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Bald ist großer Bahnhof im Bahnhof

Seit über 20 Jahren ist Sylvia Henschel Galeristin in Teterow. Sie organisiert alle paar Monate Ausstellungen und bereitet in diesem Sommer den Umzug in den Bahnhof vor.
Seit über 20 Jahren ist Sylvia Henschel Galeristin in Teterow. Sie organisiert alle paar Monate Ausstellungen und bereitet in diesem Sommer den Umzug in den Bahnhof vor.

Sylvia Henschel zieht mit der Teterower Galerie schon zum vierten Mal um. In 23 Jahren hat sich die erste Adresse für Kunst und Kultur in der Kleinstadt geändert und gewandelt und wuchs von 12 Quadratmetern auf bald 250. „Zuerst saßen wir in einem kleinen Stübchen mit Kachelofen“, erinnert sich die Galeristin an die Anfangsjahre.
Als Sylvia Henschel 1989 selbst nach Mecklenburg zog, „kannte ich fast niemanden hier. Ich hab einfach angefangen, die Leute ranzuholen“, sprudelt die Erinnerung aus ihr heraus wie ein wilder Bergbach. Die Rand-Berlinerin hat „ihre“ Mecklenburger immer einbezogen in ihre Kulturarbeit. Wenn es um Essen und Trinken für eine Ausstellungseröffnung ging. Wenn sie Hilfe mit der Elektrik brauchte. Wenn umgebaut werden musste.
Natürlich mussten viele Hemmschwellen überwunden werden. Doch Sylvia Henschel achtet immer akribisch darauf, dass hemmende Schwellen zur Kunst so niedrig wie möglich bleiben. „Als ich den Raum am Kamp übernehmen sollte, mussten erst mal Wände fallen“, erzählt sie. „Niemand sollte in die Galerie eintreten und vor einer Wand stehen. „Der Raum muss sich öffnen – einladend wirken“. Die Besucher sollen sofort sehen und spüren: Hier ist es gemütlich. Derzeit winkt dem Gast, der die Galerie Am Kamp betritt, das Glück entgegen. In Form einer leicht melancholisch dreinblickenden Winke-Winke-Katze auf einer bunten Grafik von Feliks Büttner. „Zu guter Letzt“ hat die
Galeristin mit Büttner einen langjährigen Rostocker Freund ausgestellt. Wer seine Zeichnungen und Buchillustrationen nicht kannte, kennt Büttner bestimmt, seit der Maler Schiffe der AIDA-Flotte bemalt und ihnen den typischen Kussmund verpasst.

Schöne Dinge des Lebens als Nachbarn

Nach Büttner wird am Kamp geschlossen. Am Bahnhof dagegen wird bereits eifrig gemauert, gemalert und elektrifiziert. „Im Bahnhof finden uns wenigstens alle“, freut sich Sylvia Henschel auf die Eröffnung der traditionsreichen Teterower Galerie an neuer traditionsreicher Adresse. Die Adresse der alten Galerie habe sie eh überall falsch angegeben, schmunzelt sie. Nicht an den „Kamp 5“ sondern an Nummer 1 hätte die Post eigentlich gehen müssen. Aber der Briefträger und viele Besucher fanden die Ausstellungsräume in den letzten 20 Jahren trotzdem.
Am Bahnhof wird das Finden gewiss noch leichter. Mehr Platz und die Nachbarschaft von Gastronomie und Friseur – „alles Genusssachen“, wie die Galeriechefin unterstreicht. Passen gut zueinander, die schönen Dinge des Lebens. „Hier kommt bei uns ein Tresen hin, an dem wir Kaffee-Spezialitäten anbieten werden“, erklärt sie mit ausgebreitetem Bauplan in der Hand. Für müde Männer zum Beispiel, die von der Schmuckanprobe ihrer Gattin erschöpft sind.
Sylvia Henschel sieht sich selbst mehr als Gastgeberin oder Dienstleisterin, denn als Kunsthändlerin. Darum lockt sie beispielsweise immer im Spätherbst die Frauenwelt aus Teterow und dem Umland zum „Damenabend“. Das sei eine Art „Kultur-Tupperparty“, bei der die Mädels in aller Ruhe und ganz unter sich Mode, Schmuck und Accessoires bewundern, prüfen, anprobieren und auch kaufen können oder als Weihnachts-Kleinigkeit dem Gatten empfehlen. Die Ideen, Kunst an Mann und Frau, an Mecklenburger und Urlauber zu bringen, gehen Henschel und dem Kunstverein Teterow nicht aus. Der Kunstverein ist Träger der Galerie und bringt die Manpower mit, die für Galiereieröffnungen, Hoffeste oder Pleinairs mit Sylvia Henschels unerschöpflichem Elan multipliziert wird.
Ihr Terminkalender für die kommenden Wochen ist dicht. Dieses Wochenende ist Hechtfest in Teterow und dann füllen die Sommerereignisse Spalte um Spalte. Im Juli wird in den Bahnhof umgezogen. Am 9. August werden die Fahrkarten für die erste Vernissage geknipst in den weitläufigen und vier Meter hohen Räumen der alten Schalterhalle. Die Stadt hat das Haus vor ein paar Jahren der Bahn abgekauft und lässt es zur Zeit ordentlich sanieren. Kunstsinnig hat sich Bürgermeister Reinhard Dettmann die Galerie der Teterower samt Sylvia Henschel als Mieter gewünscht.

Eröffnungsausstellung
„Non Vogue“am 9. Augustim Bahnhof Teterow.

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