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Nahkämpfer unterrichten im Jobcenter Selbstverteidigung

Der Mann aus der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, Detlef Bönisch (rechts), spielt den Angreifer, den der Selbstverteidungsexperte Dietmar Panster abwehrt.  FOTOS: beigang/dpa/montage: tü
Der Mann aus der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle, Detlef Bönisch (rechts), spielt den Angreifer, den der Selbstverteidungsexperte Dietmar Panster abwehrt. FOTOS: beigang/dpa/montage: tü

VonThomas Beigang

„Bleiben Sie stets ruhig und freundlich“. Polizisten schulen Mitarbeiter aus Behörden im Umgang mit manchmal unfreundlichen Besuchern.

Waren.Immer Blickkontakt zur Tür, wenn möglich, eine künstliche Barriere zwischen Mitarbeiterin und Besucher und keine schweren oder spitzen Gegenstände in Reichweite des Gegenübers auf dem Schreibtisch.
Detlef Bönisch und Dietmar Panster unterweisen Mitarbeiterinnen des Jobcenters Müritz im Umgang mit möglicherweise aggressiven Kunden. „Vermeiden Sie Stress und treten Sie dem Besucher freundlich, aber bestimmt entgegen“, raten die Polizeibeamten.
Die ungewöhnliche Unterrichtsstunde im Jobcenter soll der Sicherheit der zumeist weiblichen Mitarbeiter dienen, so Böhnisch. Der Mann aus der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle erinnert an den tödlichen Messerangriff eines 52-jährigen Mannes im vergangenen Jahr, dem eine junge Angestellte aus dem Jobcenter in Neuss (Nordrhein-Westfalen) zum Opfer fiel. „Wir wissen, dass der Attacke eine verbale Auseinandersetzung vorausging.“ Streit mit Kunden sind im Müritzer Jobcenter selten, kommen aber vor. Für den Ernstfall kann jeder Mitarbeiter per Knopfdruck am Computer einen Notruf versenden, der dann sofort bei allen Kollegen auf dem Bildschirm auftaucht. Und alle wissen Bescheid, wer diesen Notruf gesendet hat und können schnell zu Hilfe eilen. Zum Glück ist in der Vergangenheit hier aber noch niemand von frustrierten Kunden körperlich angegriffen worden – wenn auch einige wenige Male die Polizei gerufen werden musste, weil die sich nicht beruhigen wollten.
„Ihre Kunden stehen zumeiist unter Stress, sind von Geldnot geplagt und erwarten sofortige Hilfe. Da kann man auf Seiten der Mitarbeiter nicht immer auf Verständnis hoffen, nur weil man sich an die gesetzlichen Grundlagen hält“, erklärt Detlef Bönisch. Schluss mit der Theorie, jetzt schlägt die Stunde von Dietmar Panster. Der hat jahrelang seine Kollegen in der Kunst der Selbstverteidigung unterwiesen und will den Damen aus dem Jobcenter einige wenige Handgriffe beibringen – für den Fall der Fälle, dass die sich körperlich verteidigen müssen. „Wenn es Ihnen nicht mehr gelingt zu flüchten, bleiben Sie nie sitzen und bieten sie dem Angreifer keine volle Breitseite. Immer dem Gegenüber seitlich zugewandt stehen“, so der Fachmann. Dann zeigt der Selbstverteidiger einige Techniken, die den Angreifer aus dem Konzept bringen. Die Damen folgen gespannt. Und hoffen, das nie anwenden zu müssen.

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