Nordkurier.de

Zeitung wird Opfer der Flammen

An der Ecke Große Straße und Turmstraße stand das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Bruno Fink. Bis kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges erschien hier die Penzliner Zeitung.  FOTO: Sammlung Kurt Köhn
An der Ecke Große Straße und Turmstraße stand das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Bruno Fink. Bis kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges erschien hier die Penzliner Zeitung. FOTO: Sammlung Kurt Köhn

Fast 60 Jahre lang erschien in Penzlin eine eigene Zeitung. Wolfgang Fuhrmann vom Arbeitskreis Stadtgeschichte berichtet über die Tradition gedruckter Nachrichten in der Jubiläums-Stadt.

Penzlin.Das Bedürfnis nach der Kenntnis von Neuigkeiten ist von jeher eine Eigenschaft der Menschen gewesen. In Penzlin war das natürlich nicht anders. Waren im Mittelalter die fahrenden Sänger die Träger gelegentlicher Nachrichten so tauchte parallel dazu auch schon bald der schriftliche Nachrichtenverkehr auf. Beides, mündliche und schriftliche Mitteilung, nannte man schon damals Zeitung.
Die erste eigene Zeitung für Penzlin wurde bereits am 9. April 1887 gedruckt. Bis dahin wurde das Neubrandenburger „Mecklenburgische Anzeigen- und Unterhaltungsblatt“ mit etwa 300 Exemplaren im Ort vertrieben. Der Berliner Otto Oscar Fink erwarb das Gruhnsche Grundstück, Große Straße 30, richtete dort eine eigene Druckerei ein und gründete die „Penzliner Zeitung“.
Sie erschien zunächst dreimal in der Woche mit jeweils vier Seiten. Besondere Unterstützung bekam das junge Unternehmen vom damaligen Bürgermeister Dr. Otto Piper, der in dem Blatt die amtlichen Bekanntmachungen der Stadt veröffentlichen ließ.
Besonders bei der einheimischen Geschäftswelt fand der Drucker und Verleger bald wachsenden Zuspruch und entsprechenden Absatz. Die Abonnentenzahl stieg innerhalb des ersten halben Jahres von 50 auf 200 Exemplare.
Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden verlegte Otto Oscar Fink die Druckerei in die Große Straße 50 und richtete hier auch ein Ladengeschäft ein. Die Druckerei diente nicht nur der Verbreitung von Neuigkeiten. Etliche Betriebe ließen dort ihre Geschäftsformulare drucken und auch als Verleger von Ansichtskarten machte sich Otto Oscar Fink bald einen Nahmen. Auch im Zeitungsgeschäft lief es gut. Die Abonnentenzahl stieg auf 400 – eine neue Fachkraft und ein Lehrling verstärkte daraufhin das Personal der Druckerei.
Ein Schicksalstag für Penzlin war dann der 15. September 1916. An diesem Tag vernichtete ein Großbrand einen Teil der Stadt. Es wird berichtete, dass während die Flammen schon das Grundstück der Druckerei bedrohten noch die Zeitung für den nächsten Tag gedruckt wurde. Dann ging der Betrieb in Flammen auf. Trotzdem erschien die „Penzliner Zeitung“ weiter.
Sie wurde aushilfsweise in Burg Stargard gedruckt – nicht eine Nummer des Jahrgangs fiel aus. Unter großen Anstrengungen wurde auf dem Grundstück Turmstraße/Ecke Mauerstraße ein neuer Betrieb errichtet. Zwei Jahre später, am 5. Mai 1918 starb der Gründer der „Penzliner Zeitung“. Das Geschäft wurde von seinem Sohn Bruno weitergeführt.
Neben seiner Tätigkeit als Druckereibesitzer engagierte sich Bruno Fink sehr am gesellschaftlichen Leben der Stadt. So war er unter anderem Schriftwart im Vorstand des Männer-Turnvereins „Gut-Heil“ Penzlin und Leutnant des Zweiten Zuges der Schützenzunft Penzlin. Unter seiner Federführung erschien seit 1919 zu fast jedem Schützenfest eine „Königsschuß-Fest-Zeitung“.
Die „Penzliner Zeitung“ erschien bis zum Frühjahr 1945. Ein mutwillig angelegter Brand zerstörte am 30. April 1945 auch dieses Unternehmen.

Kontakt zum Autor
red-waren@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×