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Klocksiner Ortsschild hängt in Mexiko

VonThomas Beigang

Von der Müritz in die Fremde und „Fremde“ an der Müritz. Wir stellen Menschen vor, die ausgewandert sind und solche, die hier angekommen sind.
Klocksin.Ganz hat ja nicht geklappt, was sich Velten Temper, der junge Mann aus Klocksin, vor fast einem Jahr vorgenommen hatte. Als die Müritz-Zeitung seinerzeit die alten, nunmehr ungültigen Ortsschilder, weil noch mit dem Zusatz „Müritzkreis“ versehen, in prima Zusammenarbeit mit der Straßenmeisterei in Waren für einen guten Zweck verkaufte, gehörte Velten Temper zu den ganz zeitigen Interessenten. Wie ein Schneekönig freute sich der junge Mann, weil er der erste war, der das einzige zur Verfügung stehende Ortsschild von Klocksin erwerben konnte.
Damals stand er, nach dem Kauf des gelben Ortseingansschildes, vor der Qual der Wahl. Soll er die Erinnerung an die Heimat mit in seinen Neu-Wohnsitz Berlin nehmen oder seiner Schwester schenken, die wegen der Heirat mit einem mexikanischen jungen Manne in Kürze nach Mittelamerika umziehen wollte? Die Geschwisterliebe obsiegte seinerzeit, Velten Tempke entschloss sich, das Schild seiner Schwester zu schenken. Aber – die Erinnerung an Klocksin war zu groß und zu sperrig, passte einfach nicht mehr in das Fluggepäck für die lange Reise nach Mexiko. Aber der Klocksiner wusste sich zu helfen und fand eine Lösung, von der alle beide profitieren konnten. Ein großflächiges Foto des Ortsschildes ließ er anfertigen und als Puzzle anschließend in Tausend kleine Einzelteile zerlegen. Dieses „Klocksin-Puzzle“ schickte Velten Temke schließlich seiner Schwester nach Mexiko hinterher. Die war so nicht nur im Besitz einer eindringlichen Erinnerung an die alte Heimat, sondern hatte auch gut zu tun, die Puzzleteile zusammen zu fügen. Aber, wie von Velten Temke jetzt zu erfahren war, hat sie das geschafft und Klocksin hat nun auch im fernen Mexiko seinen Ehrenplatz.
Wie das Original übrigens auch. Das von dem jungen Mann seinerzeit gekaufte gute Stück – der Erlös ging übrigens zu hundert Prozent an das gemeinnützige Leserhilfswerk beim Nordkurier – besitzt heute einen besonderen Platz in der Berliner Wohnung von Velten Temke und dessen Lebensgefährtin. Die übrigens auch aus Klocksin stammt. So gab es dabei wenigstens keinen Streit.

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