Nordkurier.de

Prächtiges in Ankershagen

VonWilfried Bölke

Der „Schatz des Priamos“ macht Heinrich Schliemann weltberühmt. In seinem Elternhaus sind Nachbildun- gen des Fundes zu sehen.

Ankershagen.Eine sensationelle Entdeckung hat vor 140 Jahrender Mecklenburger Heinrich Schliemann (1822– 1890)im Westen der Türkei gemacht. Am 31. Mai 1873 war er auf dem Hügel Hissarlik auf der Suche nach den Resten des homerischen Troja. Im dritten Jahr der offiziellen Ausgrabungen fand er Stücke aus der frühen Bronzezeit, die er „Schatz des Priamos“ nannte, weil er sie dem König Priamos zuschrieb. Heute ist bekannt, dass der Fund mehr als 1000 Jahre älter ist. Die Entdeckung machte den Außenseiter Schliemann und seine junge griechische Frau Sophia weltberühmt. Schliemanns Schilderung von der Bergung des Schatzes durch ihn und seine Frau unter Einsatz ihres Lebens diente Bestsellerautoren und Filmregisseuren als Vorlage für die atemberaubende Gestaltung dieser Grabungsszene.
Es gibt Erkenntnisse, die es ermöglichen, die von Schliemann verschleierten Fundumstände, das Funddatum und den Hergang der Bergung sowie das weitere Schicksal des Schatzes zu rekonstruieren und zu bewerten. Schliemanns Inszenierungen und Manipulationen hatten ihm den Vorwurf der Fundfälschung eingebracht. Dies hat sich nicht bestätigt.
Schon 1868 war der in Ankershagen bei Penzlin aufgewachsene Kaufmann nach Kleinasien gereist, um nach dem untergegangenen Troja zu suchen. Damals lernte er den Amateurarchäologen Frank Calvert kennen. Der machte ihn auf den Hügel Hissarlik aufmerksam, in dessen Tiefe er die Reste des homerischen Troja vermutete.
Nachdem sich für Schliemann diese Annahme bestätigt hatte, begann er 1871 auf eigene Kosten mit den Ausgrabungen. Mit großer Energie, voller Ungeduld und enormen Schwierigkeiten kämpfend, will er beweisen, dass die „Ilias“ auf Tatsachen beruht. Die Fachleute verhöhnen den Autodidakten.
Im Frühjahr 1873 ließ Schliemann mit etwa 150 Arbeitern graben und stieß in acht bis neun Metern Tiefe „auf einen großen kupfernen Gegenstand höchst merkwürdiger Form, hinter dem ich Gold zu erkennen glaubte“.Auf dem Fund lastete eine hohe Mauer, die einzustürzen drohte. Detailliert schilderte er, was passierte. Die wertvollsten Fundstücke findet er in einer großen silbernen Vase: zwei prachtvolle goldene Diademe, ein goldenes Stirnband, Ohrgehänge, -stecker und -ringe aus Gold, dazu Fingerringe und Armbänder.
Schliemann glaubte, mit dem Auffinden des „Priamos-Schatzes“ den letzten Beweis für die historische Existenz des homerischen Troja und der „Ilias“ erbracht zu haben. Nach der Veröffentlichung seiner Berichte und Schlussfolgerungen wurden die Angriffe und Schmähungen der Fachleute aber immer lauter.
Illegal führte Schliemann den Schatz aus der Türkei aus, doch 1874 wurde er ihm in einem Prozess zugestanden. 1879 entschied er sich, die Sammlung nach Berlin zu geben. Bis 1939 wurde der „Schatz des Priamos“ dort ausgestellt, danach in einen bombensicheren Bunker verbracht, wo sich seine Spur 1945 verlor. 1991 tauchte der Schatz in Moskau als Kriegsbeute auf, 1993 wurde dies offiziell bestätigt. Die Bundesrepublik fordert seitdem die Rückführung des Schatzes, was vom russischen Parlament bis heute abgelehnt wird. Der gut erhaltene Schatz wird seit 1996 in Moskau ausgestellt. Nachbildungen der Fundstücke können im Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen besichtigt werden. Am 9. Juni gibt es um 11 Uhr zum Jubiläum einen Vortrag im Museum.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×