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Ein unruhiger und unbequemer Geist

VonAngelika Halama

Ulrich von Hutten hat Ruhm und Ehre, aber auch bittere Armut, Krankheit und schwere Anfeindungen erfahren. Der Franke war vor 550 Jahren auch hier
im Nordosten unterwegs.

Rostock.Von Frankfurt Oder bis Mainz, von Rostock bis München erinnern viele Straßennamen an Hutten. Wer verbirgt dahinter?
Die Hutten sind ein fränkisches Adelsgeschlecht, das sich vermutlich nach dem Dorf Hutten bei Schlüchtern im heutigen Hessen nennt und ab dem 16. Jahrhundert zum Ritterkreis Franken der Reichsritterschaft gehörte. Es brachte mehrere Persönlichkeiten hervor. Die berühmteste ist Ulrich von Hutten, Humanist und Dichter, Gegner des Papsttums mit der verweltlichten Kirche und erster Reichsritter.
Ulrich von Hutten wurde am 21. April 1488 auf der Burg Steckelberg bei Schlüchtern geboren. Er war ein schwächliches Kind, wohl deshalb schickte der Vater seinen Erstgeborenen 1499 in die Stiftsschule in Fulda, wo ein Aufstieg in gut dotierte geistliche Ämter möglich war. Das Stift schickte ihn zum Studium nach Erfurt. Dort jedoch verabschiedete sich Ulrich von der geistlichen Laufbahn und schloss sich den Humanisten an.
Er verließ Erfurt um den Jahreswechsel 1504/1505, studierte an den Universitäten in Köln und Mainz und ging im Frühjahr 1506 nach Frankfurt/Oder, wo gerade die Viadrina gegründet worden war. Dort erwarb er im September 1506 den Grad Baccalaureus artium, nach heutiger Lesart Bachelor, und damit eine eingeschränkte Lehrbefugnis. Anfang 1508 ging Hutten an die Universität Leipzig, wo er offenbar auch lehrte.
Im Frühjahr 1509 verließ Hutten Leipzig. Über die Gründe dafür können Biografen nur mutmaßen. Einige Ursachen scheinen es gewesen zu sein: Unzufriedenheit mit dem Lehrbetrieb, Überheblichkeit, Wanderlust und die 1508 erfolgte Infektion mit Syphilis können dazu gehört haben. Vermutlich über Frankfurt/Oder zieht Hutten nach Norden.

Krank und bettelnd
kommt er nach Greifswald
Wasihm dann widerfährt, weiß man nur aus zweiter Hand. Von Seefahrt und Schiffbruch wird berichtet und gar die Brücke zum Schicksal des Odysseus geschlagen. Ulrich von Hutten berichtet nur, dass er krank und bettelnd nach Greifswald gekommen sei. Dort wird der mittellose Student von Professor Henning Lötz in seinem Hause aufgenommen, möglicherweise aufgrund eines Empfehlungsschreibens. Bei dem Juristen, Geistlichen und Verwaltungsbeamten Lötz, der einer angesehenen Familie angehört – der Vater Wedego Lötz ist Bürgermeister von Greifswald – fasst Hutten wieder Tritt. Die Familie versorgt ihn mit Geld und Kleidung. Er lässt sich an der Universität einschreiben, deren Matrikel ihn als Dichter und, weil ausgeraubt, kostenlos aufgenommen verzeichnet.
Doch der gute Zustand währt nicht lange. Es gibt Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Scholastiker Lötz und dem Humanisten von Hutten. Zudem fordert die Familie ihr Geld zurück, Hutten kann nicht zahlen. Schließlich will Ulrich anderswo Geld verdienen, um die Schulden zu begleichen. Die Lötze lassen ihn ziehen. Im Januar 1510 verlässt Hutten Greifswald in Richtung Rostock und wird kurz hinter Greifswald vermutlich von Lötz’ Leuten seiner Habe und Kleider beraubt. Mittellos und krank erreicht er Rostock. Es wird vermutet, dass er im Hl. Geist-Hospital Aufnahme fand. Professor Egbert von Haarlem nimmt sich seiner an. In Rostock verfasst Hutten seine Querelae in Lossios, in denen er bittere Klage über die Lötze führt, und arbeitet an seiner Verskunst.

Er schließt sich
der Opposition an
Auchdort bleibt er nicht lange. 1510 geht er nach Frankfurt/Oder, danach finden wir ihn in Wien, an den Universitäten Pavia und Bologna, wo er Jura studiert, im Kriegsdienst des Kaisers. Nach Fortsetzung des Jurastudiums in Rom, Bologna und Ferrara erhält er von Kaiser Maximilian I. 1517 in Augsburg die Dichterkrone. Im selben Jahr tritt er in die Dienste des Erzbischofs von Mainz. Doch schon bald wird er Mitglied einer nationalen Opposition, die eine Reichsreform will. Das kann der Kirche nicht recht sein: Franz von Sickingen versteckt ihn 1520 vor der kirchlichen Inquisition. Schließlich flieht er in die Schweiz, wo Ulrich Zwingli ihm auf der Insel Ufenau im Zürcher See ein Quartier bereitet hat.
Dort wird Ulrich von Hutten nach seinem Tod am 29. August 1523 an den Folgen der Syphilis begraben. Der Greifswalder Caspar David Friedrich schuf 300 Jahre später das Gemälde „Huttens Grab“. In Rostock erinnert ein Wandbild im Lichthof des Studentenhauses St.-Georg- Straße an Ulrich von Hutten.
Ulrichs Geburtsort, die Burg Steckelberg, wurde von seinem Vater 1509 noch einmal erneuert, zum Ende des 17. Jahrhunderts verfiel sie. Unter dem Besitzer Hugo Freiherr von Stumm wurde die Ruine am Ende des 19. Jahrhunderts gesichert. Heute ist die Burgruine Steckelberg Denkmal von nationaler Bedeutung. Von 2004 bis 2012 wurde sie vom jetzigen Eigentümer, der auch ein Gut im Landkreis Rostock besitzt, umfassend restauriert und gesichert. Am 26. Mai soll sie der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

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