Mi. 09. Mai 2012
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Kinderta & Co. von Redaktion

Muttertag als Marketing-Strategie

Es gibt den Muttertag, den Vatertag, den Kindertag - und eine Vielzahl anderer "Welttage". Gerne nutzen Unternehmen und Verbände diese Anlässe, um ihr Produkt oder ihre Botschaft an den Mann zu bringen. Manchmal mit durchschlagendem Erfolg.

Am 13. Mai ist Muttertag
Am 13. Mai ist Muttertag
Foto: Patrick Pleul (dpa)
Stuttgart/Erlangen (dpa)  

Es gibt den Tag der vermissten Kinder, den Welt-Alzheimer-Tag und den Weltumwelttag. Auch der internationale Tag der Jugend wird alljährlich begangen, der Welttag der Ozeane ebenso. Die Liste ließe sich lange fortsetzen - alleine die Vereinten Nationen haben mehr als 100 solcher Aufklärungs-, Mahn- und Gedenktage ausgerufen. Doch auch Kirchen, Verbände und einzelne Unternehmen nutzen gerne die Aufmerksamkeit, die mit solchen Tagen einhergeht - im Zweifel kreieren sie einfach einen eigenen.

"Ähnlich wie in den 1920er Jahren der Muttertag vom Verband der Blumengeschäftshändler etabliert wurde, versucht man durch derartige Welttage ein zusätzliches Datum zu schaffen, an dem die Nachfrage nach den entsprechenden Produkten besonders hoch ist", erläutert Marketingprofessor Andreas Fürst von der Universität Erlangen-Nürnberg. Wichtig sei dabei, dass auch die Medien den Welttag aufgriffen - ein Hinweis im Radio habe wesentlich mehr Gewicht als eine Anzeige. Zudem müsse der jeweilige Anlass direkt in den Läden präsent sein, um Spontankäufe auszulösen.

Kindertag, Muttertag, Vatertag - fehlt nur noch der Familientag

Ein Beispiel: Der Weltkindertag am 1. Juni. Analog zum Mutter- und Vatertag soll der Nachwuchs im Zentrum stehen. Viele Eltern nehmen sich an diesem Tag nicht nur besonders viel Zeit für ihre Kinder, sondern verwöhnen sie auch mit kleinen Geschenken - das Interesse der Spielwarenhersteller und -händler liegt auf der Hand.

Doch in der Bundesrepublik führte der in der DDR gerne gefeierte Kindertag lange Zeit ein Schattendasein. Ulrich Brobeil vom Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie (VDSI) berichtet ganz offen, warum der Kindertag inzwischen so stark promotet wird: Das Geschäft mit Spielsachen ist stark von Weihnachten abhängig, auf einer Konferenz im Jahr 2007 wurde deshalb ein zusätzliches Standbein gesucht - und der bereits 1925 ausgerufene Weltkindertag kam ins Spiel.

Erfolg der Spielwarenindustrie: Halloween

Die Branche ergriff die Gelegenheit beim Schopfe. Inzwischen sind weit mehr als eine halbe Million Euro in Marketingkampagnen und Medienkooperationen geflossen, und der Kindertag ist auf dem besten Weg, sich neben Weihnachten und Ostern zu einer festen Größe im Jahresablauf zu entwickeln.

Ein noch größerer Erfolg ist der Spielwarenindustrie mit Halloween gelungen. "Als nämlich Anfang der 90er Jahre der Karneval wegen des Irak-Krieges ausgefallen war und die Branche mit bedrohlichen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen hatte, suchte man nach einem Ausweg, der die Verluste wettmachen, aber auch die unterschiedlich lange Karnevalszeit stabilisieren sollte", erinnert sich ein Verbandssprecher. Inzwischen profitieren neben den Kostümherstellern auch andere Wirtschaftszweige von Gruselkürbissen und Fledermäusen. Schätzungen gehen davon aus, dass mit Halloween in Deutschland zuletzt etwa 200 Millionen Euro umgesetzt wurden.

Wichtigste Welttage: Valentinstag und Muttertag

"Es gibt viele Welttage, die einzelne Unternehmen als Anlass für Werbung nutzen", schildert Ulrike Hörchens vom Einzelhandelsverband. "Die wichtigsten sind nach wie vor der Valentinstag und der Muttertag. Die werden flächendeckend von den Unternehmen der typischen Geschenkebranchen beworben."

