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Meckern erlaubt: Leere Tische in den Lokalen

Von unserem Redaktionsmitglied
Elke Enders

Ob der Frühling kommt oder nicht, ist für viele eine existenzielle Frage. Nicht nur Gärtnereien verbuchen hohe Verluste, auch die Gastronomie leidet, und das ganz besonders außerhalb der „Metropole“ Waren.

Röbel.Während sich in Waren mit den ersten Sonnenstrahlen doch schon wieder Menschentrauben durch die Einkaufsmeile schieben, geht es in Röbel noch sehr viel beschaulicher zu. Insbesondere Gastronomen in Hafennähe leiden unter dem ausbleibenden Frühling. Auch, dass die Fahrgastschiffe noch angeleint liegen, wirkt sich nicht gerade förderlich auf den Publikumsverkehr aus. Dennoch lassen die Gastronomen die Köpfe nicht hängen.
„Wie die Stimmung ist? Bei uns gut“, sagte Restaurantleiter Michael Henow, der direkt am Röbeler Hafen seit Ostern das Lokal „Meerseen“ betreibt. Er tritt damit die Nachfolge von „Seaven
Seas“ an, die 2012 erst eröffnet hatten und mit Piratenoutfits und neuem Konzept, bei dem man beim Kochen zusehen konnte, ihre Kunden begeistern wollten.
„Meerseen“ setzt stattdessen auf bewährte Restaurant-Kultur. Es gibt regionale Produkte bis hin zu Kaffee, Kuchen und Eis. Auch gestern wurden die Stühle rausgeräumt. „Mit der Sonne kommen auch die Leute“, meinte die Servicekraft. „Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt ja nichts, wir wissen, dass die Saison kommt, und dann knallt‘s auch“, bleibt der Restaurantleiter optimistisch.
Dass die Saison endlich Fahrt aufnimmt, darauf wartet auch das Team der „Müritzterrasse“, die gleich gegenüber ihre Türen geöffnet hält. Bis vor zwei Tagen reichte das Eis der Röbeler Bucht dort noch bis an die Freiluft-Bestuhlung. Ein Frühlingsbonus soll nun den Aufenthalt versüßen. Dabei ist es vor allem das Restaurant, das vor sich hindümpelt, weil die Urlauber fehlen. „Wir sind an dem Punkt, an dem wir loslegen wollen“, sagte Ramona Langefeldt, die gemeinsam mit ihrem Mann Kay sowie Schwager und Schwägerin Maik und Nuria Langefeldt das Hotel im vergangenen Jahr übernommen hat. Sie haben inzwischen auch Lehrgeld bezahlt, sind, was die Übernachtungen angeht, aber gut über den Winter gekommen. Vor allem Geschäftsleute und Handwerker sorgten dafür, dass die Zimmer gut gebucht waren. Nur das Restaurant haben sie über die kalte Jahreszeit für die Laufkundschaft geschlossen gehalten – etwas, was sie im nächsten Jahr vielleicht anders gestalten. Mit farbenfroher Deko soll nun der Frühling ins Haus geholt werden. Und auch die Spargelsaison hat begonnen, ließ Küchenchef Maik Lan-
gefeldt wissen. Ein Mix aus Urlaubern und Einheimischen war auch schon da, und die Feiertage liefen gut. Also, alles kein Grund, schwarz zu sehen? „…nur grau“, gestand Ramona Lan-gefeldt, dass das Wetter aber doch mürbe mache.
So hat der Italiener auf der anderen Straßenseite gleich einen Zettel ins Fenster geklebt: Das Eiscafé bleibt noch geschlossen! Stattdessen lädt er in sein Restaurant in die Innenstadt ein.
Apropos Kaffee, den gibt‘s ganzjährig auch am Ziegenmarkt. Viele Familien weilten in den Osterferien schon in der Stadt, wusste Jörg Kemmereit zu berichten. „Jetzt spüren wir den Knick, weil die Schule begonnen hat“, so der Betreiber von Touristinfo und Hofcafé. Was die Quartierbuchungen angeht, seien viele Stornierungen potentieller Kanu-Fahrer eingegangen. Und Radler berichteten von erschwerten Bedingungen: „Einige mussten kilometerweit schieben, weil die Wege noch vereist waren“, schilderte Jörg Kemmereit.

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