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Seeadler-Drama im Gelege bei laufender Kamera

VonThomas Beigang

Bei den Mitarbeitern vom Nationalpark-Service in Federow herrscht alles andere als gelöste Stimmung. Denn im Adler-TV gibt es weniger zu sehen als in den meisten vergangenen Jahren.

Federow.Gute Laune klingt anders. Saskia Gräfe, Mitarbeiterin beim Nationalpark-Service in Federow, ist traurig. Denn nur aus einem der drei Eier im Gelege des als „TV-Fischadler“ bekannten Pärchens zwischen Federow und Speck ist ein junger Greifvogel geschlüpft. „Die anderen haben es nicht geschafft“, sagt Saskia Gräfe.
Als besonderer Höhepunkt für Besucher des Müritz-Nationalparks wurde hier Ende der 1990er Jahre eine Live-Übertragung aus einem benachbarten Fischadlerhorst installiert. Per Kamera mit Zoom- und Schwenkfunktion können Gäste in der Nationalpark-Information die gesamte Brutsaison der Fischadler miterleben.
In diesem Jahr aber nur eingeschränkt: Statt der Fütterung von drei kleinen Fischadlern steht nur einer im Mittelpunkt des Interesses der Besucher – und der Fischadler-Eltern. Warum genau aus zweien der Eier kein Junges geschlüpft ist, darüber kann auch Saskia Gräfe nur Mutmaßungen anstellen. „Wahrscheinlich war es zu kalt“, so die Fachfrau vom Nationalpark-Service. Denn mehrmals seien in den vergangenen Tagen einige besonders hartnäckige Fotografen beobachtet worden, die sich auf der Jagd nach einem Schnappschuss am Fuße des Strommastes aufhielten, wo sich der Adlerhorst befindet. Selbst Spaziergänger mit Hunden verweilten hier längere Zeit. „Dabei hat das Adlerweibchen immer längere Zeit das Gelege verlassen und die zwei Eier nicht bebrütet. Und bei den verhältnismäßig niedrigen Temperaturen haben diese Unterbrechungen wohl gereicht“.
Den einen sin Uhl, den anderen sin Nachtigall: Wie Saskia Gräfe weiß, genieße jetzt wohl das einzig verbliebene Junge die ganze Fürsorge seiner Eltern und werde dick und rund gefüttert. Die Expertin vom Nationalpark vermutet, dass der „Lütte“ wahrscheinlich Mitte Juli flügge sein kann. „Aber bestimmt mit Schwierigkeiten zu Beginn, weil er so gut genährt sein wird.“
Solche Dramen im Adlerhorst kämen alle paar Jahre vor. So sei schon 2003 und zuletzt 2010 beobachtet worden, dass nur ein Junges im Nest geschlüpft ist.

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