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Ministerium verweigert Schülern Zusatz-Ausbildung

VonJörg Döbereiner

Ein Dutzend Berufsschüler will möglichst schnell lernen und beantragt einen Zusatz-Ausbildungsgang. Das Bildungsministerium lehnt ab – eine zusätzliche Ausbildung lohne sich nicht.

Waren/Neustrelitz.Der Brief des Ministeriums erreicht Mario Bartke mitten im Prüfungsstress. Gemeinsam mit zwölf Kollegen absolviert der 27-jährige Warener in diesen Tagen die Abschlussprüfungen seiner Ausbildung zum Tiefbau-Techniker an der Fachschule Neustrelitz. Zwei Jahre lang haben die jungen Leute gelernt, wie man Straßen, Tunnel und Brücken baut, doch das ist ihnen nicht genug. Sie möchten einen Erweiterungslehrgang zum Hochbau-Techniker absolvieren. 25 Wochen dauert der Kurs, am Ende winkt der zusätzliche Abschluss. „Man möchte ja etwas erreichen“, sagt Mario Bartke.
Nun müssen die Berufsschüler einen Brief des Bildungsministeriums schlucken, in dem es begründet, weshalb es den Zusatzbildungsgang ablehnt. Das Ministerium beruft sich darin auf eine Verordnung, die Bildungsgänge für diese Schulart nur ab einer Klassenstärke von 22 Schülern zulässt. Noch vor zwei Jahren gewährte das Ministerium dieselbe Zusatzausbildung ab zwölf Schülern. Für Mario Bartke und seine Mitschüler bedeutet das: Wollen sie den zusätzlichen Abschluss, müssen sie statt 25 Wochen zwei weitere Jahre lernen.
„Viele von uns haben Familie und Kinder zu ernähren oder müssen Bildungskredite zurückzahlen“, sagt Mario Bartke, der selbst eine Frau und einen dreijährigen Sohn hat. „Noch einmal zwei Jahre Ausbildung können wir uns nicht leisten.“ Was den Schülern besonders sauer aufstößt, ist eine weitere Begründung des Ministeriums für die Absage. „Es fehlt der Nachweis, dass durch diese zweite Fachschulausbildung signifikant bessere Einstellungsmöglichkeiten bestehen“, heißt es in dem Schreiben, das Minister Mathias Brodkorb (SPD) persönlich unterzeichnet hat.
Ein zusätzlicher Abschluss, der sich nicht lohnt? „Je besser jemand ausgebildet ist, desto besser sind seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Marlies Händschke, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Müritz-Demmin. Wie die Schüler kann auch sie nicht nachvollziehen, weshalb die Zusatz-Ausbildung abgelehnt wird. Zumal in der beruflichen Schule die nötigen Fachkräfte zur Verfügung stehen. „Wir sind fachlich und personell dazu in der Lage, den Kurs zu geben“, sagt der Leiter der Fachschule Neustrelitz, Burkhard Schramm. Doch er ist an das gebunden, was ihm Schwerin zugesteht.
Wollen die Schüler die verkürzte Zusatz-Ausbildung doch noch wahrnehmen, bleibt ihnen nur der Wechsel an eine andere Schule. „Dann müssten wir Mecklenburg-Vorpommern verlassen“, sagt Mario Bartke. „Aber das wollen wir nicht.“

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