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Neue Ferkel-Fabrik? Einwohner wollen keine Schweinereien

Zahlreiche Sophienhofer doch auch Loitzer waren gekommen, um sich an der Diskussion zum geplanten Bau einer Schweinemast- anlage in Sophienhof zu beteiligen. [KT_CREDIT] Fotos: Ulrike Rosenstädt
Zahlreiche Sophienhofer doch auch Loitzer waren gekommen, um sich an der Diskussion zum geplanten Bau einer Schweinemast- anlage in Sophienhof zu beteiligen. [KT_CREDIT] Fotos: Ulrike Rosenstädt

VonUlrike Rosenstädt

Sie wollen keine Schweinemastanlage in ihrem Ort – weder die
alteingesessenen noch
die zugezogenen Sophienhofer. Das Votum war eindeutig und wurde schließlich mit dem deutlichen Nein aller Ortsbeiratsmitglieder bei der Abstimmung bekräftigt.

Sophienhof.Warum waren zahlreiche Sophienhofer und auch Loitzer der Einladung zur Ortsbeiratssitzung am Donnerstagabend im Versammlungssaal der Feuerwehr gefolgt? Auf dem Tisch von Bürgermeister Michael Sack liegt eine Bauvoranfrage für einen Schweinestall mit 1400 Mastplätzen. Als dies bekannt wurde, schrillten nicht allein bei den
Lokalpolitikern sofort die Alarmglocken, denn auch den Bau des ersten Stalls mit 1000 Plätzen hatten sie vor Jahren bereits abgelehnt. Damals ohne Erfolg – der Stall wurde gebaut, ist heute allerdings außer Betrieb. Gegen einen ländlichen Betrieb haben die Sophienhofer nichts, aber eine Industrieanlage, in der Schweine gezüchtet werden, lehnen sie ab.
Um die Kommunalverfassung nicht zu unterwandern – Bürger dürfen sich in der Fragestunde nicht zu Themen der aktuellen Tagesordnung äußern – wurde die Sitzung unterbrochen und eine Anhörung gestartet. Gut vorbereitet und klar strukturiert verlief der Abend dann weiter. Nicht zuletzt aufgrund der straffen Versammlungsführung von der Ortsbeiratsvorsitzenden Roswita Jürgens. Überraschend für die meisten Anwesenden standen die Vorstände der Daberkower Landhof AG, Jasper von Maltzahn und Wilfried Kosalla, Rede und Antwort. Denen gehört das Gelände seit einiger Zeit. Sie sind aber nicht diejenigen, die einst die Bauvoranfrage gestellt haben.
„Wir sind in diese Situation geraten wie die Jungfrau zum Kind“, erklärte Wilfried Kosalla. Die beiden Geschäftsmänner, die praktisch mit dem Kauf der Fläche und den darauf stehenden Stallungen, die Bauvoranfrage mit übernommen haben, wollten einfach die Stimmung im Ort erfahren: „Wir werden nichts gegen ihren Willen unternehmen, aber wir sind jetzt die Eigentümer und müssen eine vernünftige Lösung für dieses Gelände finden“, sagte Jasper von Maltzahn.
Vielleicht verlief der Abend auch deshalb so wenig hitzig, weil die Bewohner diese Handreichung der neuen Eigentümer als gute Gesprächsgrundlage erkannten. Und schließlich standen am Ende zahlreiche Vorschläge mit im Raum, über die nun weiter nachgedacht und die zu Ende gesponnen werden müssen, um ein brauchbares Konzept zu erstellen. So könnte auf dem Schweinestallgelände ein Erlebnis-Bauernhof entstehen, ein Streichelzoo, oder einfach eine vollständig begrünte Fläche. Die Sophienhofer könnten sich aber auch vorstellen, jungen Familien das Stück als günstiges Bauland zur Verfügung zu stellen. Die Bauvoranfrage scheint so gut wie vom Tisch, was aus dem Stall und dem gesamten Gelände wird, bleibt abzuwarten und ist weiterhin durchaus wachsam zu beobachten.

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u.rosenstaedt@nordkurier.de

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