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Falsche Wohltäter im Konkurrenzkampf

Altkleidercontainer ist nicht gleich Altkleidercontainer: Gemeinnützige Organisation und gewerbliche Sammler konkurrieren um die rund 750 000 Tonnen Kleidung, die jährlich in Deutschland in den Behältern landen.  FOTO: Jens Kalaene
Altkleidercontainer ist nicht gleich Altkleidercontainer: Gemeinnützige Organisation und gewerbliche Sammler konkurrieren um die rund 750 000 Tonnen Kleidung, die jährlich in Deutschland in den Behältern landen. FOTO: Jens Kalaene

VonGisela Gross

Rund 750 000 Tonnen Textilien landen in Deutschland jährlich in Altkleidersammlungen. Auf den Markt drängen längst nicht mehr nur Hilfsorganisationen. Doch welche Sammelinitiative ist die richtige?

Berlin.Der Konkurrenzkampf im Altkleidergeschäft ist hart: Bis zu 400 Euro bringt eine Tonne der Kleidung ein. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bemängelt, dass die Textilspenden für wohltätige Zwecke wegen illegaler Sammler deutlich zurückgegangen seien.

Welche Voraussetzungen müssen Altkleidersammler erfüllen?
Gemeinnützige Organisationen und gewerbliche Sammler müssen ihre Aktivitäten bei den örtlichen Abfallbehörden anmelden. Für Sammelbehälter auf öffentlichen Flächen benötigen sie eine Sondernutzungserlaubnis, die in der Regel das Ordnungsamt ausstellt. Unangemeldete Sammlungen sind nicht zulässig; Erträge würden dabei oftmals nicht versteuert, sagte ein Sprecher des Verbandes „Fair Wertung“, dem mehr als 100 Unternehmen und Gruppen angehören. Vermehrt schreiben auch Kommunen Altkleidersammlungen aus: Hier stehen gemeinnützige und gewerbliche Sammler im Wettbewerb.

Mit welchen Tricks
arbeiten die Sammler?
Häufig geben sich gewerbliche Altkleidersammler als gemeinnützig aus: Sie verwenden Vereinsnamen oder Logos, die an wohltätige Zwecke erinnern. „Wenn Sammler Zettel mit einem Spendenaufruf oder Sammeltüten vor der Haustür ablegen, sind die Wege, die die Altkleidung später nimmt, oft nicht nachvollziehbar“, sagt ein Sprecher vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). In vielen Bundesländern sind die Sammlungen nicht mehr staatlich geregelt. In Rheinland-Pfalz, wo noch ein Sammlungsgesetz in Kraft ist, musste 2009 etwa die Humana Kleidersammlung GmbH ein Logo mit Weltkugeln auf ihren Altkleidercontainern ändern. Es erinnerte an karitative Zwecke, obwohl die Firma nicht gemeinnützig ist.

Woran erkennt man
seriöse Container?
Die Verbraucherzentrale Berlin nennt online zwei seriöse Siegel für Altkleidercontainer: Das grüne Zeichen des Verbandes „FairWertung“ und das orangefarbene Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Beide Organisationen geben im Internet Auskunft über Abgabestellen. Seit 2013 stellt der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) ein Siegel aus. Das DRK verwendet seit 2013 einheitliche Info-Aufkleber.

Was kann man tun, wenn Sammlungen dubios
erscheinen?
Mit Testanrufen bei den Kleidersammlern lässt sich überprüfen, ob tatsächlich ein Verein hinter der Sammlung steckt. Diese müssten im Vereinsregister eingetragen sein und über eine Gemeinnützigkeitsbescheinigung verfügen.

Was passiert mit der
gesammelten Kleidung?
Nach Angaben des BVSE übersteigt die Altkleidermenge die Nachfrage um ein vielfaches. So geht beim DRK nach eigenen Angaben etwa ein Zehntel der Sammlung an Bedürftige in Deutschland. Der übrige noch tragbare Teil werde verkauft. Aus dem Erlös von rund zwölf Millionen Euro pro Jahr würden soziale Projekte finanziert. Der Verband „FairWertung“ gibt an, Kleidung aus Containern oder Straßensammlungen gehe „direkt und unsortiert an Sortierbetriebe im In- und Ausland“. Gut erhaltene Secondhand-Kleidung werde etwa nach Osteuropa oder Afrika verkauft. Textilien, die sich dafür nicht mehr eignen, werden zu Putzlappen oder Recyclingmaterial verarbeitet.

Schaden Altkleiderexporte der afrikanischen Textilindustrie?
Das DRK argumentiert wie auch der BVSE mit einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen von 2012: Darin sei dargelegt, dass der Rückgang lokaler Produktion in Afrika zum Teil auch auf „wirtschaftliche und handelspolitische Probleme des jeweiligen Entwicklungslandes“ zurückzuführen sei. Der BUND rät davon ab, Kleidungsstücke vor dem Einwerfen zu zerschneiden, um einen möglichen Weiterverkauf zu verhindern. Kleidung sei als Ressource zu wertvoll.

Gibt es Alternativen zur Abgabe in Containern?
Verbraucherzentralen raten dazu, alte Kleidung in Kleiderkammern abzugeben. Diese Spenden kämen oft Bedürftigen vor Ort zugute. Auch im Internet gibt es Möglichkeiten zum Kleidertausch, etwa in Gruppen auf sozialen Netzwerken oder auf Webseiten wie www.kleiderkreisel.de.

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