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Schachern um Kosten für notwendige Straßensanierung

Ordnerweise haben die Gemeinden die Schäden an ihren Straßen dokumentiert. Fotos allein reichen der Bahn allerdings nicht aus, um ihre Verantwortung nachzuweisen.  FOTO: Carsten Schönebeck
Ordnerweise haben die Gemeinden die Schäden an ihren Straßen dokumentiert. Fotos allein reichen der Bahn allerdings nicht aus, um ihre Verantwortung nachzuweisen. FOTO: Carsten Schönebeck

Von unserem Redaktionsmitglied
Carsten Schönebeck

Risse, Schlaglöcher und kaputte Bordsteine – die Bauarbeiten der Deutschen Bahn haben große Schäden angerichtet. Das Unternehmen lud jetzt die Bürgermeister zur Audienz.

Vollratsruhe.„Es war auf jeden Fall gut, dass wir mal über alles gesprochen haben“, sagt Enrico Malow, Bürgermeister von Grabowhöfe. Sein Kollege Johannes Güssmer aus Jabel nickt zustimmend. Doch so richtig glücklich sieht keiner der Gemeinde-Chefs aus, die mit der Deutschen Bahn zusammengekommen sind.
Schon seit Anfang des Jahres wächst bei ihnen der Unmut über die Deutsche Bahn. Die Großbaustelle an der Strecke zwischen Berlin und Rostock hat zahlreiche Straßen in Mitleidenschaft gezogen. Baufahrzeuge und Schwertransporter haben nicht nur den Asphaltdecken, sondern auch dem Unterbau zugesetzt. Das kostet Material und Nerven. „Die Bürger beschweren sich bei mir, weil sie Angst um ihre Autos haben“, sagt Malow. Schließlich sind die Gemeinden dafür zuständig, dass ihre Straßen sicher sind. Doch die Bürgermeister sind sich einig: Was die Bahn kaputt gemacht hat, können die knappen Gemeindekassen nicht kompensieren.
Nun war Gelegenheit, dem Frust Luft zu machen. Karsten Giesau, Teilprojektleiter der Bahn, hatte zum Gespräch nach Vollratsruhe geladen. Mit zweifelhaftem Ergebnis. Denn wo sich die Bürgermeister klare Zusagen für Sanierungen erhofft hatten, kamen eher vage Ankündigungen. Giesau stritt nicht ab, dass die Arbeiten eine Reihe von Schäden verursacht hätten. In wieweit die Bahn dafür haftbar sei, wäre allerdings eine andere Frage. „Die Baufirmen zahlen Steuern wie andere auch und dürfen die Straßen nutzen wie andere auch“, so Giesau. Er deutete außerdem an, dass sich nur schwer nachweisen lasse, welches Unternehmen genau verantwortlich sei. Schließlich gebe es eine Reihe von Firmen, die im Auftrag der Bahn an der Strecke arbeiten. Die hätten wiederum Subunternehmen und Lieferanten im Einsatz.
Trotzdem wolle die Bahn den Gemeinden unter die Arme greifen und einige Strecken sanieren. Schließlich seien viele der kleinen Straßen nicht für Schwertransporter ausgelegt. Für Kreisstraßen sieht er dagegen wenig Hoffnung. „Wir können über alles reden, aber ich will hier keine Versprechungen machen“, so Giesau. Auch über Details der Instandsetzung will er keine Zusagen geben.
Wo genau saniert wird, soll im Dialog mit der Kreisverwaltung und den betroffenen Gemeinden geklärt werden. Das Unternehmen habe vor Beginn der Arbeiten detaillierte Luftaufnahmen des Gebietes anfertigen lassen. „Damit lässt sich nachvollziehen, wo Schäden entstanden sind“, erklärt Giesau.
Bis zum 10. April sollen die Gemeinden des Amtes Seenlandschaft jetzt melden, auf welchen Straßen Handlungsbedarf besteht. Dann will die Bahn Termine für Ortsbegehungen anbieten. Bis Anfang Mai soll geklärt werden, wo die Bahn saniert.
Eine gute Nachricht hat Giesau dann doch noch. Die Zahl der Transporte werde in den nächsten Monaten deutlich abnehmen, erklärt er.

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c.schoenebeck@nordkurier.de

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