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Pastorin übt sich im Blick über den Tellerrand

VonPetra Konermann

Lia Müller ist „Chefin“ von rund 11000 Kirchen-
mitgliedern und vertritt nun ebenfalls Müritzer Interessen. Denn die neu gegründete evangelische Nordkirche bringt auch Veränderungen auf dem platten Lande mit sich.

Satow.Lia Müller schaut staunend auf ihren Taschenrechner und mag die Zahl kaum glauben, die sie darauf sieht. Sage und schreibe 54 Kirchen gehören zur Kirchenregion Müritz, die mit der Neustrukturierung der Nordkirche aus der Taufe gehoben wurde. Elf Kirchgemeinden mit rund 11000 Gemeindemitgliedern gehören dazu.
Neu daran: Die „Müritzer“ evangelischen Christen im Gebiet des Altkreises zählen jetzt zur Probstei Neustrelitz, stellen mit der Kirchenregion Müritz die größte Einheit und haben Lia Müller aus Satow zu ihrer Regionalpastorin gewählt. Ein neues Amt mit einem neuen Namen, an das sich die Satowerin schon gewöhnen konnte: Immerhin bekleidet sie es bereits seit gut einem Jahr. Erst jetzt jedoch erfolgte die offizielle Einführung ins Amt – mit einem Gottesdienst samt Fest.
Dass Lia Müller die Aufgabe übertragen wurde, die Interessen der Müritzer in der großen Probstei zu vertreten, mag sie selbst gar nicht als so großen Vertrauensbeweis werten. „Wer sollte es sonst machen“, winkt sie bescheiden ab. Lia Müller aber kennt die Antwort selbst am besten, sie will auch als Landpastorin nichts von dörflicher Enge wissen, hat immer auch Aufgaben in der Landeskirche bekleidet.
Selbst nach fast 40 Jahren im Pastorenamt hat sie die Worte ihres einstigen Professors deutlich im Ohr: „Sie müssen studieren mit dem Globus vor den Augen, hat er immer gesagt. Das schließt ein, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Das halte ich nach wie vor für wichtig, gerade im ländlichen Raum“, sagt die Pastorin, die das schon immer gelebt hat: Sie singt in der Kantorei Röbel, spielt im Posaunenchor Röbel-Satow-Grüssow, ist bei der Kulturkirche Zislow ebenso aktiv wie bei der Filmkirche Nossentin.
Als Regionalpastorin möchte sie, dass eine „Gemeinschaft entsteht, jede Kirchgemeinde jedoch ihre Individualität behält. Das Eigene ist auch etwas Besonderes, das soll weiter leben, weil es uns alle bereichert“, meint die Satowerin. Sie sieht in der Regionalkirche lebendige und kraftvolle Gemeinden, die zum gesellschaftlichen Leben der Dörfer gehören. „Wir haben mehr Mitglieder als die Parteien vor Ort“, ist Lia Müller stolz. Und sie ist froh darüber, dass die Arbeit in der Kirchenregion Müritz nicht allein auf ihren Schultern ruht: Pastoren, Gemeindepä-
dagogen, Kirchenälteste gehören mit zur Leitung der neuen Kirchenregion. „Da lässt sich vieles auf die Beine stellen“, ist sie sich sicher.

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p.konermann@nordkurier.de

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