Do. 07. Juni 2012
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Landesgartenschau von Paulina Jasmer

Wenn Blumen zum Manko werden

Prenzlau fiebert der Landesgartenschau 2013 entgegen. Während sich die Kreisstadt der Uckermark eifrig herausputzt, hat sich Mecklenburg-Vorpommern zuletzt von der LaGa verabschiedet.

Bundesgartenschau in Schwerin 2009
Die Bundesgartenschau in Schwerin 2009 war ein voller Erfolg. Täglich schlenderten mehr als 10.000 Besucher über das Gelände.
Foto: Jens Büttner (dpa)
Prenzlau/Schwerin (pj)  

Wenn es doch schon Herbst wäre in Prenzlau: Über 200.000 Blumenzwiebeln werden dann in Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2013 in die Erde gesteckt. Narzissen und Tulpen sollen im kommenden Frühjahr sprießen. Mehr als 800 Rosen wurden bereits gepflanzt und sammeln derzeit ihre Kräfte, um in schillernder Blütenpracht zu erstrahlen. Kurz vor der LaGa werden Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht ihre Köpfchen gen Himmel strecken. 250.000 Blumen warten zusätzlich im Jahr der LaGa auf ihren Einsatz.

Die Stadt Prenzlau lässt sich dieses Großereignis Einiges kosten, um den erwarteten 350.000 Besuchern eine fulminante Gartenschau zu präsentieren. So wurde sogar das Stadtsäckel noch weiter geöffnet: Zunächst war der städtische Eigenanteil per Beschluss auf gut sechs Millionen Euro begrenzt. Doch die reichten offenbar nicht. Die Summe wurde um etwa eine Million Euro aufgestockt, damit den Vorfreuden auf die LaGa kein Abbruch getan wird. Und damit eben auch ein Blumenparadies die Gäste frohlocken lässt.

Das sind indes nicht unbedingt rosige Aussichten. So betrachtet  eine Mitarbeiterin aus dem Rathaus in Eberswalde die Situation nach der dortigen LaGa 2002 als „tickende Zeitbombe“ und fügt hinzu: „Noch heute hat Eberswalde an den Folgen zu knapsen.“ Dass gerade die Blumen zur Achillesferse einer Gartenschau werden können, bestätigt Professor Jürgen Peters, Landschaftsarchitekt an der Hochschule Eberswalde. „Gartenschauen sind ein zweischneidiges Schwert“, sagt er.

Erste Landesgartenschau vor 115 Jahren

Vor 115 Jahren – zur ersten Landesgartenschau in Hamburg – standen eben diese Blumen im Mittelpunkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hingegen war die LaGa fast ein Hilfsprojekt, das Unterstützung beim Wiederaufbau leistete und Kriegsschäden beseitigte. Heutzutage rücke auch immer der Tourismus in den Fokus. So auch in Prenzlau. „Es geht nicht mehr allein darum, eine Grünanlage zu schaffen oder zu verschönern, eine ganze Region soll davon profitieren“, so Jürgen Peters. Und das ist dann in all die Blüten-Träume gebettet. 

Blumen, Blumen, Blumen – das ist etwas für Besucher mehrerer Generationen, die auch gerade deswegen anreisen. Das Manko: Blumen sind nichts Nachhaltiges und in Prenzlau ist von einer Vier-Hektar-Fläche – also rund zehn Fußballfelder – die Rede. Dass einige Kritiker eine Landes- oder Bundesgartenschau allgemein für eine Nummer zu groß halten, weiß der Eberswalder Dozent. Diesen Vorwurf könne man nicht unter den Teppich kehren. Versenktes Geld, Fehlkalkulationen und unrealistische Ziele werden als Gegenargumente ins Feld geführt.

„Tatsächlich ist es aber so, dass durch eine LaGa alte und historische Häuser saniert werden und zum verbesserten Stadtbild beitragen“, erklärt Jürgen Peters. „Damit ist eine Gartenschau ein Geschenk.“ So investiert die Stadt Prenzlau beispielsweise in das Großprojekt „Bahnhof“, damit Besuchern und Einheimischen eine ansehnliche Ankunft und Abreise gewährt werden kann – auch nach der LaGa.

Schweigen über Zeit nach der LaGa

Aber: „Der Aufwand für diese Blumenschauen ist immens und das nur für wenige Wochen Schönheit“, bringt es Jürgen Peters auf den Punkt. Denn die Blumenqualität könne auf Dauer nicht gewährleistet werden. „Das Geld wäre woanders besser aufgehoben.“ Irgendwelchen Moden dürfe die Stadt nicht hinterher laufen, nur um mehr Besucher ziehen zu wollen. „Man muss aufpassen, dass man nicht beliebig wird“, warnt der Experte.

Beliebigkeit liegt den Prenzlauern fern, obgleich ordentlich in Blumen und Co. investiert wird – so wie es etliche LaGa-Städte schon in der Vergangenheit getan haben. Für alle Bodendecker, Gehölze, Bäume und Stauden wird sich ein Plätzchen finden.

