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Wohnungslose in Waren müssen um Obdach fürchten

Die Warener Obdachlosenunterkunft in der Teterower Straße. Wegen ausbleibender Zahlungen des Landkreises sieht es um die Zukunft der Einrichtung recht düster aus. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas beigang
Die Warener Obdachlosenunterkunft in der Teterower Straße. Wegen ausbleibender Zahlungen des Landkreises sieht es um die Zukunft der Einrichtung recht düster aus. [KT_CREDIT] FOTO: Thomas beigang

VonThomas Beigang

Jetzt wird es richtig ernst. Denn um die Zukunft des Obdachlosenheimes in Waren sieht es nicht gut aus. Obwohl die Stadt in diesem Jahr noch einmal richtig Geld zur Verfügung stellt.

Waren.Ein gelungenes Beispiel für Wirtschaftlichkeit ist die Obdachlosenunterkunft in Waren noch nie gewesen. Mindestens 14 Bewohner müsste das Haus in der Teterower Straße zählen, damit sich der Betrieb für den Träger der Einrichtung, den Verein „Perspektive“, auch rechnerisch lohnt. Aber nur neun Menschen leben dort, einige bereits seit Jahren.
Trotz des ausreichenden Platzes wird es für die Bewohner nun eng. Denn weil der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, anders als in der Vergangenheit der alte Müritz-Kreis, wegen der angespannten Finanzlage seine „Subvention“ für das Warener Obdachlosenheim gestrichen hat, sieht die Zukunft düster aus. Die 15000 Euro aus dem Säckel der Stadt Waren werden nicht mehr lange reichen.
Warens Ordnungsamtschef Dietmar Henkel weiß um die vertrackte Situation bestens Bescheid. „Zu den Pflichtaufgaben einer Kommune zählt, sich um Wohnungslose kümmern zu müssen. Denen muss für die Nacht ein Obdach gewährt werden.“ In Waren aber hat man über viele Jahre viel mehr getan: Unter der Obhut von zwei Perspektive-Mitarbeitern sind betroffene Personen fast rund um die Uhr betreut worden. „So wussten wir die Leute gut aufgehoben.“ Streng nach dem Gesetz hätte auch in Waren schon immer ausgereicht, nur Obdach für die Nacht bereitzuhalten. „Einige der Bewohner könnten auch im betreuten Wohnen oder in Heimen unterkommen“, sagt der Ordnungsamtsleiter.
Bleibt die Kreisverwaltung hart, scheint das Ende der Obdachlosenunterkunft zum Jahresende besiegelt. Wie der Nordkurier erfuhr, gibt es für den Fall der Fälle auch schon einen Plan B. In Absprache mit Neubrandenburg besteht die Möglichkeit, „echte“ Wohnungslose aus Waren im Obdachlosenheim der Viertorestadt unterzubringen. Für
60 Personen wäre dort Platz, ausgelastet ist die Stätte noch nicht einmal zur Hälfte.
300 000 Euro kostet das Heim die Neubrandenburger Stadtkasse jedes Jahr. Bei Zuweisungen von Wohnungslosen aus Waren und Umgebung müssten die betroffenen Kommunen Geld nach Neubrandenburg überweisen. „Wird dann im Winter jemand ohne Dach über dem Kopf in Waren gefunden, muss der nach Neubrandenburg gefahren werden“, so Henkel.

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beigang@nordkurier.de

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