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Rätselhafter „Ötzi“ könnte Schamane gewesen sein

Lothar Mundkowski gewährt einen Blick auf den „Ältesten Malchower“. Der Slawe hat um 1100 gelebt, seine Überreste wurden in der Güstrower Straße gefunden und sind heute in der Stadtwindmühle zu sehen.  FOTO: Petra Konermann
Lothar Mundkowski gewährt einen Blick auf den „Ältesten Malchower“. Der Slawe hat um 1100 gelebt, seine Überreste wurden in der Güstrower Straße gefunden und sind heute in der Stadtwindmühle zu sehen. FOTO: Petra Konermann

VonPetra Konermann

Was? In Malchow gibt es einen „Ötzi“ ?Ja, und er kann sogar besichtigt werden. Für viele ist das ein Geheimtipp in Sachen Heimatgeschichte.

Malchow.Um es vorweg zu nehmen: Ein echter „Ötzi“ ist er nicht, schließlich, ist er keine Mumie. Aber Geheimnis umwittert ist das archäologische Fundstück nach wie vor. Zu sehen ist es in der Stadtwindmühle an der Friedrich-Ebert-Straße: In einer eigens angefertigten Vitrine liegen die Überreste des „Malchowers“, der Rätsel aufgibt. Wohl auch deshalb ist ihm eine Ausstellung zu Schamanen, Götzen und der Sagenwelt zur Seite gestellt.
Daran, wie das Skelett gefunden wurde, kann sich Joachim Stein (Grüne) noch genau erinnern. Schon damals war er Bürgermeister in Malchow und erhielt schnell Kunde von dem besonderen Fund, der in der Güstrower Straße gemacht wurde, genau dort, wo heute die Einkaufsstraße der Inselstadt zu finden ist. „Wir haben damals viele Straßen auf Vordermann gebracht, auch die Güstrower. Man musste immer davon ausgehen, dass man etwas findet“, sagt Stein. Wie besonders der Fund jedoch war, das ließ sich vor fast genau 20 Jahren noch nicht abschätzen. „Wir wussten nur, dass es kein jüngeres Skelett sein kann“, so Stein. Nach seiner Entdeckung reiste der Malchower „Ötzi“ zunächst nach Waren, wo seinerzeit das Landesamt für Bodendenkmalpflege noch seinen Sitz hatte. „Wir haben darauf gedrungen, dass das Skelett untersucht wird“, erinnert sich Stein noch gut – und natürlich auch an das Ergebnis: Das Skelett eines etwa 25-jährigen Mannes mit „stark abgekauten Zähnen“ stammt etwa aus dem Jahr 1100 und ist damit der älteste menschliche Fund in der Inselstadt. Das hat das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Berliner Humboldt-Uni 1994 heraus gefunden. Warum jedoch dieser Mann ausgerechnet in einem unbesiedelten Gebiet bestattet wurde, das ist bis heute ungeklärt. Denn damals wurde lediglich die Malchower Insel bewohnt. Das Gebiet rund um die Güstrower Straße war vor über 800 Jahren noch unbesiedeltes Land. „Warum der Mann dort beerdigt wurde, weiß man heute nicht. Vielleicht war er ein Schamane, womöglich ist das eine Antwort auf seinen besonderen Bestattungsort“, rätselt Stein.
Als Mitte der 1990er-Jahre die Windmühle von der Stadt aufwändig saniert wurde, wollten die Malchower ihren „Ötzi“ heimholen und in dem historischen Gebäude ausstellen. Bis heute liegt er nur ein paar hundert Meter Luftlinie von dem Ort entfernt, an dem er einst vor Jahrhunderten bestattet und an dem er vor 20 Jahren gefunden wurde. Ein Besuch beim Malchower „Ötzi“ lohnt sich auch wegen der Ausstellung unter dem Titel „Schamane, Götze, Sagenwelt – Ur- und Frühgeschichte im Malchower Raum“. Darin bekommen Mythen ihren Platz. Sagen, die sich in und um Malchow zugetragen haben sollen, wurden aufbereitet. Ergänzt werden die Sagen durch Funde und Überlieferungen, die es nachweislich in Malchow gegeben hat. Wie zum Beispiel die Zeugnisse von einem Kreuzzug im Jahre 1147, der der Unterwerfung der Malchower Slawen galt.

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p.konermann@nordkurier.de

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