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Täglich Affenzirkus im Wald

Den Affen ganz nah. Besucher des Malchower Affenwaldes können die pelzigen Bewohner hautnah erleben. [KT_CREDIT] FOTO:s Sören Musyal
Den Affen ganz nah. Besucher des Malchower Affenwaldes können die pelzigen Bewohner hautnah erleben. [KT_CREDIT] FOTO:s Sören Musyal

VonSören Musyal

Der Malchower Affenwald erfreut seit 13 Jahren Besucher aus ganz Deutschland. Doch Nähe sollte man abkönnen.

Malchow.Plötzlich ist das Geschrei groß, Umstehende sehen auf, Zuschauer scharen sich um die beiden Streithähne – zwei Berberaffen im Affenwald in Malchow tragen einen der üblichen Rangkämpfe unter sich aus. Die Zuschauer – ebenfalls Berberaffen – sehen gespannt zu, denn die Hierarchie in der Gruppe ist streng. Umso wichtiger ist also der Ausgang des Kampfes.
Und auch die umstehenden Besucher des begehbaren Geheges blicken gespannt auf das Geschehen, denn so nah ist man diesen Tieren selten. In die Kämpfe werde der Mensch aber selten hineingezogen, beruhigt Betreiber Jörg Dietzel. „Also wirkliche Angriffe gibt es eigentlich nicht.“ Zumindest nicht, solange sich die Besucher an die ausgewiesenen Wege hielten, denn hinter der Absperrung ist Affenland. Und dieses Revier werde verteidigt.
„Keine Angriffe“ bedeutet aber nicht „kein Kontakt“. Besonders die jungen Affen machten sich einen Spaß daraus, die menschlichen Waldbesucher genau zu untersuchen. „Die Kleinen klettern gerne mal an den Gästen rum“, weiß Dietzel, „oder sie posieren für die Kamera.“ Beides passiert an diesem Morgen nicht. Zur frühen Stunde scheinen noch nicht alle Waldbewohner ganz wach zu sein, eher unbeeindruckt von der Anwesenheit der Touristen kümmern sie sich um ihre Körperpflege, balancieren auf der Absperrung oder dösen mitten auf dem Weg vor sich hin. „Die Tiere haben hier viel Zeit“, erklärt der Leiter des Affenwaldes. Immerhin müssten sie nicht wie in der Wildnis nach Futter suchen. „Normalerweise macht das 90 Prozent ihres Tages aus, hier bringen wir ihnen ihr Futter.“ Da bliebe natürlich mehr Zeit zum Spielen und auch Kämpfen.
Dies habe sich auch während des langen Winters nicht geändert. „Berberaffen leben eigentlich im Hochgebirge. Die kennen Schnee“, klärt Dietzel auf. Die kalte Jahreszeit sei daher kein Problem für die Affen. Nur ein paar Flächen hätte man vom Schnee befreien müssen, damit kleinere Tiere nicht in der bis zu 30 Zentimeter hohen Schneedecke versinken. Problematischer sei der Winter freilich für den Affenwald an sich. „Das Wetter bestimmt den Umsatz.“ Deswegen habe die Anlage, zu der auch eine Sommerrodelbahn gehört, nur von April bis Oktober geöffnet. Wie viele Leute in dieser Zeit kämen, sei jedoch schwer abzuschätzen. „Das kann sich hier in kürzester Zeit ändern. Erst ist Ruhe und dann kommen zwei Busse auf einmal.“ Kein Wunder. Der Affenwald ist seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 eine Institution, seine inzwischen 42 Bewohner ziehen Gäste aus ganz Deutschland an. „Etwas Vergleichbares gibt es in der Nähe nicht“, erklärt Dietzel und begründet damit Stammgäste, die gerne mal 100 Kilometer Anfahrtsweg in Kauf nehmen. Jörg Dietzel freut es, schließlich habe er sein Hobby zum Beruf gemacht. Warum gerade Affen, könnte man da fragen. „Warum nicht“, antwortet Dietzel lächelnd.

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