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Vergebliche Mühe mit Skalp und Blitz-Schild

Ein junges Wildschwein liegt nach einem Zusammenprall mit einem Pkw tot auf einer Straße. Jeden Tag müssen Polizeibeamte der Region Wildunfälle in die Statistik eintragen.
Ein junges Wildschwein liegt nach einem Zusammenprall mit einem Pkw tot auf einer Straße. Jeden Tag müssen Polizeibeamte der Region Wildunfälle in die Statistik eintragen.

VonThomas Beigang

Davor hat jeder Autofahrer Angst: Unfreiwillige Begegnungen bei hohem Tempo mit Bewohnern des Waldes. Gegen Zusammenstöße scheint kein Kraut gewachsen.

Röbel.„Jeden Tag mindestens ein Wildunfall“. Auf diese einfache Durchschnittformel bringt Röbels Revierleiter Frank Etzold die Statistik für den südlichen Bereich der Müritzregion. Und dabei käme es auch vor, das die Polizeibeamten von der Schusswaffe Gebrauch machen. „Wenn kein Jäger schnell zu erreichen ist, müssen die Kollegen das schwer verletzte Tier erlegen.“
Die Zahl der Wildunfälle, in der dünn besiedelten Mecklenburger Seenplatte ohnehin sehr hoch, hat sich im vergangenen Jahr noch einmal gesteigert. 2856 Mal mussten 2012 die Polizisten im Landkreis wegen der unfreiwilligen Begegnungen zwischen Kraftfahrern und Waldbewohnern ausrücken, eine Steigerung um 181. Allein in der Müritzregion kam es dabei zu 836 Zwischenfällen, 784 waren es im Jahr zuvor. „Das viele Wild gehört nun einmal in die Region“, hat sich Hauptkommissar Etzold damit abgefunden. Dennoch ließe sich manches verhindern, würde sich Kraftfahrer mehr im Zaum halten. „Der Fahrzeugführer muss innerhalb seiner Sichtweite sein Fahrzeug gefahrlos zum Anhalten bringen“, nennt der Revierleiter ein wichtiges Gebote der Verkehrsordnung.
Sein Kollege Dietmar Jörs, Sachbearbeiter Verkehr in der Neubrandenburger Polizeiinspektion, kann von vielen Versuchen und Experimenten berichten, die Zahl der Wildunfälle zu verringern. Abgesehen von Wildzäunen oder Wildbrücken, die aber nur an Autobahnen zum Einsatz kommen, gehöre jenes Verkehrszeichen 142 („Achtung Wildwechsel“) zu den wichtigsten Instrumentarien. „Aber wer beachtet das schon aufmerksam?“, fragt der Oberkommissar. Auch deshalb habe es bis vor wenigen Jahren an der B 198 zwischen Neustrelitz und Wesenberg jenes „animierte“ Warnschild gegeben, das manchem Autofahrer heilloses Erschrecken garantierte, wenn das aufblitzte. „Das ist aber wieder abgeschaltet worden, weil dies nicht zu einer Reduzierung der Wildunfälle führte.“ Jörs weiß auch von dem Versuch, weiße Reflektoren an den Leitpfosten entlang besonders gefährdeter Abschnitte anzubringen. „Das führte dazu, dass das geblendete Wild nachts die Straße mied, aber tagsüber mussten mehr Wildunfälle registriert werden.“ Auch Versuche, den Menschen als Abschreckung einzusetzen, schlugen fehl.
Die Beamten besorgten sich Menschenhaare bei Frisören, füllten die in Dosen und nagelten das Ganze an Holzpfähle entlang der Straße. „Auch das hat sich nicht bewährt“, konstatiert der Experte. Selbst der Einsatz tierischer Duftstoffe habe keine Abhilfe geschaffen. Ob hingegen blaue Reflektoren an Leitpfosten, der neueste „Schrei“ der Abwehr, so auch zwischen Malchow und Nossentiner Hütte im Einsatz, etwas nutze, könne noch nicht gesagt werden. „Dazu ist es noch zu früh“, so Jörs.

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