
| Männer |
von Roland Regge-Schulz
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Gott schuf den Mann und sah, dass es gut war. Dann schuf er die Frau und schuf und schuf und ward nicht recht zufrieden. So gab er auf und sagte: „Du musst dich halt schminken.“
Bitte, bitte, jetzt keine bösen Briefe, das ist doch nicht frauenfeindlich gemeint, sondern männerfreundlich. Die Herren der Schöpfung haben doch sonst nicht viel zu lachen. Aber am 19. November, da dürfen sie. Da ist schließlich ihr Tag, der Internationale Männertag. Ja, den gibt es. Den gibt es sogar schon seit 22 Jahren. Ein bisschen Gleichberechtigung muss schließlich sein.
Es gibt den Muttertag und den Vatertag. Es gibt den Internationalen Frauentag und eben auch den Internationalen Männertag.
Nun behaupten Frauen gerne, der Kindertag hätte für die Männer auch gereicht, schließlich komme der Mann sein Leben lang nicht aus diesem Stadium heraus. Schon daran lässt sich erkennen, wie wichtig, ja, wie notwendig dieser Internationale Männertag ist. Dieser Tag soll den Fokus auf Männergesundheit legen, soll das Verhältnis der Geschlechter verbessern, soll die Gleichberechtigung der Geschlechter fördern und männliche Vorbilder hervorheben.
Jawohl, das ist auch dringend nötig. Also Männer, raus aus den Puschen und hoch den Kopf. Heute dürft ihr mal im Stehen pinkeln. Ausnahmsweise!
Männer sind das starke Geschlecht. Männer ziehen mit der Keule in den Wald, um das Mammut zu töten. Dessen Fleisch bringt die ktte Sippe über den Winter. Ganz zu schweigen vom Pelz für die Frau.
Männer gehen nicht wegen Lappalien zum Arzt, nur weil besagtes Mammut ihnen beim letzten Gefecht auf den Fuß getreten ist. Männer gehen höchstens zum Arzt, wenn der Fuß partout nicht wieder rauseitern will. Dabei sollten Männer dringend öfter zum Arzt gehen. Auch das will uns der Internationale Männertag sagen.
Die Vorsorgeuntersuchung ist zwar weiblichen Geschlechts, darf aber getrost von Männern genutzt werden. Nicht die Besten sterben früh. Sondern: Wer früher stirbt, ist länger tot. Ein Vorbild in der Kiste ist kein gutes Vorbild.
Apropos Vorbild. Das Kind sitzt in der Wanne und fragt: „Wo ist denn der Waschlappen?“ Die Mutter runzelt nur kurz die Stirn: „Der sitzt wie immer im Wohnzimmer und guckt Fußball.“
Hoppla, ein Männerwitz. Ziemlich gemein. Besonders am Männertag. Aber nur auf den ersten Blick. Männerwitze sind ein Akt der Gleichberechtigung. Was für Frauen recht ist, soll den Männern billig sein. Es geht die Vermutung, das sich Männer die Männerwitze selber ausdenken. Quasi als Ausgleichsmasse, um ungehemmt Frauenwitze erzählen zu dürfen. Fiese Witze wie: „Warum wurden die Frauen Jahrhunderte unterdrückt? Weil es sich bewährt hat.“
Womit wir beim Thema Gleichberechtigung wären. Auch das, ein wichtiges Anliegen des Internationalen Männertages.
Nun, die Frauen haben jahrzehntelang in Europa um ihre Gleichberechtigung gekämpft, haben sich das Wahlrecht und sogar das Recht, ihr Land mit der Waffe zu verteidigen, erstritten.
Gut, noch holpert es in manchen Bereichen, noch gibt es bei der Gleichberechtigung eine Menge Luft nach oben. Aber trotzdem, inzwischen gibt es kaum noch Männerdomänen. Frauen stehen überall ihren Mann, als Schlosser, Schweißer und Kanzler. Oder besser als Schlosserin, Schweißerin und Kanzlerin. Die ersten beiden Berufe stolpern noch über die Zunge, letzte geht schon glatt hinüber. Steter Tropfen höhlt die Sprache.
Nur Papst dürfen Frauen nicht werden. Eigentlich Quatsch, denn was hat der Papst schon davon, ein Mann zu sein. Nun, die Einführung einer Frauenquote im Vatikan werden wir wohl nicht mehr erleben. Aber die Führungsetagen der Konzerne werden schon weiblicher. Langsam, aber stetig.
Ganz nebenbei ist die Gleichberechtigung des Mannes ein wenig auf der Strecke geblieben. Der Männertag dient auch dazu, den Finger in diese Wunde zu legen.
Das beste Beispiel sind Versandhauskataloge. Vorn gefühlte 8000 Seiten mit Blusen, Röcken und Kleidern für Frauen. Danach werden die Kinder angezogen und hinten ein paar verschämte Alibiseiten für die Männer. Das ist doch ungerecht. Und wieso gibt es keine Klamottenläden, in denen sich Männer wenigstens halbwegs wohl fühlen?
Ölverschmierte Frauen im Blaumann sind längst akzeptiert. Es gibt eine Reihe Männer, die ihnen inzwischen sogar ihr Auto zur Reparatur anvertrauen würden. Es finden sich auch Frauen mit Gewehren im Anschlag. Soldatinnen. Nun gut, wenn es ihnen denn Spaß macht.
Dagegen finden sich aber Männer als Hebamme so gar nicht. Rein gesetzlich dürften sie. Seit 1985 könnten sie sich ausbilden lassen. Sie heißen dann natürlich nicht „der Hebamme“ oder „Hebammer“ oder „Hebammerich“ oder „Geburtshelfer“ sondern in seltsamsten Beamtendeutsch: „Entbindungspfleger“.
