
| Krankheiten |
von Karin Koslik
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Schnäuzen oder hochziehen?
Mancher Zeitgenosse trompetet so laut in sein Taschentuch, dass Nachbarn davon die Ohren schmerzen. Auch für den Betroffenen selbst kann das unangenehme Nebenwirkungen haben: Beim kräftigen Pusten entsteht ein hoher Druck, der das Schnupfensekret in die Nasennebenhöhlen pressen kann. Eine schmerzhafte Nasennebenhöhlenentzündung kann die Folge sein. Es sollte daher nach Möglichkeit auch nie durch beide Nasenlöcher gleichzeitig geschnaubt werden, sondern nacheinander durch jedes – denn so wird der Druck abgeschwächt. Hochzuziehen ist insofern tatsächlich gesünder – aber in unserem Kulturkreis nicht gelitten. Hier schnäuzt man sich leise und dezent, notfalls geht man dazu auf die Toilette.
Hand vor den Mund?
Nicht nur beim Gähnen, sondern auch beim Husten oder Niesen gehört es zum guten Ton, die Hand vor den Mund zu halten. Tatsächlich aber schadet das mehr, als es hilft. Denn über die so mit Tröpfchen benetzte Hand breiten sich die Erkältungsviren nur umso schneller aus – zum Beispiel über Türklinken, Telefone oder andere Gegenstände, die mehrere Menschen benutzen, aber natürlich auch von Hand zu Hand. Übrigens: Schnupfenviren können auf Oberflächen mehrere Stunden überleben.
Dennoch sollte natürlich niemand statt in die Hand offen vor sich hin husten oder niesen. Der bessere und zudem dezente Weg ist es, sich abzuwenden oder zumindest in die Armbeuge zu niesen. Ideal wäre es, wenn man in dieser Situation ein Taschentuch vor Mund oder Nase halten kann.
Wohin mit dem Taschentuch?
Ein Taschentuch sollte man nach Möglichkeit nur ein einziges Mal benutzen. Das spricht für den Gebrauch von Papiertaschentüchern, gilt aber letztlich auch für das Stofftaschentuch des stilvollen Herrn. Ein gebrauchtes Taschentuch wird nie offen liegen gelassen – auch nicht im Papierkorb. Statt dessen sammelt man die im Laufe eines Tages anfallenden benutzten Schnupftücher in einem Plastikbeutel und entsorgt sie – samt diesem Beutel – zum Feierabend oder vor dem Zubettgehen im geschlossenen Mülleimer.
Niesen unterdrücken?
Auch wenn Niesen in manchen Situationen wirklich unpassend sein kann – noch schlimmer ist es, den Niesreiz zu unterdrücken. Denn Niesen ist ein Schutzreflex der Atemwege, der dafür sorgt, dass Fremdkörper – Staub, Pollen oder auch Krankheitserreger – wieder aus der Nase befördert werden. Wird dieser Reflex unterdrückt, passiert Ähnliches wie beim zu kräftigen Ausschnauben: Was eigentlich aus der Nase herausgeschleudert werden sollte, wird nun in die Nebenhöhlen gedrückt – und kann dort für eine Entzündung sorgen.
Husten im Kino?
Wann ein Hustenanfall kommt, kann man sich – wie auch einen Niesreiz oder generell eine Krankheit – nicht aussuchen. Es kann also auch im Kino, Theater oder in einer wichtigen Besprechung passieren. Manchmal hilft es, in so einer Situation ein Bonbon zu lutschen. Hat man keins zur Hand oder hilft auch das dezente Lutschen nicht, sollte man sich besser entschuldigen und den Raum verlassen. Draußen dann am besten bewusst ein- und ausatmen und, wenn möglich, langsam ein Glas Wasser trinken – das sollte die Hustenattacke zum Abklingen bringen.
„Gesundheit“ wünschen?
Für die ältere Generation ist es Ausdruck guter Erziehung, jemandem „Gesundheit“ zu wünschen, wenn er niest. Moderne Etikette-Experten raten davon ab, sie halten es für unhöflich, jemanden derart öffentlich auf eine Unzulänglichkeit hin anzusprechen. Dezentes Ignorieren, lautet der Rat. Und: Wer niest, sollte sich kurz dafür entschuldigen – jedenfalls, wenn er sich nicht in einer größeren Gruppe befindet. In dem Fall sei es besser, das Niesen einfach stillschweigend zu übergehen – so wie es die Zeugen auch tun sollten.
Aber was heißt das nun praktisch? Am besten schätzt man das in jeder Situation neu ein. Oma und ihrer Freundin wünscht man „Gesundheit“ – der Arbeitskollegin, die ständig moderne Knigge-Regeln im Mund führt, eher nicht. Letztlich sollte man es am besten so halten, wie man es sich selbst wünscht, daran können sich Freunde und Kollegen dann auch orientieren, wenn es einen selbst erwischt.
Ab ins Bett?
Kommen zur Erkältung Gliederschmerzen und Fieber, könnte es sich also um eine echte Grippe handeln, wird man ganz von allein zum Arzt gehen. Ansonsten ist eine Erkältung nicht unbedingt ein Grund für eine Krankschreibung. So lange man sich leistungsfähig fühlt, kann man ruhig arbeiten gehen – sollte aber alles vermeiden, was dazu führen könnte, dass sich andere anstecken. Also: Regelmäßig die Hände waschen und Abstand zu Gesunden halten. Wer merkt, dass die Arbeit unter der Erkältung leidet, sollte lieber zu Hause bleiben und sich richtig auskurieren. Wärme fördert dann die Durchblutung der Nasenschleimhäute und damit den Genesungsprozess. Also: Warm anziehen oder mit einer Wärmeflasche und gut zugedeckt ins Bett oder aufs Sofa legen. Heiße Getränke und Erkältungsbäder helfen ebenfalls.
Bei allem Wärmebedarf gilt allerdings auch: Trockene Heizungsluft belastet die Schleimhäute. Deshalb das Krankenzimmer in regelmäßigen Abständen lüften. Auch Dampfinhalationen, eine Nasendusche und viel warmer Tee halten die Schleimhäute feucht.
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