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Verfallene Gutshäuser brauchen rettende Ideen

Freud und Leid liegen auch bei Gutshäusern oft dicht beieinander. Beispiel: Während die Eigentümer des Herrenhauses in Tützpatz (oben) das Gemäuer immer mehr verfallen lassen, ist das im benachbarten Gützkow dank seines Besitzers wieder ein Kleinod geworden.  FOTOs: A. Brauns
Freud und Leid liegen auch bei Gutshäusern oft dicht beieinander. Beispiel: Während die Eigentümer des Herrenhauses in Tützpatz (oben) das Gemäuer immer mehr verfallen lassen, ist das im benachbarten Gützkow dank seines Besitzers wieder ein Kleinod geworden. FOTOs: A. Brauns

VonAnke Brauns

Stiftungen und Vereine, die sich für alte Herrenhäuser engagieren, wollen stärker zusammenarbeiten. Das Land soll bei der Notsicherung mit ins Boot – sträubt sich aber.

Pinnow.Stefan Gesell kennt das Gutshaus in Pinnow bei Altentreptow schon seit seiner Studienzeit. Immer mal wieder kam er vorbei, hat den zunehmenden Verfall gesehen. „Das Haus war ja schon zehn Jahre vor der Wende fast leer gezogen. Es war komplett kaputt“, sagt der Bauingenieur. Jetzt, wo das historische und nahezu exotisch anmutende Gemäuer fast als Ruine dasteht, ist Stefan Gesell Teil der Rettung geworden. Er kümmert sich im Auftrag des neuen Eigentümers aus München zunächst um die Sicherung. Inzwischen sind die größten Wassereinbruchstellen zu, der Treppenturm im Innenhof sei gegen Einsturz gesichert. Das Schönste an dieser Rettung sei für ihn die Erkenntnis, „dass es sich lohnt zu warten. Es hat einen Sinn, Ruinen zu erhalten. Man muss Geduld haben, mal was stehen lassen, über einen längeren Horizont blicken, dann gibt’s auch eine Chance.“
Mehrere Stiftungen und Vereine engagieren sich für den Erhalt von Gutsanlagen im Land. Diese beschreiten zwar unterschiedliche Wege, aber wollen zum gleichen Ziel und deshalb künftig stärker zusammenarbeiten. Die Stiftung Kulturerbe im ländlichen Raum beispielsweise versucht, an Gutshäusern exemplarisch Wege zum Erhalt und zur Nutzung aufzuzeigen, oftmals auch mit unkonventionellen Ideen. So trete sie an Gemeinden heran, versuche sie zu überzeugen, ihre Herrenhäuser zu behalten und kommunal zu nutzen, beschreibt Karen Albert-Hermann von der Stiftung.
Die Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt und zur Nutzung von Gutsanlagen legt das Hauptaugenmerk auf die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir müssen den hier lebenden Menschen begreiflich machen, dass die Gutsanlagen unser gemeinsames Erbe sind“, sagt Rolf-Peter Bartz vom Verein. In den letzten Jahren hat die Arbeitsgemeinschaft vor allem die rund 25 Prozent der gut 1000 denkmalgeschützten Gutsanlagen im Blick, die akut vom Verfall bedroht sind. Der Verein kämpft für ein Notsicherungsprogramm des Landes für solche Objekte – genau wie die Stiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen.
Beide fordern vom Land Geld für die Notsicherung und personelle Unterstützung für die unteren Denkmalschutzbehörden – bisher vergeblich. Mit einer entsprechenden Resolution hat sich gerade der Petitionsausschuss des Landtages befasst, sieht aber im Ergebnis keine Notwendigkeit für einen Notsicherungsfonds. Bei einem Runden Tisch im Juni in Neubrandenburg wollen Stiftung und Verein mit Landtagsabgeordneten und Landräten der Kreise Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen darüber diskutieren und sie von der Notwendigkeit überzeugen.

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a.brauns@nordkurier.de

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