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Sattel, Lenker, Katzenauge: Gut geprüft ist halb gefahren

Startklar für den Frühling: Brunhilde Granzows Rad ist gründlich durchgecheckt.
Startklar für den Frühling: Brunhilde Granzows Rad ist gründlich durchgecheckt.

VonJörg Döbereiner

Radfahren ist gesund, umweltfreundlich und macht Spaß – wenn der Drahtesel geschmeidig läuft.
Nach einem Winter im Keller lohnt sich deshalb ein Frühlings-Check. Für unser Redaktions-Rad kommt die Überprüfung allerdings zu spät.

Waren.Brunhilde Granzow kann sich freuen: Ihr schwarz-rotes Damenrad ist wieder fit für den Frühling. Auch wenn die rüstige 72-Jährige es in den letzten beiden Jahren etwas hat schleifen lassen, bringt sie ihr Rad normalerweise jedes Frühjahr zur Überprüfung in das Radgeschäft Burau. In der Warener Lloydstraße lässt sie es auf Herz und Nieren testen, schließlich soll ihr treuer Begleiter im Alltag funktionieren. „Ich fahre sehr viel Rad“, sagt sie. Ob zum Einkaufen oder für längere Touren mit der Tochter nach Federow, die Warenerin will sich auf ihr Gefährt verlassen können. „Bevor ich es hergebracht habe, hat es diesmal ein wenig geschnarrt“, sagt sie. Das Geräusch ist nun weg, und auch sonst ist alles wieder tipptopp.
„Bei Frau Granzow haben wir neben dem Grund-Service nur die abgenutzten Bremsklötze und eine kaputte Glühbirne ausgetauscht“, sagt Mechaniker Kersten Jürgens. Bei der Routine-Überprüfung zieht er alle Schrauben nach, spannt und fettet die Kette, untersucht Rahmen und Lenker auf Risse und checkt die Bremsen. „Häufig sind Teile des Rads falsch eingestellt“, erklärt der Fachmann. „Wenn man solche Fehler frühzeitig beheben lässt, spart man sich hinterher viel Ärger.“ Ein falsch eingestelltes Tretlager könne beispielsweise das Gewinde im Rahmen beschädigen. Ist das erst einmal hinüber, sei ein neues Rad fällig, denn der Austausch eines Rahmens lohne sich in den meisten Fällen nicht, so der Mechaniker.
Im Frühling hat er besonders viel zu tun. Viele holen jetzt ihr Rad aus dem Keller und merken, dass sie eigentlich schon im letzten Herbst etwas reparieren lassen wollten. Hinzu kommen die ersten Touristen mit ihren Tourenrädern, die es meist besonders eilig haben und noch am selben Tag weiterfahren wollen. Kersten Jürgens legt dann einen Zahn zu. In diesem Jahr habe man allerdings bereits einige Frühlings-Checks hinter sich gebracht, so dass es zum Tourismus-Geschäft nicht all zueng werden dürfte.„Wir bemühen uns, kein Rad länger als 24 Stunden bei uns stehen zu haben, eher kürzer“, so der Fahrrad-Schrauber.
Auch wenn der Profi etwaeine fehlende Speichen-Spannung besser erkennt als der Laie, ist es an jedem Radler, sein Fahrzeug auch selbst regelmäßig zu überprüfen. „Die Bremsen gehören vor jeder Fahrt kontrolliert“, sagt Kersten Jürgens.
Als er unser Redaktions-Rad zu Gesicht bekommt, kann er sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. Der Hinterreifen des roten Damenrads eiert unübersehbar. „Das ist ein typisches Beispiel von zu lange gewartet“, stellt Kersten Jürgens fest. Sechs gebrochene Speichenköpfe, dazu eine völlig verschlissene Felge – mit einem einfachen Frühlings-Check kann unserem Rad nicht mehr geholfen werden. „Wir brauchen auf jeden Fall einen neuen Speichensatz für das Hinterrad und eine neue Felge“, sagt der Fachmann. Das bedeutet für heute: Zurück in die Redaktion geht es zu Fuß.

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j.doebereiner@nordkurier.de

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