende hat ein eigens gegründeter Förderverein die Trägerschaft inne gehabt, bis schließlich Ende vergangenen Jahres der Verein aufgeben musste. Gesundheitliche Gründe waren es vor allem, die zu einem Trägerwechsel geführt haben. Der Verein löste sich auf. Die Malchower Stadtvertreter waren sich einig, dieses ein Hektar große Kleinod in der Schulstraße unter städtische Fittiche zu nehmen. „Dieser wertvolle Garten ist ohne Frage auch ein beeindruckendes Lebenswerk“, sagt Stadtgärtnerin Renate Ludewig.
Unter ihrer Regie pflegen nun Beatrix Herbst und Frank Mohrmann die über 800 Stauden, die im Blütengarten gedeihen und die Klaus Bargfied und seine Helfer über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen haben. „Alte Bekannte“ wie Phlox und Sonnenbraut sind darunter, aber auch seltene Kostbarkeiten wie die Frauenschuh-Orchidee. Angelehnt an die Prinzipien des Potsdamer „Staudenpapstes“ Karl Foerster nahm der Malchower Blütengarten seine Gestalt an unter dem Motto „Es wird durchgeblüht.“ „Das stimmt, irgendwas blüht eigentlich immer", weiß Mitarbeiterin Beatrix Herbst längst. Sie ist nicht nur beeindruckt von der abwechslungsreichen Vielfalt des Garten, sondern von der Ruhe, die er inmitten der Stadt bietet. „Da ist Arbeiten fast wie Urlaub“, meint sie. Der Trägerwechsel sei gelungen, ist sie sich mit Stadtgärtnerin Renate Ludewig einig. „Ich würde mir aber wünschen, dass uns noch mehr Malchower besuchen. Ich denke manchmal, einige wissen gar nicht, welches Kleinod wir hier haben“, sagt Beatrix Herbst.

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p.konermann@nordkurier.de

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