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Odyssee der Barock-„Dame“ endet im Orgelmuseum

Es ist wie ein großes Puzzle: Museumsleiter Friedrich Drese sucht den richtigen Platz der barocken Schnitzereien.  FOTO: Petra Konermann
Es ist wie ein großes Puzzle: Museumsleiter Friedrich Drese sucht den richtigen Platz der barocken Schnitzereien. FOTO: Petra Konermann

Von unserem Redaktionsmitglied
Petra Konermann

Sich in die Gedankenwelt eines Orgelbaumeisters aus dem 17. Jahrhundert hineinzudenken, ist gar nicht so einfach. Vor allem dann nicht, wenn dessen Werk zerlegt und als eine Art barockes Puzzle vor einem liegt. Aus Einzelteilen soll in der Malchower Einrichtung ein Ausstellungsstück entstehen.

Malchow.Wo kommt die Krone hin? Dort? Nein. Friedrich Drese, Leiter des Mecklenburgischen Orgelmuseums in der Klosterkirche, probiert aus, wohin die hölzernen Verzierungen passen könnten. „Es ist wie ein Puzzle, ein schönes Puzzle“, meint er. Der Korpus der Orgel aus Pritzier bei Ludwigslust steht bereits in der Klosterkirche. Was jetzt noch fehlt, sind die barocken Verzierungen, die Stück für Stück von Friedrich Drese angebracht werden – immerhin rund 300 Teile müssen wieder zusammengefügt werden. Das barocke Orgelgehäuse soll dann das „jüngste“ Ausstellungsstück des Museums werden.
Das Werk eines unbekannten Orgelbau-Meisters aus dem Jahr 1680 hat dann eine lange Odyssee durch Mecklenburg hinter sich. Denn in den 1980er-Jahren wurde die Orgel in der Kirche Pritzier abgebaut, weil das Gotteshaus renoviert werden und für diese Orgel kein Platz mehr sein sollte. Als dann nach der Wende genau diese Orgelteile öffentlich versteigert werden sollten, rettete der Rostocker Orgelbaumeister Martin-Christian Schmidt das Musikinstrument.
„1992 gab es in der Zeitung einen Artikel zu der bevorstehenden Versteigerung. Hätte die wirklich stattgefunden, dann wäre das das Aus der barocken Orgel gewesen“, beschreibt Friedrich Drese eine Zeit von vor über 20 Jahren, als in Malchow bereits über ein Orgel-Asyl nachgedacht und später dann in Form des Orgelmuseums auch umgesetzt wurde. Der Rostocker Orgelbaumeister hatte die abgebaute Orgel gekauft und eingelagert – ohne selbst Gewinn erwarten zu können, nur um das wertvolle Instrument als Ganzes zu retten. Einige Teile der Orgel aus Pritzier wurden in einer Ausstellung in Stralsund gezeigt, bevor sie wieder in der Schmidt-Werkstatt verstaut wurden. Gottfried Schmidt, der als Sohn von Martin-Christian Schmidt die Orgelbau-Werkstatt übernommen hat, brauchte Platz für eigene Arbeiten und hat die Barock-Orgel nun dem Mecklenburger Orgelmuseum in Malchow überlassen.
Mit viel Liebe zum Detail machte sich Museumsleiter Friedrich Drese daran, die Teile zusammenzufügen. „Die Schnitzereien sind total auseinander gefallen“, erklärt er. Ihren endgültigen Platz hat die Pritzier-Orgel in der Klosterkirche allerdings noch nicht gefunden. „Es könnte sein, dass sie an anderer Stelle in der Kirche besser untergebracht ist. Denn die Orgel besitzt Türme, die hoch in den Raum hinein ragen. Wir müssen nach dem Probeaufbau entscheiden, wie wir die Orgel am besten präsentieren“, erklärt Friedrich Drese, der angesichts der barocken Schönheit dieser Orgel ins Träumen gerät: „Vielleicht findet sich ein Spender und wir können dieses Gehäuse mit einem echten barocken Innenleben füllen, so dass die Orgel auch klingen kann.“

Kontakt zur Autorin
p.konermann@nordkurier.de

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