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Schluss mit der Dschungel-Safari

Dem Aufruf des Fördervereins Kirchruine Dambeck sind viele Freiwillige gefolgt, die sich bei einem Arbeitseinsatz ins Zeug gelegt haben.  FOTOs (2): Petra Konermann
Dem Aufruf des Fördervereins Kirchruine Dambeck sind viele Freiwillige gefolgt, die sich bei einem Arbeitseinsatz ins Zeug gelegt haben. FOTOs (2): Petra Konermann

VonPetra Konermann

Die Kirchruine in Dambeck ist nicht nur eine der ältesten Gotteshäuser in Mecklenburg – sie ist auch eine der kaputtesten. Aber gerade das macht ihren Reiz aus. Der droht jedoch hinter Wildwuchs zu verschwinden. Jetzt endlich naht die Rettung.

Dambeck.Brennnesseln haben sich hier komfortabel eingerichtet – kniehoch umschließen sie großflächig die Kirchruine Dambeck. Und wo die Brennnesseln Platz gelassen haben, schießt Holunder ins Kraut. Wer bis dato einen Besuch bei der fast schon sagenumwobenen Kirchruine in Dambeck machte, hatte das Gefühl, auf Dschungel-Safari zu gehen. Vom Verweilen an diesem geschichtsträchtigen Ort konnte keine Rede sein. Schade eigentlich, fand Heidrun Scherfig-Drese aus Minzow, als sie – wieder einmal – auf einer Radtour mit ihrem Mann an der Ruine vorbeikam. Da muss man doch was machen, überlegte sie.
Schnell war die Idee geboren, einen Förderverein eigens für die Kirchruine zu gründen. „Dabei geht es natürlich nicht darum, die Ruine womöglich in ein intaktes Gebäude zu verwandeln. Nein, wir wollen, dass die Ruine wieder zugänglich und für Freilichtveranstaltungen nutzbar ist“, macht die neue Vereinsvorsitzende Heidrun Scherfig-Drese deutlich, die in Minzow, Dambeck und anderen Dörfern ringsherum Mitstreiter gefunden hat. Acht Gründungsmitglieder gehören zum Verein.
Zum ersten gemeinsamen Arbeitseinsatz im „Dschungel“ an der Kirchruine kamen rund 20 Helfer, die sich daran machten, zumindest einen Teil der Ruine vom Wildwuchs zu befreien. Dass so viele dem Aufruf gefolgt sind, darüber freut sich die Vereinsvorsitzende. „Als wir in Minzow im vergangenen Jahr unsere 600-Jahrfeier hatten, habe ich gemerkt, wie viele Menschen bereit sind, etwas fürs Dorf, für die Gemeinschaft zu leisten. Das war beeindruckend, und das hat uns Mut gemacht, das Projekt Kirchruine anzugehen“, sagt die Minzowerin.
Nachdem nun das Gestrüpp rings um die Ruine entfernt wurde, steuert der Verein auf eine nächste Etappe zu: Die Sicherung der Kirchruine selbst. „Das aber wird einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen“, weiß Heidrun Scherfig-Drese schon jetzt. Denn zum einen müssen Genehmigungen der Denkmalschutzbehörde eingeholt werden. Auf der anderen Seite sollen Gelder gesammelt werden, um das Sicherungsprojekt zu finanzieren. „In fünf bis sieben Jahren wollen wir das Vorhaben umsetzen“, erklärt die Vereinsvorsitzende.
Und so sollten alle Besucher der Ruine, deren Grundmauern bereits im Jahr 1180 gelegt wurden, die neuen Warnschilder ernst nehmen und die Ruine selbst nicht betreten. „Die Gefahr, dass Steine herabfallen, ist zu groß“, warnt Heidrun Scherfig-Drese. Nichtsdestotrotz wird es am Pfingstsonntag um
10 Uhr neben der Kirchruine einen Freiluftgottesdienst geben mit der neuen Pastorin Viviane Schulz von der Kirchgemeinde Massow, zu der die Dambecker Kirchruine gehört. „Vielleicht ist es irgendwann auch wieder möglich, dass hier Konzerte und Theateraufführungen stattfinden, so wie es nach der Wende schon mal war“, hofft Gisela Zopf aus Massow, die zur stellvertretenden Vereinsvorsitzenden gewählt wurde. An diese Zeit vor 20 Jahren denkt auch Herbert Wiedbusch aus Röbel gerne zurück. Als Projektleiter bei der Bollewicker Arbeits- und Beschäftigungsgesellschaft hat er die aufwändige Sanierung der Mauer rings um die Kirchruine geleitet. Zwei Jahrzehnte später ist die Mauer immer noch in einem guten Zustand. „Es ist schön zu sehen, dass die Mauer noch steht. Es wäre schön, wenn auch die Kirchruine wieder aus dem Dornröschenschlaf erwacht“, meint der Röbeler, der mit anpackte, um den Wildwuchs zu entfernen.

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p.konermann@nordkurier.de

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