"Dass Unternehmen und Verbände da draufspringen und das als Katalysator, als Treibriemen nutzen, um Aufmerksamkeit für ihr Angebot zu bekommen, ist naheliegend", sagt auch Volker Nickel vom Zentralverband der Werbewirtschaft. Denn im Kampf um Aufmerksamkeit erreiche man die Medien und damit die Kunden am ehesten mit konkreten Anlässen. Aber: "Ob das immer funktioniert, daran habe ich erhebliche Zweifel."

Welttage als Werbemittel inzwischen inflationär

Denn die Sache sei kein Selbstläufer - auch nicht bei der Verbindung mit ehrenwerten Zielen wie etwa beim Weltgesundheitstag: "Aufmerksamkeit allein bedeutet noch keine betriebswirtschaftlich sinnvolle Marktkommunikation", weiß der Fachmann. Zumal die Gefahr bestehe, dass potenzielle Kunden durch eine Kampagne abgeschreckt werden. "Wenn ich als Unternehmen Werbung mache, weiß der Konsument - und der ist klug genug - : "Hier will mir jemand was verkaufen". Wenn das mit sozialen Komponenten durchwirkt wird, passt das eigentlich nicht zusammen", betont Nickel.

Dies gelte ganz besonders, wenn Unternehmen nicht an einen offiziellen Welttag "andocken", sondern ihre eigenen Daten ins Leben rufen - der Weltmaltag eines renommierten Stifteherstellers in Kooperation mit einer Kinderhilfsorganisation ist so ein Beispiel. Nickel ist sich sicher: "Das sind so Einzelversuche, aber die setzen sich nie durch." Dafür werde das Werbemittel der Welttage inzwischen viel zu inflationär gebraucht.

Geschenke müssen kein Geld kosten
Schnell einen Blumenstrauß an der Tankstelle kaufen? Oder einmal ins Kino einladen? Geschenke zum Muttertag müssen nicht zwangsläufig etwas kosten. Auch mit kaum oder gar keinem Geld können Kinder ihrer Mutter zum Muttertag eine Freude machen. Besonders gut klappt das mit einem Geschenk, das individuell ist und einen ideellen Wert hat, sagt Andreas Engel, Erziehungsberater und stellvertretender Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).

Es sei nicht wichtig, wie viel ein Geschenk koste, sondern was man damit sage. Und das lasse sich nicht mit Geld ausdrücken. "Da geht es ja um Beziehungen, um Fürsorge, um Zuwendung, das steht ja an diesem Tag im Mittelpunkt", sagt Engel. Sogar ganz kleine Kinder können ihrer Mutter etwas Individuelles geben, zum Beispiel etwas Gemaltes, Selbstgebasteltes oder einfach gepflückte Blumen.

Auch ältere Kinder können sich etwas Besonderes einfallen lassen. Vielleicht finden sie eine Kleinigkeit auf einem Flohmarkt oder übernehmen irgendeine Arbeit im Haushalt. Damit könnten sie die Mutter entlasten und anerkennen, was sie normalerweise für ihre Familie und ihre Kinder tut, sagt Engel.
dpa
Zum Muttertag fair gehandelte Rosen
Die Organisation TransFair hat Verbraucher zum Muttertag zum Kauf von fair gehandelten Rosen aufgerufen. 80 Prozent der Rosen, die in Deutschland verkauft würden, würden aus anderen Ländern importiert, erklärte TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath in Köln.

Die Hälfte dieser Import-Rosen komme aus Kenia. Pflückerinnen erhielten dort häufig ein nur spärliches Einkommen. Fair gehandelte Rosen, die aus Afrika eingeflogen würden, wiesen hingegen häufig sogar eine bessere Ökobilanz auf als Rosen aus europäischen Gewächshäusern, erklärte Overath. Wegen des durchgehend warmen Klimas entfalle die aufwändige Beheizung von Treibhäusern.

2011 wurden demnach insgesamt über 80 Millionen fair gehandelte Rosen verkauft. Fair gehandelte Blumen hatten demnach einen Marktanteil von sieben Prozent. TransFair gehört zum internationalen Verbund der Organisationen für fairen Handel, FLO. Die FLO legt soziale und ökologische Standards für fairen Handel fest. Unternehmen, die mit ihren Produkten die Standards fairen Handels einhalten, dürfen auf ihre Waren entsprechende Siegel aufdrucken.afp
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Der Präsident des Weltkongresses der International Traffic Medicine Association, Klaus Püschel