Nordkurier.de

Tier mit der Zorro-Maske sorgt weiter für viel Unmut

Längst nicht jeder Bewohner der Müritzregion hegt angenehme Gefühle für den Waschbären und hält ihn für ein possierliches Tierchen. [KT_CREDIT] FOTO: Lenhard Klimek
Längst nicht jeder Bewohner der Müritzregion hegt angenehme Gefühle für den Waschbären und hält ihn für ein possierliches Tierchen. [KT_CREDIT] FOTO: Lenhard Klimek

VonThomas Beigang

Mehr Waschbären zu töten, ist nach Ansicht von Experten sinnlos. Allerdings, wer einen ganzen „Clan“ der Pelztiere als ungebetenen Dauergast begrüßen muss, darf auf Unterstützung hoffen.

Federow.Der Chef des Nationalparkamtes, Ulrich Meßner, kann gut als Augenzeuge herhalten. Der in Speck mitten im Schutzgebiet lebende Fachmann in Sachen Fauna und Flora hat an seinem Komposthaufen im Garten eine Fotofalle installiert. „Viele Waschbären sind da bereits hineingetappt“, wundert sich selbst Meßner über die große Zahl der seit Jahr und Tag hier heimisch gewordenen Tiere.
Albrecht von Kessel, der Vorsitzende des Fördervereins Müritz-Nationalpark nimmt ebenfalls kein Blatt vor den Mund: „Haus- und Hofbesitzer in der Region müssen sich auf noch mehr Schäden durch die Waschbären einstellen. Das wird extrem zunehmen.“ Leicht könnten die angerichteten Schäden Tausende Euro Reparaturen nach sich ziehen.
Meßner und von Kessel wollen die aufgeheizte Stimmung versachlichen. Gezielte Jagden und massenhafte Tötungen würden die Population nicht verringern. „Die Tiere reagieren darauf mit mehr Nachwuchs“, so von Kessel. Jahrelange Erfahrungen in der von Waschbären am meisten heimgesuchten Stadt Deutschlands, dem hessischen Kassel, hätten dies nachgewiesen. Die Fachleute aus dem Nationalpark setzen dagegen auf mehr Prävention. In einem jetzt erschienen Faltblatt, das Haushalte in Waren und Umgebung erreichen soll, geben Fachleute Tipps, wie man sich vor den ungebetenen Gästen schützen kann. Darüber hinaus könne man sich, so heißt es, auch auf der Internetseite www.projekt-waschbaer.de informieren.
Indes sind sich Meßner und von Kessel ebenfalls darüber im Klaren, dass es mancherorten für Vorbeugung schon zu spät ist. Wo sich ein ganzer Clan von Waschbären bereits häuslich auf dem Dachboden niedergelassen hat, müsse eine Brachiallösung her. „Fangen und töten“, so der Nationalpark-Chef. Allerdings, selbst Hand anlegen ist verboten. „Obwohl wir wissen, dass viele Betroffene genau dies tun“, so Meßner. Aber dafür seien Jäger da, die mit einer speziellen Lebendfalle Waschbären einfangen und töten. „Dort, wo der Nationalpark das Jagdausübungsrecht besitzt, ist das noch recht einfach. Man kann uns anrufen und wir kommen“, verspricht Meßner. Ungeklärt hingegen sei dies noch in Gemeinden außerhalb des Schutzgebietes. „Das soll aber im Sinne der Haus- und Gartenbesitzer schnell geregelt werden“, verweist Meßner auf Gespräche zwischen dem Forstministerium und dem Landkreis.

Kontakt zum Autor
beigang@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×