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Wahre Bienenliebe rostet nicht

Bienen-Experte Eberhard Lau umsorgt seine Völker, sieht fast täglich nach ihnen. Für unser Foto hat er das Imkernetz abgenommen.  FOTO: Jörg Döbereiner
Bienen-Experte Eberhard Lau umsorgt seine Völker, sieht fast täglich nach ihnen. Für unser Foto hat er das Imkernetz abgenommen. FOTO: Jörg Döbereiner

VonJörg Döbereiner

Für manche ist die Imkerei ein Hobby, für andere eine Leidenschaft. Eberhard Lau hat sein ganzes Leben mit den Bienen verbracht.

Röbel.In dem kleinen Wäldchen zwischen Ludorf und Solzow ist das Summen schon von Weitem zu hören. Auf einer kleinen Lichtung steht ein Wagen mit vielen bunten Kästen. Über dem frisch gedeckten Teerdach schrauben sich braun-gelbe Punkte in die Mailuft. Mit Imkerhut und Pfeife tritt Eberhard Lau aus dem Inneren des Wagens. „Heute fliegen sie nicht besonders“, sagt er. „Zu kalt.“
Eberhard Lau kennt seine Bienen ganz genau. Schon als Jugendlicher hat der heute 75-Jährige seinen Vater zu den Völkern begleitet. Und war so begeistert, dass er sogar eine Imker-Lehre absolvierte. Er wurde zum Fachmann, war lange Zeit im Vorstand des Imkervereins Röbel und Sachverständiger für Bienenseuchen im Kreis. Die Vereinsarbeit hat Eberhard Lau mittlerweile Jüngeren überlassen. Aber die Leidenschaft für die Bienen brennt noch immer.
„Er ist manchmal den ganzen Tag draußen bei seinen Bienen“, sagt seine Frau Renate. Sie hält zu den Stöcken einen respektvollen Abstand. Bei ihrer Bienengiftallergie ist jeder Stich eine gefährliche Angelegenheit. Wenn Eberhard Lau loszieht, um nach seinen 20 Völkern zu sehen, packt sie ihm die Kühltasche mit Broten und Johannisbeersaft. Sie weiß: Vor dem Abendbrot kommt er nicht zurück.
Das flüssige Gold, das ihr Mann nach Hause trägt, verkauft Renate Lau normalerweise in Röbel und Waren. Heute aber läuft die Schleuder für den Privatgebrauch. Ein Besuch bei der Tochter in Rostock steht an, ihre Familie wartet schon auf den frischen Rapshonig. Direkt von der Schleuder schmeckt der Honig noch einmal so süß. Mild ist er, und nicht ganz so aromatisch wie der Sommerblütenhonig. Später im Jahr wird Eberhard Lau auch Weißdorn- oder Lindenhonig schleudern. Mit 30 Kilogramm pro Volk rechnet er in einem durchschnittlichen Jahr. In diesem wird der Ertrag aber wohl geringer sein als sonst, denn ungewöhnlich viele Völker schafften es nicht über den Winter.
„Heutzutage ist es nicht leicht zu imkern“, sagt Eberhard Lau. Auch ihm macht die eingeschleppte Varroa-Milbe zu schaffen, dazu kommen die Schädlingsbekämpfungsmittel im Raps. Mit der Zeit hat ihm auch sein Standort im Wald die Arbeit erschwert. Wenn ein Volk ausbüchst, fliegt es schnell in die hohen Bäume ringsum, wo Eberhard Lau keine Chance mehr hat, es einzufangen. Vor gut 25 Jahren, als er den Platz auswählte, standen die Bäume noch deutlich niedriger.
Egal was kommt, Eberhard Lau sieht nicht danach aus, als ließe er sich die Freude am Imkern verdrießen. „Soll man bloß zu Hause sitzen und Däumchen drehen?“, fragt er. Lieber schnappt er sich die Kühltruhe, und ab in den Wald.jd

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