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„Sie wollen doch wieder heil nach Hause gehen“

Frank Bock vom Verein der Neustrelitzer Hundefreunde hat Irko zum Seminar mitgebracht.
Frank Bock vom Verein der Neustrelitzer Hundefreunde hat Irko zum Seminar mitgebracht.

VonThomas Beigang

100 Vollstreckungsbeamte haben sich wieder fit gemacht für die Arbeit mit zahlungsunwilligen Schuldnern. Dazu haben sie sich zu ihrer Weiterbildung in Groß Vielen sogar vierbeinige Unterhalter eingeladen.

Gross Vielen.Die vielen Damen und die wenigen Herren, allesamt Vollstreckungsbeamte aus dem ganzen Land, sind freundlich und entspannt. Dabei haben sie alles andere als einen leichten Job: Im Auftrag der Kommunen, Ämter und Landkreise müssen sie deren Geld eintreiben. Die Vorsitzende des Landesvereins der Vollstreckungsbeamten, Carmen Ciupke aus Waren, sagt: „Von nicht bezahlten Knöllchen bis hin zu ausbleibenden Kita-Beiträgen, wir holen alles wieder rein.“
Wenn es denn etwas zu holen gibt. Denn Ciupke und ihre Kollegen müssen immer öfter die Erfahrung machen, das bei vielen Schuldnern nichts zu holen ist. „Die Pfändungsfreigrenze liegt jetzt bei 1028 Euro, sind Kinder da, erhöht die sich noch. Viele unserer Klienten verdienen aber gar nicht so viel – wenn sie denn Arbeit haben“. Eigentlich, so die Landesvorsitzende, seien die Vollstrecker mehr Sozialarbeiter als Schuldeneintreiber.
Aber längst nicht jeder Schuldner tritt den Frauen und Männern freundlich gegenüber. „Da gibt es manche heikle Situation zu überstehen“, weiß Carmen Ciupke. Brandgefährlich werde es zum Beispiel, wenn Hunde mit im „Spiel“ sind. „Wir haben uns deshalb kompetente Berater eingeladen.“
Frank Bock vom Verein der Neustrelitzer Hundefreunde ist einer davon. Der hat seine beiden Schäferhunde Irko und Ayk mitgebracht, die später noch zum Einsatz kommen. Vorher redet Bock den Vollstreckungsbeamten aber noch ins Gewissen. „Bedenken Sie immer: Sie betreten das Terrain des Hundes. Das, wohin Sie wollen, ist seine Wohnung oder sein Grundstück.“ Bock plädiert dafür, nie einen Hof zu betreten, auf dem ein Hund seine Kreise zieht, es sei denn, der Besitzer ist dabei. „Sie wollen doch sicherlich jeden Abend heil wieder nach Hause gehen.“ Der Fachmann rät, immer auf die Körpersprache der Hunde zu achten, selbst wenn der Besitzer dabei ist, den Vierbeiner immer im Augenwinkel behalten und sich eine Fluchtmöglichkeit offen zu lassen. „Und sollten Sie doch einmal angegriffen werden, versuchen Sie immer in aufrechter Position zu bleiben und halten Sie Ihre Tasche oder sonstwas zwischen sich und den Hund.“
Jetzt dürfen die Schäferhunde aus der Box, Bock spielt einen böswilligen Schuldner und sein Kollege Ingo Brassen den „vorurteilsfreien“ Vollstreckungsbeamten. Weil der aber weiß, was ihm blüht, trägt er Schutzkleidung. Gott sei Dank, denn schnell hat sich der Hund in ihn verbissen. Jetzt reicht es. Die Vollstrecker haben genug gesehen.

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