Wie es allerdings nach der LaGa 2013 konkret weitergeht, dazu schweigen sich Stadt und auch die extra gegründete LaGa GmbH in Prenzlau aus. Vom LaGa-Pressesprecher Matthias Bruck ist zu erfahren, dass der Geschäftsführer Thomas Guhlke an einem Nachnutzungskonzept arbeite. Wann es dazu dezidierte Aussagen geben wird, lässt Bruck offen.

Eberswalde: Jährlich rund 450.000 Euro für ehemaliges LaGa-Gelände

Welche Summen und Maßnahmen für die Nachnutzung dann eine Rolle spielen, weiß aber auch die Stadt bisher nicht, so Rathaus-Pressesprecherin Alexandra Martinot. Nur soviel: Die Bewirtschaftungskosten vor der LaGa beliefen sich auf rund 32.000 Euro.

Als sich Prenzlau für die LaGa 2009 bewarb, war von 65.700 Euro für Folgekosten die Rede, eben der jährliche Zuschuss für die Pflege der LaGa-Fläche. Mit Blick auf die LaGa 2013 wurde laut Medienberichten im Sommer 2009 die Summe von etwa 100.000 Euro angegeben. Zum Vergleich: Eberswalde schießt jährlich rund 450.000 Euro für das ehemalige LaGa-Gelände zu, in Rathenow sind es 500.000 Euro. In Oranienburg beläuft sich die Summe gar auf 1,5 Millionen Euro – dort blühten jedoch auch über eine Million Blumen. Dabei bleibt jedoch festzuhalten, dass die Städte unter eigenen speziellen Voraussetzungen die LaGa auf die Beine stellten.

Niemand der Prenzlauer Verantwortlichen lässt sich derzeit auf solche Gedankenmodelle ein. „Es ist ja auch zu früh“, so Matthias Bruck. Fakt sei aber, dass die Flächen für die Prenzlauer LaGa aus vorhandenen Grünflächen entstanden sind und noch entstehen werden. Am Ende würden sie wahrscheinlich auch wieder Grünanlagen werden, nur attraktiver.

Fehlende EU-Gelder: Prenzlau könnte letzte LaGa-Stadt sein

Fest steht, dass nach der Gartenschau kein Eintrittsgeld erhoben werde, um Kosten zu tilgen. „Der Stadtpark zum Beispiel war schließlich schon vorher da und da musste kein Eintritt bezahlt werden“, sagt Matthias Bruck. Dass sich in Oranienburg die Gemüter gerade am bestehenden Schlosspark schieden, dessen Nachnutzung zum Zankapfel wurde, ist Matthias Bruck bekannt. Aber diese Gefahr der Kontroverse schließt er aus. „Die Kosten werden sich in Grenzen halten“, versichert er, die Bürger würden nicht belastet. Eine gute Nachricht. Nur: Steuergelder gehören auch in jeden städtischen Finanzplan, mit dem geplant, investiert und abrechnet wird.

Apropos Finanzen: Von der LaGa 2014/15 in MV verabschiedet hat sich die dortige Landesregierung, obwohl die Bundesgartenschau in Schwerin Erfolgsgeschichte schrieb. „Den LaGa-Bewerbern Güstrow und Putbus fehlte ein wichtiges Kriterium: die langfristige finanzielle Leistungsfähigkeit“, so Matthias Saretz, Pressesprecher des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.

Laut Jens-Uwe Schade, Sprecher des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft in Brandenburg, könnte Prenzlau die letzte LaGa-Stadt sein. Ab 2014 fehlen dem Land wichtige EU-Fördergelder. Ob es mit der Vergabe einer solchen Gartenschau weitergeht, müsse das Kabinett entscheiden. Mecklenburg-Vorpommern hat offenbar die Notbremse gezogen. Das Ministerium feilt an anderen Modellen – während Prenzlau in LaGa-Blütenträumen schwelgt.

Wie wird eine LaGa finanziert?
Wenn eine Stadt den LaGa-Zuschlag erhält, dann geht es um Millionen von Euro. „Das ist die Lizenz zum Investieren“, sagt Jens-Uwe Schade vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft in Potsdam. Eine innenministerielle Arbeitsgruppe (IMAG) begleitet die LaGa-Stadt, so auch Prenzlau. Die Gelder für eine Landesgartenschau kommen vor allem aus drei Quellen. Ein Teil der LaGa-Kosten wird durch die Städtebauförderung getragen. Weiterhin stützen sich die Vorhaben auf den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Bis Ende 2013 können die neuen Bundesländer noch auf den Höchstfördersatz von 75 Prozent zurück greifen. Dafür müsse auch die Stadt über ausreichend Eigenmittel verfügen, so Jens-Uwe Schade. Weitere Mittel kommen für einzelne Projekte aus Bereichen wie Sport und Kultur. pj
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