Ein einziger Mann in Deutschland hat sich bis jetzt in diesen Beruf getraut. Ein Mann aus Dresden unter den 14 300 Frauen im deutschen Hebammenverband. Akzeptiert ist er nicht. Oder um es mit den Worten der Pressesprecherin Frau Dr. Edith Wolber zu sagen: „Ob sich der Hebammenverband mehr Männer in dieser Profession wünscht: Nein. Wir sind froh, dass die Gynäkologie weiblicher wird und die Zahl der Frauenärztinnen zunimmt. Unser Ansatz lautet: geschlechtssensible Medizin und dazu gehört auch eine geschlechtssensible Geburtshilfe.“
Kurz gesagt: Solange Männer keine Kinder bekommen, sind sie als Hebamme unerwünscht.
Mit der Gleichberechtigung im Sport ist es auch nicht so weit her. Die Männerdomänen sind gebrochen. Gewichtheben, Boxen, Fußball, Skispringen, Hammerwerfen... alles Sportarten in denen längst auch Frauen am Start sind. Ja, und selbst in der Formel 1 dürfen sie ihre Runden drehen.
„Es gibt kein Reglement, das ausschließt, dass Frauen fahren dürfen“, sagt der amtierende Weltmeister und Mann Sebastian Vettel.
„Warum auch nicht, da müssen die ja nur vorwärts fahren und nie einparken“, sagt ein Freund, dessen Namen ich hier lieber verschweige.
Ein paar Frauen sind schon mit im Kreis gefahren. Die Italienerin Lella Lombardi zum Beispiel schaffte insgesamt zwölf Grand Prix und landete als einzige Frau auf einem Punkterang – 1975 in Barcelona mit Platz sechs.
Aber was ist mit Synchronschwimmen? Der deutsche Verband lässt Männer zwar mitschwimmen, international aber sind nur Frauen zu Wettkämpfen zugelassen. Dabei war Synchronschwimmen in seinen Ursprüngen mal eine reine Männersportart. Und wo bleiben die Männer bei der Rhythmischen Sportgymnastik? Das möchte man nicht wirklich sehen, gerecht aber wäre es.
Die Politik dagegen ist eigentlich ein typischer Männerspielplatz. Eigentlich, denn ganz oben sitzt eine Frau Bundeskanzlerin.
Doch es gibt auch in der Politik weitgehend männerfreie Bereiche. Gleichstellungsbeauftragte sind in der Regel Frauen. Und als wenn das nicht schon ungerecht genug wäre, bekommen sie so richtig Ärger, wenn sie die „Gleichstellung“ in ihrem Job wörtlich nehmen. Zum Beispiel Monika Ebeling. Sie ist 51 Jahre alt, Sozialpädagogin, Leiterin eines Kindergartens und war seit 2008 Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar. War! Bis sie abgewählt wurde. Der Grund: Ebeling habe sich zu sehr um benachteiligte Männer gekümmert und zu wenig um benachteiligte Frauen.
Am 19. November ist der Internationale Männertag. Anlass genug, Frau Monika Ebeling ein bisschen zu feiern. Und Anlass, sich ein wenig in der Welt umzugucken. Während hier der November trist vor sich hinnebelt, ist auf der Südhalbkugel Frühling. Und passend zum Internationlen Männertag tobt in Australien und Neuseeland der „Movember“.
„Movember“, das ist ein Kofferwort, ein Kunstwort, bestehend aus zwei Segmenten, die zu einem inhaltlich neuen Begriff verschmolzen sind. In diesem Falle sind das die Worte Moustache (engl. für Oberlippenbart) und November.
Im „Movember“ lassen sich die Männer in Australien und Neuseeland Bärte wachsen. Das ist ziemlich ungewöhnlich dort unten. Nach Meinung der Australier sind Männer, die Bärte tragen, entweder schwul oder Deutsche. Kaum zu glauben, aber fast zwei Drittel der Deutschen tragen einen Bart, in welcher Form auch immer.
Aber zurück nach Australien. Im „Movember“ packen immer mehr Australier den Rasierer in den Schrank und lassen sich zuwachsen. Das Ziel ist, Aufmerksamkeit zu erregen und diese Aufmerksamkeit dann auf die Gesundheit von Männern zu lenken. Vordergründig geht es dabei um die bessere Behandlung und die Vorbeugung von Prostatakrebs. Aber auch die Erforschung von Depressionen wird gefördert. Ein Krankheitsbild, das bei Männern weiter verbreitet ist als gedacht, aber oft nie oder zu spät behandelt wird.
Im „Movember“ werden von den gesichtsbehaarten Männern Spenden gesammelt. Manche Rasur am Ende des Monats gerät zur Party oder gar Spendengala – mit erstaunlichem Erfolg. Kamen beim allerersten „Movember“ nur ein paar tausend australische Dollar zusammen, werden inzwischen Jahr für Jahr steigende Millionenbeträge gespendet.
Heute ist der Internationale Männertag. Anlass für die Männer, sich mal gehörig auf die Schultern zu klopfen. Ja, klar, liebe Frauen, dass machen Männer doch immer. Heute aber dürfen sie. Heute wird mal das starke Geschlecht auf Händen getragen. Männer sind anders. Frauen sowieso.
Es ist schon seltsam, wenn eine Frau sagt: „Mein bestes Stück“, dann meint sie oft ihren Mann. Aber wenn ein Mann von seinem besten Stück spricht, meint er nur selten seine Frau.
Und falls ausgerechnet am Sonnabend die gute Fee vorbeikommt, hat Mann drei Wünsche frei. Los gehts:
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