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Kaufmann gelingt der Aufstieg

Eine umfangreiche Chronik zur Geschichte der Familie Ladewig hält der Malchower Stadtarchivar Dieter Kurth in seinen Händen. In dem Buch wird auch die Lebenslinien von Louis Ladewig aus Malchow nachgegangen.  FOTO: Petra Konermann
Eine umfangreiche Chronik zur Geschichte der Familie Ladewig hält der Malchower Stadtarchivar Dieter Kurth in seinen Händen. In dem Buch wird auch die Lebenslinien von Louis Ladewig aus Malchow nachgegangen. FOTO: Petra Konermann

Eine Buch-Schenkung fürs Malchower Stadtarchiv ist eigentlich gar nicht so selten. Doch über dieses Paket freut sich Archivar Dieter Kurth besonders. Jürgen Gramenz hat die Geschichte seiner Familie erforscht und die Ergebnisse veröffentlicht. Dieter Kurth hat über dieses Buch geschrieben. Heute Teil 1 einer Serie.

Malchow.Als einer der Nachkommen der jüdischen Familie Ladewig in Mecklenburg, die in Crivitz, Brüel und auch Malchow gelebt hat, unternahm Jürgen Gramenz eine persönliche Reise zu seinen eigenen Wurzeln – mit dem Ergebnis der Herausgabe des prachtvollen Buches.
Für Jürgen Gramenz ist dieses Buch sein Nachruf „auf die Ladewigs, einer Familie unter vielen und Menschen wie andere auch, die nach ihrem jahrelangen und mühsamen Aufstieg in Mecklenburg in kurzer Zeit ausgeplündert, fast vernichtet, vertrieben und über die ganze Welt verstreut wurden.“
Die Absicht des Autors „war es, dafür zu sorgen, dass ihre Schicksale und ihre Namen nicht vergessen sind“, wie der Autor selbst schreibt.
In dem Begleitbrief an das Malchower Stadtarchiv schreibt der Autor und Herausgeber der Ladewig–Dokumentation: „Ich darf Ihnen mein Buch zur jüdischen Familie Ladewig als Schenkung für die Stadt überreichen und überlasse es Ihnen, wo Sie es unterbringen möchten. Mir ist einzig wichtig, dass Louis Ladewig in Malchow als ein bedeutender Sohn der Stadt nicht vergessen wird. Bitte betrachten Sie das auch als kleines Dankeschön für Ihre tatkräftige Hilfe.“
In dem 400-seitigen Buch wird auch die Familiengeschichte von Kommerzienrat Louis Ladewig beschrieben, der am 25. März 1865 als Sohn einer Kaufmannsfamilie in Malchow geboren wurde. Sein Vater Adolf Jeremias Ladewig verstarb am 6. März 1880 in Malchow. Seine Mutter führte das Geschäft noch zehn Jahre weiter, danach kam es zur Geschäftsaufgabe.
Der Sohn Louis Ladewig wurde in Malchow ebenfalls zum Kaufmann ausgebildet, er zog dann in den 1880er-Jahren in die Industriestadt Chemnitz. Hier entwickelte sich der Mann mit den Malchower Wurzeln zu einem erfolgreichen Unternehmer und Tuchfabrikanten. Trotz seines imposanten beruflichen Werdeganges hat er nie die Verbindung zu seiner Geburtsstadt verloren und sich große Verdienste für die Stadt Malchow erworben. In dem Buch von Jürgen Gramenz wird das exakt beschrieben. Das Unternehmen von Louis Ladewig in Chemnitz entwickelte sich zu einer Firma von Weltrang. Weiter heißt es in der Dokumentation, dass „zu ihren Höchstzeiten die Firma ein Konglomerat aus einer Teppichfabrik mit Spinnerei, Färberei, Druckerei, Weberei und Endfertigung und einer Maschinenfabrik war, die Holzbearbeitungsmaschinen und auch Webstühle erzeugte. Die angeschlossene Maschinenfabrik wurde darüber hinaus Hauptlieferant der Reichswehr für Holzbearbeitungsmaschinen.“ In dem Buch ist weiter zu lesen, dass Louis Ladewig neben seiner „Funktion als Fabrikbesitzer zusätzlich noch als Handelsrichter und als Mitglied des Aufsichtsrates der Marschel Frank Sachs AG und der Vorstände des Arbeitgeberverbandes der sächsischen Textilindustrie, des Weberei-Verbandes für Mittel- und Westsachsen und des Industrievereines von Chemnitz und Umgebung sowie als Mitglied des Vorstandsausschusses des Chemnitzer Vereins für Kinderfreunde tätig war. Ebenso war er auch Mitglied des Chemnitzer Kunstvereins „Kunsthütte“.

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