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Naturschützer leisten Bärendienst für den Wolf

VonCarsten Schönebeck

Tierische Nachbarschaftshilfe: Im Bärenwald drehte sich am Wochenende alles um einen anderen pelzigen Vierbeiner. Der Naturschutzbund machte Werbung für Isegrim.

Stuer.Wenn es um den Wolf geht, kennt der Naturschutzbund (Nabu) keinen Anstand. Da wird auch mal ein kleines Mädchen des Meineids bezichtigt. Mit der Kampagne „Rotkäppchen lügt“ gastierte der Verband am Sonnabend im Stuerer Bärenwald. Ein Debattenbeitrag zur Rückkehr des Wolfes, so pries es Ulrich Meßner an. Der Leiter des Nationalparkamtes Müritz räumte jedoch auch ein, dass eben jene Diskussion kein offenes Ende vertrage. „Der Wolf wird früher oder später auch in unserer Region wieder Fuß fassen. Gegen die Ansiedlung wollen wir auch gar nichts unternehmen“, erklärte er auf Nachfrage.
Dem Naturschutzbund geht es darum, die Angst vor dem Raubtier zu nehmen. „Die Horror-Szenarien, die einige Kritiker malen, sind völlig unrealistisch“, so Stefan Schwill vom Nabu-Landesvorstand. Überfälle auf Kinder gehörten ins Reich der Märchen. Wölfe würden sich zwar in die Nähe von Siedlungen begeben, damit sei aber keine Gefahr für den Menschen selbst verknüpft. „Die Tiere haben eine instinktive Angst vor dem Menschen“, so Schwill. Nicht ganz zu unrecht, schließlich hat der ihn bereits einmal aus diesen Gebieten vertrieben. Zustimmung gab es auch da von Seiten des Nationalparks. „Für den Menschen sind Wildschweine eine deutlich größere Gefahr. Aber bei denen redet niemand darüber“, so Ulrich Meßner.
Fürchten müssten lediglich die Halter von Nutztieren. Denn trotz des großen Nahrungsangebotes im Nationalpark ließe sich der Wolf solche Leckerbissen nicht dauerhaft entgehen. Entsprechend gab es am Samstag viel Lob für die Landesregierung und ihre Bemühungen, den Landwirten zu helfen. Schutzmaßnahmen werden finanziell gefördert, Schäden durch mögliche Wolfsangriffe ersetzt.
Info-Stände entlang der Bärengehege beschäftigten sich mit dem Verhalten der Wölfe und mit der Frage, wie sich ihre Anwesenheit nachweisen lässt. Damit gibt es in der Müritz-Region immer noch Probleme. Trotz Fotos, Fährten und mehrerer Übergriffe auf Schafherden konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, ob sich eines der Tiere hier dauerhaft niedergelassen hat.
50 ehrenamtliche Wolfsbetreuer und sieben Gutachter hat das Land ausgebildet. „Ohne eine genetische Probe ist es allerdings sehr schwer, Hund und Wolf zweifelsfrei zu unterscheiden“, so Meßner. Gelungen war das mit einem Wolfspaar in der Lübtheener Heide. Dort erwarten Experten in diesem Jahr den ersten Nachwuchs. Es wäre das erste Rudel in Mecklenburg-Vorpommern.
Die tierischen Einwohner in Stuer nahmen den Besuch am Samstag gelassen auf. „Wolf und Bär verstehen sich ganz gut. Teilweise werden sie sogar in gemeinsamen Gehegen gehalten. Der Bär ist ja hauptsächlich Vegetarier, da gibt es keinen Konkurrenzkampf“, so Carsten Hertwig, Geschäftsführer des Parks.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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