Fr. 02. März 2012
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Politik von Elke Enders

Munitions-Verdacht: „Lieber einmal mehr anrufen als zu wenig“

Die Gefahr ist allgegenwärtig – noch immer. Doch wo liegt sie, die Munition aus Kriegstagen? Welche Flächen in der Region gelten als belastet? Georg Tiedt vom Munitionsbergungsdienst in Mirow klärt anhand von Kartenmaterial auf.

Munition
Solche Kleinbomben wie die liegende vom Typ SD 1 (Sprengbombe dickwandig 1 Kilogramm) kommen am Ostufer der Müritz, an der Steilküste, vor.
Foto: Elke Enders
Waren (Elke Enders)  

Ob er selbst manchmal Angst hat? „Man passt eben auf, muss sich die Munition genau angucken, sie identifizieren, auch wenn sie in sehr schlechtem Zustand ist“, sagt Georg Tiedt, Fachtechnisches Aufsichtspersonal beim Munitionsbergungsdienst in Mirow. Jeden Moment kann das Telefon klingeln, und nicht selten ist es die Polizei, die ein Bürgerbegehren weiter gibt. Nämlich dann, wenn wieder jemand beim Waldspaziergang oder auf dem eigenen Grundstück ein verdächtiges Metallteil gefunden hat. Und davon gibt es noch immer – auch fast 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges – unheimlich viele.


82 Soforteinsätze hatten die Mirower Munitionsexperten im Jahr 2011 zu leisten. Und Georg Tiedt kann nur jeden ermutigen, sich im Verdachtsfalle tatsächlich an den Munitionsbergungsdienst zu wenden oder eben an die Polizei, die den Hinweis dann weiter leitet. „Die Gefahrenabwehr ist immer kostenfrei, auch wenn nichts gefunden wird“, sagt Georg Tiedt, der die Devise vertritt: „Lieber einmal mehr anrufen als einmal zu wenig.“ Denn noch immer schlummert auch in der Müritzregion, und gerade hier, besonders viel der heiklen Kriegshinterlassenschaft.


Rote Flächen auf der Karte zeigen Gebiete mit Munition


Auf einer Karte, die den Munitionsbergern in Mirow zur Orientierung dient, wo besonders viel der Munition vermutet wird, sind gerade östlich der Müritz einige Flächen rot schraffiert: „Das sind die belasteten Gebiete“, erläutert Georg Tiedt. Ermittelt wurden sie anhand von Funden oder von alten Luftaufnahmen, wobei ehemalige GUS-Liegenschaften generell als belastet gelten. Dicke rote Farbtupfer markieren die Fundstellen. So ist der Bereich nördlich von Rechlin betroffen, die Steilküste am Ostufer der Müritz. Aber auch jener Bereich, wo das Lagunendorf mal seinen Platz finden soll. Bis hin nach Schillersdorf und Qualzow erstreckt sich die Fläche, in der Kriegshinterlassenschaften schlummern. Rote Punkte mit Schraffur sind zudem im Wald aus Lärz kommend Richtung Krümmel beidseitig der Straße zu finden. Während der Munitionsbergungsdienst den Bund selbst darauf hingewiesen hat, etwa bei Retzow, Kotzow und Schillersdorf Hinweisschilder aufzustellen, so haben Privatpersonen es manchmal versäumt, ihre Flächen zu kennzeichnen. „Aber immer der Eigentümer ist verantwortlich, Schilder anzubringen“, weiß Tiedt.
 

Muna Fürstensee auf Jahrzehnte noch mit brisantem Erbe belastet


Ein weiteres Gebiet mit roter Schraffur erstreckt sich zwischen Kargow und Federow Richtung Südosten, an Klockow und Speck entlang bis hin nach Granzin. Was die Städte Waren, Malchow und Röbel angeht, so spricht Georg Tiedt von Einzelfunden, die ebenfalls für teils kräftige rote Punkte in der Karte sorgen. Auch in Mirow Richtung Peetsch und Leussow gilt das Waldgebiet als belastet, ein Teilgebiet konnte hier kürzlich beräumt werden (Der Nordkurier berichtete). Etliche rote Farbkleckse künden auch von Funden in der Woblitzstadt Wesenberg. Sowohl nördlich von Neustrelitz als auch südlich sind wiederum belastete Gebiete nachgewiesen. Bei letztgenannter Stelle handelt es sich um die Muna Fürstensee, die wohl noch Jahrzehnte durch ihr brisantes Erbe von sich Reden macht.


Viel zu tun gibt es für den Munitionsbergungsdienst auch im Grammertiner Wald bei Stavenhagen/Basepohl. Während das Land bestrebt ist, seine Flächen nach und nach zu beräumen – das jeweils nötige Geld wird peu á peu im Haushalt eingeplant –, so legt der Bund mehr Gelassenheit an den Tag, was die Beräumung angeht. Generell gilt aber: Immer wenn deutsche Munition gefunden wird, dann kommt der Bund für die Kosten für Beräumung und Vernichtung auf. Ist es die Munition der Alliierten, hierzulande meist russischer Bauart, stellt das Land die Gelder zur Verfügung.

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