Nordkurier.de

Mit „Frau Elster“ im Garten seit 15 Jahren auf Du und Du

Manfred Stolschewski mit seiner „Frau Elster“, die gerade ein Bad im Wassernapf genommen hat und deshalb etwas ruppig ums Federkleid aussieht. Fotos mag sie nicht all zu gerne, weshalb sie auch kräftig losschimpfte…  FOTOs (2): Enders
Manfred Stolschewski mit seiner „Frau Elster“, die gerade ein Bad im Wassernapf genommen hat und deshalb etwas ruppig ums Federkleid aussieht. Fotos mag sie nicht all zu gerne, weshalb sie auch kräftig losschimpfte… FOTOs (2): Enders

VonElke Enders

Krächzen kann sie, als wäre nie etwas geschehen. Doch jener Raubvogel, der auf einem Röbeler Hinterhof wohnt, hat eine leidvolle Geschichte.

Röbel.Eigentlich ist Manfred Stolschewski mit Herz und Seele Angler – ein Hobby, dem der frühere Fischer inzwischen auch beruflich wieder nachgeht. Hat er sich doch auf seinem Grundstück in der Straße der Deutschen Einheit einen Angelkahn-Verleih aufgebaut, den er mit Herzblut betreibt. Und er ist mit Tipps und Tricks zur Stelle, wenn es darum geht, den ganz großen Brocken an Land zu ziehen. Wie solche Fänge aussehen, können angelinteressierte Urlauber an jeder Ecke des Grundstücks erfahren – hier sind eine Vielzahl von präparierten Fischköpfen ausgestellt.
Aber auch andere Entdeckungen lassen sich machen, sei‘s der putzige, riesengroße Kater „Fussel“, eine Norwegische Waldkatze, die übers Gelände streift. Oder aber eine Elster, die in der Voliere von Stange zu Stange hüpft und aufgeregt vor sich hin schimpft – wenn sich Besucher nähern. Und viele wollen wissen, warum denn die Elster nicht bei ihren Artgenossen ist? Doch: „Das wäre ihr Todesurteil“, klärt Manfred Stolschewski auf, der die ganze Geschichte erzählt:
Es war vor genau 15 Jahren, als die Elster Opfer eines Verkehrsunfalles wurde und sich ihren Flügel derart verletzte, dass der Röbeler Mitleid bekam. Er holte den Raubvogel zu sich aufs Gehöft und pflegte ihn. „Ich dachte, das halbe Jahr, das die Elster noch lebt, kann sie auch bei mir Asyl bekommen“, erzählt der heute 60-Jährige. Der Flügel war allerdings nicht mehr zu retten. „Er hing nur noch am Hautfetzen, ich musste ihn leider amputieren“, erinnert er sich. Doch die Elster lebte sich ein, meist sitzt sie in der Voliere, im Sommer draußen, wo sie ihren Artgenossen zukrächzt, im Winter in der Werkstatt. „Dann ist sie auch etwas zutraulicher“, weiß der Röbeler Pflegevater.
Inzwischen ist sie schon 15 Jahre bei ihm. Und nicht selten kommen die anderen Elstern, krallen sich bei ihr an die Käfigtür. Als Dank für den Besuch schmeißt ihnen dann die Insassin etwas von ihrem immer reichlich vorhandenen Futter hinaus. Nebenan kreischen Nymphensittiche, allein ist die Elster, die den Namen „Frau Elster“ trägt, also nicht. Aber sie mit einem anderen Vogel zusammenzusperren, hat sich schnell als aussichtslos erwiesen. „Ich habe einmal eine verletzte Meise mit rein gesetzt, ehe die Katze sie kriegt“, erzählt Manfred Stolschewski. Doch die Elster hat nur kurzen Prozess gemacht. Sie ist eben ein Raubtier. Ansonsten stehen bei ihr Katzenfutter, Hundefutter oder auch Küchenabfälle auf dem Speiseplan – wovon mitunter eben auch die Artgenossen profitieren.

Kontakt zur Autorin
e.enders@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×