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Wo ein Roboter Kühe melkt

Die Kombination machts: Uwe Schmidt setzt auf knapp 500 Milchkühe - und eine 500-Kilowatt-Biogasanlage.  FOTOs:Jörg Döbereiner
Die Kombination machts: Uwe Schmidt setzt auf knapp 500 Milchkühe - und eine 500-Kilowatt-Biogasanlage. FOTOs:Jörg Döbereiner

VonJörg Döbereiner

Milchbauer Uwe Schmidt stand vor der Wahl: die Rinder aufgeben oder einen neuen Stall bauen. Er entschied sich für den Stall. Und hofft nun, dass sich die Investition genauso auszahlt wie die letzte große vor fünf Jahren.

Bollewick/Kambs.So sehr sich die Landwirtschaft auch ändern mag, manches bleibt doch gleich. Fünf getigerte Katzen lungern auf dem großen Hof von Uwe Schmidt herum, am Rande von Kambs, einem Ortsteil der Gemeinde Bollewick. Es riecht nach Mist und Kühen. Aus einem gemauerten Stall muht lauthals ein Dutzend Jungrinder, wie schon vor 50 Jahren Kühe gemuht haben.
Mit ausgreifenden Schritten kommt Uwe Schmidt aus dem Wohnhaus, in dem er mit seiner Frau und den drei Töchtern wohnt. Der 47-Jährige hat wenig Zeit zwischen Mittagessen und Feldarbeit, aber für einen kurzen Besuch im neuen Stall reicht es.
„Wenn man jetzt baut, muss man die neueste Technik nehmen“, sagt der Landwirt. Er bleibt vor einer mannshohen Maschine stehen, neben der eine Kuh gemächlich an einen Fressnapf tritt. Während die Kuh frisst, fährt die Maschine einen Arm aus. An dessen Ende drehen sich zwei kleine bunte Bürsten. Sie reinigen und stimulieren die Zitzen am Euter der Kuh. Dann setzen vier Zylinder an und melken. Das Ganze passiert vollautomatisch. „Die Maschine erkennt jede Kuh an einem Chip am Halsband und weiß sofort, ob sie schon wieder gemolken werden muss“, sagt Uwe Schmidt. Sieben Melkroboter hat er, für 480 Tiere. „Die Alternative zum neuen Stall wäre gewesen, die Milchviehhaltung aufzugeben“, sagt der Bauer. Doch zu einem solchen Schritt konnte er sich nicht durchringen. Seit sechs Generationen hält seine Familie Vieh. Und ausgerechnet er sollte mit dieser Tradition brechen? „Außerdem hätten wir dann statt elf Beschäftigte vielleicht nur noch vier“, argumentiert Uwe Schmidt.
Weil die Maschinen das Melken übernehmen, besteht die Hauptaufgabe der angestellten Melker darin, Daten auszuwerten. „Sie haben mehr Zeit, um die Tiere zu beobachten“, meint Uwe Schmidt. Krankheiten würden so früher erkannt, auch weil die Maschine die Milch genau analysiert. Aus der Fließgeschwindigkeit der Milch und ihrer Farbe zieht der Melk-Roboter Rückschlüsse auf die Gesundheit der Kuh.
Der neue Stall ist nicht die erste größere Investition von Uwe Schmidt. Vor fünf Jahren, als die Milchpreise im Keller waren, suchte er nach einem zweiten Standbein. Und fand es in einer Biogasanlage. Der Schritt zahlte sich aus: Heute macht die Vergärung von Biomasse 40 Prozent seines Geschäfts aus. Jetzt hofft der Bauer, dass sich auch der neue High-Tech-Stall lohnen wird. Gut 25 Jahre soll der halten. Und die Familientradition ins 21. Jahrhundert hineintragen.

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j.doebereiner@nordkurier.de

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