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„Man in black“ taucht ab zu den Silberlingen

Roger Mader, der Profi-Taucher: Vorn macht er sich noch bereit und kontrolliert seinen Anzug und die Luftschläuche. Dahinter ist Mader schon als Profi-Reiniger dabei, die Scheibe des großen Aquariums von innen zu säubern. [KT_CREDIT] FOTOs: Thomas Beigang/Montage:tü
Roger Mader, der Profi-Taucher: Vorn macht er sich noch bereit und kontrolliert seinen Anzug und die Luftschläuche. Dahinter ist Mader schon als Profi-Reiniger dabei, die Scheibe des großen Aquariums von innen zu säubern. [KT_CREDIT] FOTOs: Thomas Beigang/Montage:tü

VonThomas Beigang

Fische machen Dreck: Alle drei Wochen muss ein Mann ins Müritzeum und dort unter Wasser alles wieder auf Vordermann bringen. Und manchmal bringt er sogar einen Fisch mit nach oben.

Waren.Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Für Taucher sowieso. Und für Unterwasser-Profis, die in voll gefüllte sechs Meter tiefe Aquarien steigen, erst recht. „Man sollte sich nach Möglichkeit nicht hektisch bewegen“, weiß Roger Mader, „damit der Schwarm nicht unruhig wird.“ Denn obwohl die rund 500 großen Maränen in dem 105 000 Liter fassenden Riesen-Aquarium im Warener Müritzeum Publikum gewöhnt sind, kommt ihnen niemand so nahe wie Roger Mader. Der Inhaber einer Tauchschule an der Müritz steigt in schöner Regelmäßigkeit seit Jahr und Tag alle drei Wochen in das große Schaubecken. Um sauber zu machen.
„Die gute Sicht für die Besucher ist doch das A und O“, begründet der Taucher die häufigen Einsätze. Und bei Hunderten Fischen gerate schnell mal etwas „schmuddlig“. Mader muss die immerhin 27 Zentimeter dicke Acrylscheibe von oben nach unten und von links nach rechts durchsichtig halten und den „Meeresgrund“ nach Futterresten und sonstigen Hinterlassenschaften der Maränen absuchen. „Es passiert schon mal“, erzählt er, „dass ich einen der Fische dabei berühre“.
Das Schaubecken im Warener Müritzeum gilt als das größte Süßwasser-Aquarium deutschlandweit. Ein riesiger Kran musste seinerzeit beim Bau des „Haus der Tausend Seen“ die Acrylscheibe in das Innere des Gebäudes heben – noch bevor das Dach des vom Schweden Gert Wingårdh entworfenen Baus das Ganze nach oben verschloss. 2005 wurde der feierliche Grundstein gelegt, im Sommer 2007 dann die Eröffnung des Hauses gefeiert.
Manchmal kehrt Roger Mader nach einer Stunde Putzarbeiten auch mit einem Fisch im Kescher wieder nach oben zurück. Nicht als Lohn für die geleistete Arbeit, Mader muss im Auftrag der Aquarianer um Marco Kastner und Andreas Schmieder auch nach kranken oder alten Tieren Ausschau halten, die dann unfreiwillig den Schwarm verlassen müssen. „Die Maränen werden hier in Gefangenschaft und unter den idealen Bedingungen sehr groß“, erklärt der Fischfänger Mader. Und wenn sich der Rücken bereits beginne zu verbiegen, schlage in aller Regel die letzte Stunde für den Fisch. Dabei stellt sich das Fangen nicht als einfach heraus. „So ein Schwarm bietet guten Schutz für die einzelne Maräne. Da findet man die betroffenen Tiere nur sehr schwer wieder.“
Im Müritzeum wird aus der Not, der aufwendigen Reinigung, immer gleich auch eine Tugend gemacht. So gerät die „simple“ Fensterputz-Aktion regelmäßig zur Show, wenn sich Mader mit Mikrofon kurz vor dem Einstieg den zahlreich am Aquarium versammelten Besuchern vorstellt und anschließend der Fischexperte Kastner die Moderation übernimmt. Der erklärt den staunenden Zaungästen, was der Mann unter Wasser eigentlich macht. Nebenbei, na, klar, nimmt der Aquarianer die Besucher auf einen Schnellgang durch die einheimische Fischwelt mit.
Eine Stunde später atmet der Taucher wieder frische Luft. Er reckt den Daumen: Keine besonderen Vorkommnisse.

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