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So schützen Sie sich vor Einbrechern!

Ist Ihr Haus sicher vor Einbrechern? Anhand dieser Darstellung wurde beim Treffen deutlich, wie viele Schwachstellen es geben kann und wie leicht es Ganoven haben, sich Zugang zu verschaffen. [KT_CREDIT] FOTO: Quelle Polizei-Prävention
Ist Ihr Haus sicher vor Einbrechern? Anhand dieser Darstellung wurde beim Treffen deutlich, wie viele Schwachstellen es geben kann und wie leicht es Ganoven haben, sich Zugang zu verschaffen. [KT_CREDIT] FOTO: Quelle Polizei-Prävention

Wenn Detlef Bönisch vor der Haustür steht, kann man sich das Öffnen eigentlich sparen. Denn der Kriminalhauptkommissar weiß, wie man sich auch ohne Schlüssel Zugang zu einem Haus verschafft. Sein Spezialgebiet sind Einbrüche, sein Geld verdient er damit, diese zu verhindern. Um mit dieser Arbeit der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Erfolg zu haben, muss er mit den Maschen der Einbrecher stets auf Augenhöhe sein. Denn: „Es sind immer neue Begehungsweisen, auf die sich Hersteller von Sicherheitsprodukten einstellen müssen, das ist ein ständiger Wettlauf mit den Tätern“, erklärt Bönisch.

Was er fast verniedlichend als „Begehungsweise“ bezeichnet, hat in der Praxis mit Zurückhaltung nicht viel zu tun. „Meist gehen die Täter mit einem Hebel in die Falz von Fenstern oder Türen und brechen diese heraus, das dauert oft nicht länger als zehn bis zwanzig Sekunden“, berichtet der Fachmann. Der Zeitfaktor sei der wichtigste überhaupt, denn „wer unbedingt rein will, der schafft das auch“, so Detlef Bönisch. Ihn möglichst lange daran zu hindern erhöht den Abschreckungsfaktor für Einbrecher und ist somit erste Häuslebauer-Pflicht. Die Umsetzung dieser fängt schon vor dem Hausbau an.

Hohe Hecken geben Dieben Sichtschutz

Den ersten Schritt in Sachen Einbruchsprävention setzen Bauherren nämlich schon bei der Auswahl ihres Grundstücks. Auch deshalb geht Bönischs Blick zuerst aus dem Fenster. „Das Haus sollte nicht zu abseits gelegen sein und möglichst wenig ,blinde Stellen‘, also Seiten, die nicht einsehbar sind, aufweisen“, erklärt Bönisch. Nicht nur in Neubrandenburg hätten in der letzten Zeit gerade auch die Tageseinbrüche zugenommen. Begünstigt wird das kriminelle Handwerk durch hohe Hecken. Die sorgen zwar für gefühlte Privatsphäre, bieten aber auch Einbrechern einen guten Sichtschutz. Öffentlichkeit dagegen birgt für die Täter das Risiko entdeckt zu werden und sorgt so für Sicherheit, wenn auch auf Kosten der Abschottung.

Ähnlich „doppelbödig“ verhält es sich mit Rollläden. „Die sind zwar gut als Sicht- oder Sonnenschutz, zeigen aber an, ob jemand zuhause ist oder eben nicht“, erklärt Detlef Bönisch. Sind die Rollläden längere Zeit geschlossen, können Täter davon ausgehen, dass die Mieter oder Eigentümer im Urlaub sind.

Und das die Täter mögliche Objekte über längere Zeiten ausspähen und nicht sofort zuschlagen, davon muss man laut Detlef Bönisch ausgehen. „In der Regel sind das keine Gelegenheitstäter. Die gucken sich die Häuser an, fahren durch die Wohngebiete und schauen vor allem danach, wie gut sie selbst gesehen werden können, wie hoch ihr Risiko ist“, erklärt der Kriminalbeamte. Erst wenn sie sich sicher sind, schlagen sie zu.
Um ihnen genau dann einen Strich durch die Rechnung machen zu können, empfiehlt Bönisch vor allem eines: „Schon in der Bauphase sollten sich die Bauherren über wirkungsvolle Sicherheitslösungen gegen die Hausknacker beraten lassen und nicht am falschen Ende sparen.“ Nachrüstungen seien immer teurer und könnten schnell das Zehnfache kosten. Und noch einen Allgemeinsatz hat der Experte auf Lager: „Um wirklich Sicherheit zu schaffen, braucht es ein Zusammenspiel mehrerer Komponenten.“ Abschließbare Fenster bringen wenig, wenn die Verriegelungspunkte zu einfach überwindbar sind oder kein Spezialglas eingesetzt ist. Denn, und das wird kaum überraschen. „Fenster und Türen sind besonders gefährdet und sollten gut geschützt sein“, rät Detlef Bönisch.

„Pilzkopfzapfen" schrecken ab

Eines der Zauberwörter hier: „Pilzkopfzapfen“. Sie verriegeln die geschlossenen Fenster fest im Rahmen und machen das Aufhebeln sehr aufwendig. „Das bedeutet größeren Zeitaufwand, und der schreckt ab“, erklärt Bönisch.Zudem sei zusätzlich der Einbau einer durchwurfhemmenden Verglasung ratsam.

Die Haustür, aber auch andere Zugänge wie Kellertüren sollten ebenfalls gut geschützt werden. Eine Mehrfachverriegelung mit mindestens drei Riegeln empfiehlt Detlef Bönisch, dazu dürften gern noch sogenannte Schubstangen und Schwenkriegel kommen. Zusätzliche Hintergreifhaken helfen dabei, die Tür gegen ein Aufhebeln auf der Scharnierseite zu schützen. Zudem ist es immer gut, „wenn ich sehen kann, wer vor meiner Tür steht.“ Das Glas sollte dann aber ebenso geschützt sein, wie in den Fenstern.

Fenster zu, Türen abschließen!

Generell gilt: „Gelegenheit macht Täter.“ Angekippte Fenster nennt Detlef Bönisch eine „Einladung für Einbrecher“, „eine nicht verschlossene Tür ist eine offene Tür“, so der Fachmann. Das sehen auch Versicherungen so: „Bei Fahrlässigkeit kann die Bezahlung ausbleiben“, so Bönisch, angekippte Fenster zählen dazu.

Zuletzt nimmt er den naheliegendsten Angriffspunkt für Einbrecher ins Visier: Das Türschloss. Ein Sicherheitsschließblech mit einem Ziehschutz sollte zum Standard gehören. Dieser verhindert ein Herausreißen des kompletten Zylinders und verdeckt zudem dessen Hersteller. So können die Täter keine Rückschlüsse auf die Qualität des Zylinders ziehen. Um ganz sicher zu gehen, sollte der eingebaute Schließzylinder zusätzlich über einen Anbohrschutz verfügen.

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