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Volksfest-Virus bleibt ein Leben lang

VonPetra Konermann

Die Zeitrechnung in Malchow ist eine besondere: Hier wird von Volksfest zu Volksfest gedacht. Keine andere Stadt der Region hat so eine lange Erfahrung beim Feiern.

Malchow.Dieser Vorsprung ist nicht mehr einzuholen: Die Malchower feiern in diesem Jahr ihr 160. Volksfest und haben rund 100 Jahre Vorlauf zu vergleichbaren Festen der Region. Immer am ersten Juli-Wochenende steigt die Fete, bei der halb Malchow Kopf steht. Und das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein, versichert Malchows Bürgermeister Joachim Stein (Grüne), der ebenfalls Mitglied im Volksfestverein ist. Dieser Verein kümmert sich um die Vorbereitung des Höhepunktes. In der Inselstadt gilt: „Nach dem Volksfest ist vor dem Volksfest“, und so beginnt die Organisation schon im Sommer des Vorjahres. „Will man gute Musikgruppen verpflichten, geht das auch gar nicht anders“, meint Stein.
Dass das 160. ein besonderes Fest werden soll, davon will er allerdings nichts wissen. „Wir feiern immer groß, da ist es egal, ob es ein Jubiläumsfest ist oder nicht“, gibt sich das Stadtoberhaupt selbstbewusst. Höhepunkte sind ohne Zweifel die beiden großen Festumzüge: Am Freitag, 5. Juli, morgens um 10 Uhr rollt der Kinderfest-Ummarsch mit allen Kitas und Schulen durch die Stadt. Die Erwachsenen folgen tags darauf mit ihrem Umzug. „Das Geheimnis der Anziehungskraft ist, dass viele Malchower mit ihren eigenen Beiträgen mitmachen, dass auf der anderen Seite viele schon als Kinder mitgemacht haben. Das vergisst man sein Leben nicht“, ist Stein überzeugt.
Deshalb steht das Theaterstück, das Stadtvertreter und Verwaltungsmitarbeiter zur Gaudi für ihre Bürger einstudieren und aufführen, in diesem Jahr unter dem Titel: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. „Unser Fest wird ehrenamtlich vorbereitet, das soll auch so bleiben“, erklärt Stein. Rund 73000 Euro wird das Volksfest in diesem Jahr kosten. Rund 10 000 Euro kommen durch Spenden von Malchower Unternehmen oder Privatpersonen in die Kasse. Standgebühren schlagen mit rund 21200 Euro zu Buche. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Volksfestplaketten belaufen sich auf rund 25000 Euro. Die Stadt Malchow gibt 16800 Euro als Zuschuss auf dem Stadthaushalt dazu.
Während man sich in Malchow in Sachen Finanzierung ganz offen gibt, hüten die meisten Inselstädter ihren Beitrag zum Festumzug als Geheimnis. Erst zum Volksfest wird enthüllt, welche Kostüme zum Einsatz kommen. Nur „Inselfrisörin“ Kathrin Dobslaw gibt auf Nachfrage zu: „Wir machen in diesem Jahr nicht mit.“ Dabei wurde der Beitrag von ihr und ihren Mitarbeiterinnen von den Zuschauern besonders erwartet, immer hatten die Frisörinnen sich Spektakuläres einfallen lassen. „Wir brauchen eine kreative Pause“, so die Malchowerin, nennt aber auch einen anderen Grund: „Wir wollen Zuschauer sein und sehen, was die anderen auf die Beine stellen.“

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p.konermann@nordkurier.de

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