Im Lärzer Kugelschreiber-Paradies muss angebaut werden
Ein Kugelschreiber mit eingebauter Fernsteuerung für ein winziges Auto, das über den Tisch flitzt – auch so ein Exemplar gehört zu den Schätzen von Horst Gnaß. FOTO: Enders
Von unserem Redaktionsmitglied Elke Enders
„Kulis“ gibt es in Horst Gnaß‘ Büro beinahe wie Sand am Meer. Seit gut zehn Jahren hat er das Sammel-Fieber.
Lärz.Horst Gnaß musste anbauen, mehrmals in den zurückliegenden Jahren – und zwar im Büro, in Form von Regalen. Denn seine Schwäche für Kugelschreiber ist rekordverdächtig. Rund zehn Jahre währt nun die Sammelleidenschaft des Lärzers. Waren es nach zwei Jahren 2000 Stifte, sind es nun an die 30000. Lieblingsstücke hat Horst Gnaß mehrere, und eigentlich hat er alle gern. Einzige Voraussetzung, die die Kugelschreiber erfüllen müssen, ist, dass sie eine Beschriftung tragen oder originell gestaltet sind. Und da steht der dunkelblaue Auto-Stift in der Gunst des Sammlers ganz oben, ist er doch mit einer Fernsteuerung versehen, und damit nicht genug. „Im Bauch befindet sich ein winziger Pkw, der über den Tisch flitzen kann. Da kann man sich schön mit beschäftigen“, sagt Horst Gnaß, der sich 2001 mal bei einem Krankenhaus-Aufenthalt vom sammelnden Bettnachbarn „anstecken“ ließ. Seither ist er vom „Kuli-Virus“ befallen. Viele im Freundes- und Verwandtenkreis halfen mit, und als 2003 das erste Mal etwas über die Sammel-Leidenschaft im Nordkurier stand, trudelten im Anschluss sogar Pakete voller geschenkter Schreibutensilien ein. So wuchs der Bestand rasant. Inzwischen sind einige Kugelschreiber auch in den Wohnwagen auf dem Hof ausquartiert, andere wurden im Schlafzimmer verstaut, weil die Regale im Büro irgendwann von ihrer Kapazität her erschöpft sind. Somit gilt die Regel: Immer die schönsten Kugelschreiber verbleiben im Büro, wo dann und wann auch mal eine Präsentation stattfinden kann – im kleinen Rahmen. Dann greift Horst Gnaß gern zu seinen Unikaten, etwa dem Mixer, der schreiben kann. Oder zum Dromedar, das ein Bekannter aus der Türkei mitgebracht hatte. Ein weiterer Kuli ist in Pharaoform gestaltet und ein Mitbringsel aus Ägypten. Die Fische stammen aus Norwegen. „Nun bleib doch mal locker...“ schallt es aus einem ziemlich dicken Exemplar, gezielt aus dem Regal gezogen. Ob Gnaß merkt, wenn ein Stift fehlt? „Renate, den hast Du doch weg getragen“, hörte man ihn mehrmals rufen. Ein bisschen habe sie aufgeräumt, gesteht die Ehefrau. Doch im Großen und Ganzen wird das Hobby toleriert. So hat auch Renate Gnaß einen singenden Lieblingsstift: „Ein Stern, der Deinen Namen trägt.“ Auch die russischen Unikate mit aufwändigen Holzschnitzereien oder jener Kuli, der einem Knochen gleicht – sehenswert. Gnaß wurde gefragt, ob er nicht in der Scheune Bollewick ausstellen wolle. Das Umgebaue sei aber nichts für ihn. Bis ins Fernsehen hat es der 69-Jährige geschafft. Kontakt zur Autorin e.enders@nordkurier.de