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Im Dienste der Schwachen auf Achse

Günther Hoffmann (links) und Volker Steuer neben ihrem treuen Gefährt, das schon mehr als  400 000 Kilometer in den Knochen hat. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas beigang
Günther Hoffmann (links) und Volker Steuer neben ihrem treuen Gefährt, das schon mehr als 400 000 Kilometer in den Knochen hat. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas beigang

Von unserem Redaktionsmitglied
Thomas Beigang

Wir suchen Autos, die viele Hunderttausende Kilometer in den Knochen haben und immer noch ihren Dienst tun. Auf unserer Suche nach dem „Rekord-Tacho“ haben sich einige Müritzer gemeldet.

Waren.Hier eine Roststelle und da auch noch eine kleine. Macht nichts – der Transporter der Warener Tafel fährt und fährt. „Rund
472 000 Kilometer hat der schon unter die Räder genommen“, erzählt stolz der Chef der Warener Tafel, Günther Hoffmann. Vier Fahrzeuge hat die Tafel auf dem Hof zu stehen, aber keines kommt dem „Rekord-Tacho“ auch nur annähernd nahe. Aber: Insgesamt sind alle Autos rund 250 000 Kilometer im Jahr unterwegs, um Lebensmittel für rund 3500 Bedürftige in der Müritzregion einzusammeln und zu verteilen. Das kostet. 36 000 Euro allein für Benzin und Diesel plus
20 000 Euro, die für anstehende Reparaturen jährlich gebraucht werden. Eine Menge Geld für die Warener Tafel, die regelmäßig auf Spenden angewiesen ist.
„Unsere Transporter brauchen auch mehr Sprit als andere, weil eine ganze Menge Kraftstoff allein für die Kühltechnik drauf geht“, muss Tafel-Chef Hoffmann konstatieren. Aber die Hygienevorschriften sind streng, die Kühlkette darf nicht unterbrochen werden, selbst im Winter nicht, wenn draußen strenge Minusgrade herrschen. Der Transporter mit der rekordverdächtigen Kilometerzahl fährt seit 2008 bei der Tafel, zum Zeitpunkt des Kaufs war das Auto auch schon vier Jahre alt. Gerade ist das Fahrzeug von der strengen TÜV-Überprüfung gekommen, die Inspekteure haben ihm einige Mängel angekreidet, die es jetzt zu beheben gilt. Doch Hoffmann und sein Kollege Volker Steuer sind Berufsoptimisten. Das werde schon klappen, heißt es. Denn das Lebensmittel-Auto muss noch eine Weile durchhalten, die finanziellen Mittel der im Dienste der Schwächsten stehenden Tafel sind knapp.
35 Leute stehen Hoffmann zur Seite, um Brot, Wurst, Käse, Obst, Gemüse und Fleisch abzuholen, zu transportieren, zu lagern und zu verteilen. Rentner, die sich noch nützlich machen wollen, solche aus dem Bundesfreiwilligendienst und Ein-Euro-Jobber. „Personalmäßig sind wir gut besetzt“, freut sich Hoffmann und seufzt: „Immer wieder aber die Probleme mit dem Geld.“
Keine Autos mit rekordverdächtigen Tacho-Zahlen werden am Sonnabend auf dem Neuen Markt in waren zu besichtigen sein. Dafür aber die neuesten Modelle aus den Autohäusern der Region.

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beigang@nordkurier.de

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