Di. 15. Mai 2012
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„Pimp my Rollator“ von Redaktion

Eine Frühlingswiese hilft beim Gehen

Nicht nur Autos lassen sich aufmotzen: Beim Projekt „Pimp my Rollator“ können Senioren ihrer Kreativität freien Lauf lassen und ihr Gefährt verschönen.

Kreative Senioren: Ilse Köhler (v.l.) und Agnes Schulze mit einer Pflegerin und ihren aufgemotzten Gehwagen
Kreative Senioren: Ilse Köhler (v.l.) und Agnes Schulze mit einer Pflegerin und ihren aufgemotzten Gehwagen
Foto: dapd
Hannover (dapd/nk)  

Ein rosaroter Rollator mit Strass-Steinchen – das ist eine Kreation von Bewohnern des Altenheims in der Bachstraße in Langenhagen bei Hannover. Unter dem Motto „Pimp my Rollator“ – zu deutsch „Motz meinen Rollator auf“ – ist die „Pink Lady“ entstanden. Behutsam streicht Ilse Köhler über den flauschig weichen pinkfarbenen Stoff der Ablage- und Sitzfläche. Gemeinsam mit anderen Heimbewohnern hat sie schließlich mehrere Stunden daran gebastelt.

Die „Pink Lady“ mit den Kunstblumen am Rahmen, den funkelnden Strasssteinchen an den Seiten der Räder und der großen Grünpflanze in dem farbigen Korb hat es der alten Dame besonders angetan. Am wichtigsten sei es gewesen, „dass alles pink ist“, sagt sie. Das sei doch „eine schöne moderne Farbe“. Die Ideen, wie der Rollator am Ende aussehen könne, seien erst nach und nach gekommen. Es habe „wirklich Spaß gemacht“, sich einbringen zu können, sagt die Seniorin.

Gestaltung dient auch als Therapie

Eine andere im Seniorenheim entstandene Gehhilfe erinnert an eine Frühlingswiese. Ein knalliges Grün dominiert den Rollator. Ein kess schauender kleiner Gartenzwerg hat es sich auf Kunstrasen gemütlich gemacht, und Blumen runden das Erscheinungsbild ab.

Die Idee zu „Pimp my Rollator“ hatte der Geschäftsführer des Seniorenheimes, Gregor Brill, bei der Vorbereitung zu einer Wirtschaftsschau. „Wir haben uns überlegt, wie wir uns präsentieren können, und wollten uns von der Masse abheben“, sagt er. Die Rollatoren umzubauen, sei lediglich eine fixe Idee gewesen, die aber gut angekommen sei. Schließlich spielten Gehhilfen bei vielen älteren Menschen eine große Rolle.

Zugleich sei die Gestaltung eine gute Therapie, sagt Beschäftigungstherapeutin Klara Kirsch. Normale Rollatoren gebe es nur in drei Standardfarben, sagt Heimchef Brill. Da sei es manchmal für die Bewohner schon schwierig, ihren eigenen nach einem Aufenthalt im Speisesaal wiederzufinden. Wer etwas mehr Geld investiere, könne aber auch schon vom Hersteller eine personalisierte Gehhilfe bekommen. Vom Schirmständer über Beleuchtung, integrierten Handwärmern, Spiegel oder Navigationssystem könne alles bestellt werden.

Bei Ideenwettbewerb ist „Rollator der Zukunft“ gefragt

Die Rollatoren, aus denen die Senioren die kleinen Kunstwerke gemacht haben, gehören jedoch dem Seniorenheim und sind nur noch bedingt alltagstauglich. Aus Haftungsgründen dürfe deshalb normalerweise nicht so viel daran verändert werden, sagt Brill.

Die Senioren jedenfalls sind auf den Geschmack gekommen. Schließlich seien die Gehhilfen normalerweise nicht wirklich hübsch, meint Ilse Köhler. „Da habe ich es mir wenigstens ein bisschen schick gemacht“, sagt die 90-Jährige, die ohne ihren Rollator gar nicht mehr gehen darf. Mit ihrem durch bunte Steine und Schleifen unverwechselbar aufgepeppten Gefährt könne sie sogar noch tanzen, erklärt sie und wippt zum Beweis damit hin und her.

Ideen wie die der Hannoveraner Senioren sammelt jetzt die Deutsche Seniorenliga. Zusammen mit einem Hersteller hat sie den Ideenwettbewerb „Stil:sicher unterwegs“ gestartet. Teilnehmer sollen ihren „Rollator der Zukunft“ entwerfen. Denn, so die Seniorenliga: Ein Rollator ist mehr als ein Gefährt(e) – er ist auch Ausdruck von Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Zumindest sollte er das sein – mit dem Wettbewerb soll der Gehwagen deshalb von seinem Alte-Leute-Image befreit werden. Mehr zum Wettbewerb, der noch bis zum 15. Juni läuft, finden Interessenten im Internet unter www.stilsicher-unterwegs.de.

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