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Überlebender nimmt Mühe jährlich auf sich

Die Delegation aus Frankreich zieht traditionell zur Erinnerung an die Ermordeten im Belower Wald zur Gedenkstätte. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Beigang
Die Delegation aus Frankreich zieht traditionell zur Erinnerung an die Ermordeten im Belower Wald zur Gedenkstätte. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas Beigang

VonThomas Beigang

Genau auf der Grenze zwischen Mecklenburg und Brandenburg wird an die Ermordeten vor 68 Jahren gedacht. Die Frage nach dem Warum soll immer wieder gestellt werden.

Grabow-Below.Leon Schwarzbaum ist wieder da. Der 92-Jährige schaut sich um und guckt nach unten. Hier im Belower Wald hat der alte Herr Grausames erlebt. Solche schrecklichen Erlebnisse, die trotz der mittlerweile 68 Jahre, die seither verstrichen sind, noch immer frisch sind und schmerzen.
Leon Schwarzbaum ist einer von nur noch wenigen Zeitzeugen, die damals den Todesmarsch überlebt haben, als die SS im April 1945 Tausende Häftlinge aus den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen Richtung Norden trieb. Viele überstanden die Tortur nicht. Allein hier, im Belower Wald, starben Hunderte. Aus Erschöpfung oder weil die Wachen von der SS kurzen Prozess machten. Vom 23. bis zum 29. April wurden in diesem Areal 16000 Häftlinge zusammengezogen. Sie lagerten ohne Unterkunft und Versorgung im Wald, mit Stacheldraht umzäunt und von einer Postenkette bewacht.
Am Freitag gedachten Kommunalpolitiker von diesseits und jenseits der Landesgrenze, Einwohner aus Grabow-Below und Wittstock sowie französische Abgesandte der Ermordeten. Dabei war Leon Schwarzbaum nicht der einzige Überlebende, der die Mühsal des langen Weges auf sich nahm.
Neben ihm die alten Kameraden Bert Lund aus Norwegen und der Budapester Edgar Frischmann. Alle drei reden nach der offiziellen Gedenkfeier in einem Zeitzeugengespräch mit Schülern. Damit hat Schwarzbaum die größten Erfahrungen. Der ehemalige KZ-Häftling macht sich jedes Jahr die Mühe, Jugendliche über die Gräueltaten der Nazis aufzuklären. Denn er hat am eigenen Leib gespürt, was die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Linke) laut fragt: „Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun?“ Hier, sagt sie, bekäme der Faschismus ein Gesicht und fordert ein schnelles Verbot der rechtsextremen NPD.

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