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Rotstift bedroht das Stadt-Museum

Jürgen Kniesz hat alle Hände voll zu tun. Wenn er nicht gerade Bücher zur Stadtgeschichte schreibt, Hobby-Forschern hilft oder Führungen durch das Museum anbietet, dann muss er seine Arbeit vor den Stadtvertretern verteidigen.  FOTO: Archiv/Petra Konermann
Jürgen Kniesz hat alle Hände voll zu tun. Wenn er nicht gerade Bücher zur Stadtgeschichte schreibt, Hobby-Forschern hilft oder Führungen durch das Museum anbietet, dann muss er seine Arbeit vor den Stadtvertretern verteidigen. FOTO: Archiv/Petra Konermann

VonCarsten Schönebeck

Die Personalkosten der Warener Verwaltung sind einigen Abgeordneten ein Dorn im Auge. Auch für das städtische Museum muss die Stadt tief in ihre leeren Taschen greifen.

Waren.Was macht ein Museum aus? Die Besucherzahlen allein seien es nicht, behauptet Jürgen Kniesz. Der Leiter des stadtgeschichtlichen Museums in Waren hatte in dieser Woche Gelegenheit, sein Museum zu verteidigen. Vor dem Kulturausschuss der Stadt gab er einen Bericht zur Lage der Einrichtung ab. Der Zeitpunkt war nicht zufällig. In der vergangenen Stadtvertretersitzung hatte es Diskussionen um die Finanzierung gegeben.
Mehr als 200 000 Euro Minus muss Waren jährlich an der Museumskasse ausgleichen. Denn die Einnahmen halten sich in engen Grenzen. Laut Kniesz besuchen jährlich etwa 10000 Menschen die Ausstellungen im Alten Rathaus. Den Eintritt zahlen nur die wenigsten. „Schulklassen und Studenten haben freien Eintritt. Und es gibt Besucher, die sich an der Kasse vorbeimogeln“, so der Museumsleiter. Durch eine Umbaumaßnahme soll das künftig schwieriger werden. Der aktuelle Haushaltsplan spricht von 2500 Euro Eintrittsgeldern im Jahr. Derzeit läuft eine Kooperation mit dem Müritzeum, die zwar kein Geld, aber zumindest zusätzliche Besucher in das Alte Rathaus bringen soll.
Der FDP-Fraktion ist das Museum schon länger ein Dorn im Auge. „Ich glaube, es gibt nur wenige, die sich wirklich dafür interessieren“, sagt Fraktions-Chef Toralf Schnur. Er zweifelt an den Zahlen des Museumsleiters. Man müsse sich fragen, ob das Geld dort vernünftig eingesetzt sei. „Ganz abgesehen von dem Defizit im Haushalt. Für 200 000 Euro könnte man auch eine Menge Jugendarbeit organisieren.“
Kniesz hatte im Ausschuss argumentiert, dass die Besucher eben nicht alles seien. Forschung und das Bewahren historischer Stücke ständen ebenso auf der Agenda. „Das Museum gibt regelmäßig Schriften zur Stadtgeschichte heraus“, verteidigt Kniesz seine Arbeit. Auch Unternehmen und Privatpersonen würden bei der historischen Spurensuche unterstützt. An der Archivierung will auch Schnur nicht rütteln, dafür gebe es aber ohnehin Mitarbeiter bei der Verwaltung.
Hauptkostenpunkt des Museums ist das Personal. 2,75 Stellen finanziert die Stadt. Laut Haushalt rund 170 000 Euro. Bei der Museumsaufsicht unterstützt ein Verein die Mitarbeiter ehrenamtlich. Mit einem Antrag, mögliche Einsparungen zu prüfen, war die FDP in der Stadtvertretung gescheitert. Ähnliche Vorstöße hatte es vor zwei Jahren von Seiten der CDU gegeben. Doch Kniesz Auftritt im Kulturausschuss zeigt: Das Thema ist noch nicht vom Tisch.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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