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Klug durch den Winter mit dem „Sorglos-Paket“

Das Radisson Blue in Göhren-Lebbin zählt zu den größten Arbeitgebern der Gastronomiebranche in der Region. [KT_CREDIT] FOTO: PEK
Das Radisson Blue in Göhren-Lebbin zählt zu den größten Arbeitgebern der Gastronomiebranche in der Region. [KT_CREDIT] FOTO: PEK

VonThomas Beigang

Jedes Jahr das Gleiche: Hotels und Gaststätten müssen zu Saisonende Leute entlassen und haben im Frühling wieder Probleme, gute Mitarbeiter zu finden.

Waren.Carmen Wiechert, Mitarbeiterin bei der Agentur für Arbeit, hat sich eine ganze Menge vorgenommen. Beim ersten Stammtisch der Mitglieder des Regionalverbandes Müritz des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Waren appelliert sie an Hoteliers und Gastronomen: „Sie suchen doch ständig gute Leute, Fachkräfte und Auszubildende. Die zu finden ist aber, wie ich immer wieder höre, sehr schwer.“
Carmen Wiechert hat eine Alternative parat, die sie den Unternehmern schmackhaft machen will: Die Qualifizierung der ungelernten Frauen und Männer, die während der Saison in der Gastronomie arbeiten. „Die Kosten übernimmt zum allergrößten Teil die Agentur für Arbeit.“ Arbeitnehmer, wirbt die Vertreterin der Agentur weiter, die sich zum Koch, Kellner oder zur Hotelfachkraft qualifizieren, werden im Winterhalbjahr wohl kaum in eine andere Branche wechseln und stünden so zu Saisonbeginn auch wieder zur „Verfügung“.
Wiechert erläutert den Ablauf einer solchen Qualifizierung: Nach der saisonbedingten Kündigung und der Meldung in der Arbeitsagentur könnte „nahtlos“ die Weiterbildung starten. Bis zur Wiedereinstellung im Frühjahr wird die erste Etappe absolviert. Ein halbes Jahr später das gleiche Spiel. Allerdings mit einem Unterschied: Die Arbeitnehmer werden nicht entlassen, sondern auf Kosten der Agentur, die den kompletten Lohn übernimmt, über den Winter weiter qualifiziert. Und alles noch einmal im dritten Jahr. Dann allerdings könnte die Agentur für Arbeit nur noch bis zu 80 Prozent des Lohns zahlen, den Rest müsste der Arbeitgeber übernehmen. Wiechert nennt das ein „Rundum-
Sorglos-Paket“ für die Hoteliers und Gastronomen.
Thomas Döbber-Rüther, Beisitzer im Vorstand des Dehoga-Regionalverbandes und Manager beim Golf & Country Club Fleesensee, hat mit einem ähnlichen Programm gute Erfahrungen gemacht. „Unsere Greenkeeper, von denen viele zum 1. November immer entlassen werden müssen, haben sich zwei Jahre lang im Winterhalbjahr qualifiziert und ihren Abschluss gemacht. In dieser Zeit waren die Mitarbeiter quasi vollbeschäftigt. Das hat natürlich Auswirkungen auf deren Arbeitslosengeld.“
Carmen Wiechert wirft sich noch einmal in die Bresche: „Wenn Sie Ihre Leute qualifizieren, bleiben die Ihnen erhalten.“

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