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Stifter richtet Bibliothek ein und gibt auch den Armen

Jürgen Gramenz hat die Geschichte seiner Familie erforscht und die Ergebnisse in einem Buch veröffentlicht. Das Besondere daran: Vieles im Leben der Familie Ladewig ist eng mit Malchow verbunden. Dieter Kurth hat über dieses Buch geschrieben. Heute Teil 2 einer Serie.

Malchow/Chemnitz.Für seine Verdienste erhielt Louis Ladewig, der in Chemnitz lebte und aus Malchow geboren wurde, 1912 den Ehrentitel „Kommerzienrat“. Im Ersten Weltkrieg wurde er in den Reichswirtschaftsausschuss berufen. 1917 erhielt er das Reichsverdienstkreuz. Im Dezember 1895 hat Louis Ladewig die Tochter einer einflussreichen Fabrikanten-Familie, Katharina Goeritz, geheiratet. Aus der Ehe gingen die Tochter Edith und der Sohn Karl hervor.
Louis Ladewig wurde zum Vorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde in Chemnitz gewählt. Diese Funktion übte er 17 Jahre aus, darüber hinaus war er auch Vorstandsmitglied des Verbandes der deutschen Juden.
Aus Unterlagen des Stadtarchivs Malchow geht hervor, dass Louis Ladewig trotz seiner großartigen beruflichen und gesellschaftlichen Karriere in Chemnitz die Verbindung zu seiner Geburtsstadt nie verloren hat.
Jürgen Gramenz hebt auch diese Tatsache in seinem Buch hervor und führt eine Reihe von Belegen hierfür an, dass Louis Ladewig „seine Heimatstadt in guter Erinnerung gehabt hat, denn er fühlte sich offensichtlich auch lange nach seinem Wegzug noch mit ihr verbunden.“ Zunächst stiftete er mehrfach Beträge in heute unbekannter Höhe für die Armen der Inselstadt.
Überliefert ist ein Beleg von 3000 Mark, den er mit Schreiben vom 9. März 1901 der Stadt Malchow unter der Auflage schenkte, dass die Zinsen alljährlich den Witwen der Stadt ohne Ansehen des Glaubensbekenntnisses verteilt werden sollten und zwar am 5. März, dem Todestag seines Vaters Adolf Jeremias. Im Jahr 1901 stiftete er der Stadt Malchow noch einen weiteren Betrag von 4250 Mark, wovon 2000 Mark für die Gründung einer Bücherhalle und 250 Mark zu deren Verwaltung verwendet werden sollten. Diese „Bücherhalle der Stadt Malchow“ wurde in einem leeren Klassenzimmer des neuen Mädchenschulhauses als Bibliothek eingerichtet und sollte nach seiner Bestimmung durch die Einwohner von Malchow unentgeltlich benutzt werden dürfen.
Die Zinsen der restlichen 2000 Mark sollten „dem Kapitel zugeschrieben werden, welches durch öftere Überweisungen von Louis Ladewig die Höhe von rund 20 000 Mark erreicht hat, um dann ein „Stift für sogenannte verschmähte Arme und alleinstehende Personen in hiesiger Stadt zu gründen.“ Dieses versprechen hielt er ein.
Im Jahre 1911 stiftete er Geld für die Errichtung eines Altersheimes in Malchow zunächst am 4. Mai 1911 einen Betrag von 7000 Reichsmark. Auf sein Drängen hin erwirkte er beim Malchower Magistrat, dass das Justizministerium am 31. Mai 1911 die „Ladewig – Stiftung zu Malchow genehmigte. Der Stifter Louis Ladewig übergab der Stiftung zunächst ein Gesamtkapital von 22000 Reichsmark und am 30. September nochmals 15 000 Reichsmark hinzu. „Nach seinen Festlegungen sollten die Zinsen .zu mildtätigen oder gemeinnützigen Zwecken verwendet werden, auch an verschmähte Arme am Todestag seines Vaters“, schreibt Gramenz.
Die Stiftungsschreiben und die erteilte Zustimmung des Großherzogs befinden sich im Malchower Archiv. Der Buchautor Jürgen Gramenz hebt weiter hervor, dass auch „der Magistrat von Malchow ihren großzügigen Gönner nicht vergaß.“ So gratulierten der Magistrat und die Stadtverordneten den Eheleuten Ladewig per Telegramm zu ihrer Silbernen Hochzeit 1920.

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