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Bahn schießt mit klapprigen Zügen ein Eigentor

„Wer weiß, wie lange wir das noch ausgehalten hätten“, fragt sich Lothar Hardt. Der Unternehmer betreibt auf den Bahnhöfen in Demmin und Altentreptow den Reiseservice, seine Frau berät in Neustrelitz die Kunden und verkauft dort die Fahrkarten.

„Für uns ist alles sehr dramatisch gelaufen“, schaut Hardt zurück. An die 40 Prozent Umsatz habe allein der Reiseservice in Neustrelitz eingebüßt, etwas niedriger sei das Minus in Altentreptow und Demmin ausgefallen. „Wir mussten deswegen leider zwei Mitarbeiterinnen entlassen und unsere Öffnungszeiten einschränken“, bedauert er. Von Seiten der Bahn habe es keine Unterstützung gegeben.

Hardt kann nicht nachvollziehen, warum die Strecke Berlin-Rostock während der vergangenen neun Monate wegen der Bauarbeiten voll gesperrt worden war. Zwar habe die Deutsche Bahn zwischen Neustrelitz und Birkenwerder sowie Rostock und Neustrelitz einen gut organisierten Busverkehr als Ersatz angeboten. Die zusätzliche Fahrstunde habe aber Kunden abgeschreckt, weiß er. Zumal das Umsteigen in den Bus und das Zurück in den Zug in Birkenwerder für Reisende mit Gepäck sehr beschwerlich gewesen sei. Hardt hofft, dass sich jetzt der Wind wieder dreht. „Wir stellen uns auf eine höhere Nachfrage ein“, sagt er. Zum Glück habe die Arbeitsagentur mitgespielt, so dass die entlassenen Mitarbeiterinnen wieder eingestellt und die Öffnungszeiten bei Bedarf wieder erweitert werden könnten. Das hänge nicht zuletzt davon ab, was das angekündigte neue Vergütungssystem der Deutschen Bahn hergebe. „Ich fürchte aber, dass nur ein Teil der Leute wieder zurück kommt“, ahnt der Experte.

Hardt lobt das Informationsmaterial der Bahn während der Vollsperrung, die ursprünglich nur bis Ende April dauern sollte und später auf Anfang Juni verlängert wurde. „Das war mehr als wir bisher kannten“, schätzt er ein. Dafür kritisiert er aber noch heute, dass der Umweg über Pasewalk nur mit Aufschlag für die Kunden angeboten wurde, während Rostocker zum gleichen Preis über Schwerin nach Berlin fahren durften. „Mir haben Kunden aber erzählt, dass Zugbegleiter der Bahn es auch toleriert haben, wenn Reisende kein teureres Ticket vorweisen konnten“, berichtet er.
Ein Eigentor habe die Bahn mit ihrem Fahrzeugpark geschossen, der zwischen Neustrelitz und Stralsund eingesetzt war. „Das war wohl mit die älteste Technik, die noch da war“, vermutet er. Deswegen sei es oft zu Zugausfällen gekommen. „Mit der Wertschätzung von Kunden hat das nichts zu tun“, findet er.

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