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Von Kopf bis Fuß auf die Jagd eingestellt

Bei Peter Borm zu Hause kündet einfach alles von der Jagd. Dabei sieht er sich mehr als Naturfreund. Er spürt kranke Tiere auf und sorgt für die Regulierung der Bestände. Denn das Schwarzwild hat sich seit der Großflächenlandwirtschaft sehr vermehrt.  Foto: S. Voß
Bei Peter Borm zu Hause kündet einfach alles von der Jagd. Dabei sieht er sich mehr als Naturfreund. Er spürt kranke Tiere auf und sorgt für die Regulierung der Bestände. Denn das Schwarzwild hat sich seit der Großflächenlandwirtschaft sehr vermehrt. Foto: S. Voß

VonSilke Voß

Ein Besuch bei einem Heger und Waidmann verbessert das Negativ-Image von Jägern als „Mörder“.

Nossentiner Hütte.In Peter Borms Haus gibt es nichts, was nicht auf die Jagd hinweist: Die Wände sind geradezu tapeziert mit Trophäen: Hirschgeweihe und Keiler-Hauer sind ja noch zu erwarten in Jägers Wohnung. Obwohl, einen Gamskopf sieht man schon seltener, wie er von einer erfolgreichen Jagd in Österreich kündet. Oder das Haupt von Muffelwild, wie es das noch vor Jahrzehnten viel in der Gegend gab. Die eigentlich auf Sardinien beheimateten Tiere mit ihren eindrucksvoll geschwungenen Hörnern wurden hier einmal ausgewildert und sind dann plötzlich wieder verschwunden. Selbst die massiven Eichenholzmöbel erzählen mit geschnitzten Reliefs von Waidmanns Erlebnissen. Die Wolldecke auf dem Sofa ist dekoriert mit Hasenmotiven. Auf den Fußabtretern springen Muster-Keiler. Die Gemälde ziert natürlich was? Wild im Winter. Und selbst der Stubentiger ist ein Jäger: Ein Vogeljäger, zum Leidwesen Herrchens.
Dass Peter Borm so jagdfixiert ist, liegt daran, dass ihm diese Leidenschaft in die Wiege gelegt worden ist. Schon Großvater war Förster in der Stettiner Forst. Und Vater war, nachdem er 1945 mit dem Fünfjährigen in die Heide kam, hier Oberförster. Allerdings geriet dieser, nachdem er Politbüro-Mitglied Grüneberg morgens wie einen Wilddieb bei der Hirschbrunft erwischte, mit den DDR-Oberen aneinander und wurde in einen Warener Forstbetrieb versetzt. Vater jedenfalls nahm den Kleinen früh mit „auf die Pirsch“, erzählt Borm. „Schon aus dem Kinderwagen habe ich den Hirschen nachgeschaut. Meinen ersten Rehbock habe ich mit 14 schon geschossen.“
Als Jagdhundausbilder und darin zweifacher DDR-Sieger ist er bekannt wie ein „bunter Hund“, zumal er in etlichen Gremien saß: Als Jagdgesellschaftsleiter, Dorfclub-Chef, Jagdhornbläser, Hunderichter etc. Vor allem aber versteht sich Borm als Naturfreund und Heger. „Jäger haben ja oft dieses Negativ-Image als Mörder, und alle Machthaber wie schon der Kaiser und Göring und das ganze Politbüro sind schließlich verrückt aufs Jagen.“ Borm dagegen sieht sich als Ornithologe, kennt jeden Vogel, den er früh um fünf auf seinen Spaziergängen erspäht, und mit seinem Schweißhund sucht er nach Fährten kranker, oft vor allem zwischen Vollratsruhe und Hütte auf der Straße verunfallter Tiere.Mit seiner Erfahrung und Naturliebe betreut Borm das Jagdrevier von Thiele-Winckler, eines Nachfahren der Erbauer repräsentativer Schlösser wie Vollratsruhe.Als Jäger habe er vor allem die Aufgabe, die Bestände zu regulieren, denn seit der Großflächenlandwirtschaft und der endlosen Maisfelder für die Biogasanlagen hat sich das Schwarzwild unglaublich vermehrt. Dank guter Jagdpflege kann sich in der Gegend auch das edle Rotwild mit mehr als 500 hier lebenden Stück sehr vermehren. Darunter die stärksten Hirsche Mecklenburgs wie der erlegte „Glaser“ bei Alt Gaarz 2012. Bis dahin hielt Honecker den Rekord inne.

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s.voss@nordkurier.de

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