Nordkurier.de

Kampf und Sterben verfilmt

Literaturnobelpreisträger Czeslaw Milosz war wohl einer der ersten Künstler, die dem Kampf und dem Sterben im Warschauer Ghetto ein Denkmal setzten. In seinem Gedicht „Campo di Fiori“ verglich er 1943 die Verbrennung Giordano Brunos auf dem Scheiterhaufen der Inquisition mit dem brennenden Ghetto, schrieb über Gleichgültigkeit und Indifferenz der übrigen Menschen, das „Alleinsein der Opfer“. Das Motiv des Karussells der Osterkirmes an der Ghettomauer, die Musik, die die Salven der Schüsse übertönte, tauchte auch in Jerzy Andrzejewskis Roman „Warschauer Karwoche“ auf, später von Andrzej Wajda verfilmt.

International am bekanntesten ist sicherlich Roman Polanskis „Der Pianist“, der auf den Lebenserinnerungen von Wladylaw Szpilman basiert. Mit dem Oscar-prämierten Film verarbeitete Polanski, dessen Mutter in Auschwitz ermordet wurde und der als Kind das Krakauer Ghetto überlebte, auch die eigenen traumatischen Kindheitserlebnisse.
Nicht nur um das Warschauer Ghetto, sondern eine polnisch-jüdische Lebensgeschichte ging es in „Die schöne Frau Seidenman“, mit der Andrzej Szczypiorski in Deutschland einer breiteren Leserschaft bekannt wurde.

Die Berichte über das Leben im Ghetto gehören auch zu den eindringlichsten Passagen von Marcel Reich-Ranickis „Mein Leben“. Seine Frau Teofila fertigte im Ghetto eine Serie von Aquarellskizzen über den Alltag an – von bettelnden Kindern und der Brutalität der Besatzungssoldaten. Unter dem Titel „Es war der letzte Augenblick“ wurden diese Bilder Jahrzehnte später mit Texten von Hanna Krall veröffentlicht.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×