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„Wildfänge“ zeigen ihre Genießer-Seite

Grit Perske (rechts) leitet das Training, das endlich wieder auf dem Reitplatz stattfinden kann; links Christin Witthuhn aus Roggentin und Vivien Zwinkmann aus Berlin (Mitte).
Grit Perske (rechts) leitet das Training, das endlich wieder auf dem Reitplatz stattfinden kann; links Christin Witthuhn aus Roggentin und Vivien Zwinkmann aus Berlin (Mitte).

Von unserem Redaktionsmitglied
Elke Enders

Dass sie sich striegeln lassen, ist eigentlich eine kleine Sensation. „Tanja“ und „Jacky“, die beiden Neuzugänge auf dem Krümmeler Reiterhof, stammen quasi aus freier Wildbahn.

Krümmel.Der Mensch ist ihnen kein Unbekannter. Der enge Umgang mit ihm aber schon. Dennoch scheinen sich die beiden Wildpferde mit der arttypischen zweifarbigen Mähne schnell in ihre neue Umgebung einzufinden. Und dass sie schon am zweiten Tag mit Bürste und Streicheleinheit verwöhnt werden, ist ihnen nicht unangenehm. „Die genießen schon, das kriegen sie ganz schnell raus“, weiß Grit Perske vom Krümmeler Reitverein, die den Hof betreibt.
Liebenthaler Wildlinge heißt die Rasse, die durch Rückzüchtung entstand. Etwa 100 solcher Pferde leben in der Wildtierherde der Stadt Liebenwalde (Brandenburg). Sie stammen aus einer seit über 40 Jahren geführten Zucht nach dem Vorbild des im 19. Jahrhunderts ausgestorbenen europäischen Wildpferds. Eingeordnet in den natürlichen Herdenverband, sind sie perfekt an Klima und Vegetation angepasst.
Da die Größe der Herde durch den vorhandenen Lebensraum, etwa 80 Hektar Fläche, eingeschränkt wird, müsse der Mensch regulierend eingreifen, Mineralstoffe hinzufüttern und Weidewirtschaft betreiben, heißt es seitens des Interessenvereins Liebenthaler Wildpferde, der sich dem Schutz der Tiere verschrieben hat. „Diese Herde und somit die Rasse der Liebenthaler Pferde ist in ihrer Lebensweise, ihrer funktionierenden Sozialstruktur und den individuellen Rassemerkmalen in Deutschland einzigartig“, informiert der Interessenverein auf seiner Homepage. Seine größte Angst ist es, dass Tiere der Herde beim Schlachter landen. Ein Los, das schon etlichen widerfahren sei. Eben, weil die Kapazität des Geländes bei natürlicher Fortpflanzung irgendwann erschöpft ist. Somit werden die Pferde gern an Liebhaber verkauft, die ihnen ein Zuhause bieten können. Anliegen des Interessenvereins ist es auch, die Rasse noch bekannter zu machen, um immer mehr Sympathisanten für diese „wundervollen Tiere“ zu finden.
„Tanja“ und „Jacky“ bleibt das traurige Schicksal einiger ihrer Artgenossen erspart. Stattdessen sehen sie Mutterfreuden entgegen. Die drei- beziehungsweise vierjährigen Stuten sind beide tragend. Wann genau die Fohlen kommen, könne bei Wildpferden aber nicht vorausgesagt werden. Die Krümmeler rechnen mit der Niederkunft für Mitte bis Ende Mai. Dass sich der Reiterhof für besagte Liebenthaler entschieden hat, hat den Grund, dass diese ähnlich dem Haflinger ein gutes Gemüt haben, gelehrig sind und vom Stockmaß her für den Reitunterricht geeignet. Rund 1,35 Meter werden die Tiere groß. „Wenn die Fohlen da sind, gehen die Stuten in die Reitausbildung“, kündigte Grit Perske an. Apropos Reitausbildung: Dass der Reitplatz endlich abgetaut und wieder nutzbar ist, hat bei den Pferdefreunden ein Aufatmen ausgelöst. Am 19. und 20. April nämlich wollen die Krümmeler gut vorbereitet beim Turnier in Plau an den Start gehen. Bislang mussten sie zum Training in die Reithallen nach Groß Kelle oder Malchow ausweichen, was einen weiten Anfahrtsweg bedeutete.
Für den Sommer nun ist der Reiterhof als Ferienquartier überaus gefragt. „Wir haben sieben Durchgänge hier. Wir sind voll ausgebucht“, konnte Grit Perske freudig vermelden. Aber auch für Spontan-Besucher, die reiten wollen oder den Streichelzoo mit Ziegen, Kaninchen, Hühnern aufsuchen, hält der Hof seine Pforten geöffnet.

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